Rote Zone verursacht Zornesröte
Auch die Wirtschaftskammer verlangt rasche Lösung für Hochwasserschutz in Wörgl, Aktionsgemeinschaft sieht wiederum Kundl als mögliches Opfer. Am 27. Jänner findet ein TT-Forum zu diesem Thema statt.
Von Wolfgang Otter
Wörgl, Kundl –Die Farbe Rot steht für Gefahr. Und genau diese Farbe breitet sich in einem erschreckenden Ausmaß im Gefahrenzonenplan für Wörgl im Westen der Stadt aus. Hier, so ist zu befürchten, würde bei einem Hochwasser des Inns, das die 100-jährige Marke erreicht, alles versinken. Eine Prognose, die durch das Hochwasser 2005 bestätigt wurde, verursacht durch einen gebrochenen Damm am Gießen im Zulauf zum Inn.
Seither ist Feuer am Dach der Stadt, wie die TT bereits mehrmals berichtete. Denn eigentlich geht innerhalb dieser roten Zone gar nichts mehr: keine Betriebserweiterung, keine Erweiterungen von Wohnhäusern. Ein ganzer Stadtteil Wörgls, darunter auch der Gewerbepark samt Terminal der ÖBB, ist davon betroffen. Hier muss nun jedes einzelne Bauansuchen von der zuständigen Landesabteilung geprüft werden, außerdem sind gesalzene Auflagen zu erwarten. Die Lösung wäre ein Schutzdamm zwischen Inn und Autobahn, einer, der bereits kurz nach dem Hochwasser 2005 mit seinen katastrophalen Auswirkungen versprochen wurde. Nur ist die Realisierung dieses Bauwerks schwieriger als gedacht.
Im Frühjahr 2014 mussten die Wörgler zur Kenntnis nehmen, dass die von der Stadt geplante Mauer zu kurz ist, weil das Land auch den Osten Kundls und das dortige Gewerbegebiet schützen will. Noch eines stellte das Land klar: Ohne entsprechende Retensionsflächen, also Grundstücke im Oberlauf, die gezielt geflutet werden können, wird es keinen Mauerbau geben. Die Gefahr für die nachfolgenden Gemeinden am Inn sei zu groß. Seither gibt es zähe Verhandlungen für einen Gemeindeverband der Orte Wörgl, Kundl, Radfeld, Brixlegg und Breitenbach, der sich um diesen Mauerbau samt Retensionsflächen bemüht.
Nicht nur der Wörgler Bürgerinitiative dauert das Ganze zu lange, auch die Wirtschaftskammer um Präsident Jürgen Bodenseer und Bezirksobmann Martin Hirner verlangen mehr Tempo. „Es braucht endlich eine klare Aussage, wann die Mauer steht und die rote Zone fällt“, verlangt Hirner und spricht dabei besonders das Land Tirol an. Unternehmen seien derzeit stark in ihrer Entfaltung behindert, Neuansiedlungen seien schwierig. Was die künftige Abgeltung der für Überschwemmungen reservierten Flächen an die Grundbesitzer angeht, könnte sich die Wirtschaftskammer eine Drittellösung zwischen Bund, Land und Gemeinden vorstellen.
Nicht ums Geld, sondern um die Existenz geht es jedoch jenen Hofbesitzern, die im hauptsächlichen Retensionsgebiet leben. Sie befürchten ein Fluten ihrer Häuser. Die „Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Höfe und Wohnhäuser“ unter Kundls Vizebürgermeister Michael Dessl, selbst Grundbesitzer, geht daher auf die Barrikaden und meint: „Eine klare Verschärfung der Thematik hat das in Aussicht gestellte technisch gesteuerte Fluten für uns mit sich gebracht. Die mit dieser Variante einhergehenden Wassermengen stellen faktisch eine Bedrohung für unsere Höfe und Wohnhäuser dar. Wir sprechen uns klar gegen eine weitere Wasseraufnahme im Gebiet St. Leonhard/Weinberg/Radfeld Ost aus. Mit 3,1 Millionen Kubikmetern Fassungsvolumen, das entspricht 319 Hektar Retentionsflächen, und einem Wasserspiegel von 2,5 Metern tragen wir mehr als üblich zum Hochwasserschutz im Inntal bei – mehr geht nicht. Mehrere kleine Maßnahmen den Inn entlang wären angemessener und ökologischer als ein riesengroßes Rückhaltebecken bei Kundl und Radfeld mit ca. 8 Mio. Kubikmetern Wasservolumen.“
Einer, der für die Volkspartei federführend in die Sache involviert ist, ist der Breitenbacher Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Alois Margreiter. Er weist die Vorwürfe von Dessl zurück: „Niemand will Bauernhöfe fluten.“ Bei einem Hochwasser mit der 100-jährigen Marke würden ganz gegenteilig jetzt die Bauernhöfe unter Wasser stehen, durch die geplanten Maßnahmen könnten diese sogar geschützt werden, meint Margreiter. Auch bedeute die derzeitige rote Zone nicht das Aus für alle Baumaßnahmen. „Wir haben da ja entsprechende Erfahrungen mit der roten Zone im Wildbachbereich.“ Sehr viel von einer möglichst raschen Umsetzung der Schutzmauer wird nicht nur von der Gründung des Verbandes, sondern auch von der Frage abhängen, ob nicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Schutzmauer mit einer Länge von über einem Kilometer notwendig ist.
Am Dienstag, 27. Jänner, 19.30 Uhr, werden die Argumente bei einem TT-Forum im Wörgler Volkshaus aufeinanderprallen. Auf dem Podium sitzen BM Hedi Wechner, LA Alois Margreiter, Stadtarzt Josef Schernthaner (Bürgerinitiative) und ein Vertreter des Amts der Landesregierung. Moderation: TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern.
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