Von Romney bis Clinton - Oldie-Rennen bei US-Wahl 2016?
Washington (APA/dpa) - Die USA sind ein riesiges Land mit über 300 Millionen Einwohnern. Da müsste es von frischen Gesichtern bei einer Präs...
Washington (APA/dpa) - Die USA sind ein riesiges Land mit über 300 Millionen Einwohnern. Da müsste es von frischen Gesichtern bei einer Präsidentschaftswahl eigentlich nur so wimmeln. Aber bisher sieht es eher nach einem Rennen zwischen alten Bekannten aus.
„Wir haben genug, genug, genug“, sagte Ann Romney noch im vergangenen Jahr. Aber nun sieht es plötzlich anders aus. Mitt Romney, der zweimal gescheiterte US-Präsidentschaftsbewerber, „denkt ernsthaft darüber nach“, es 2016 ein drittes Mal zu versuchen, wie er am Freitag bei einem Republikaner-Treffen in San Diego bestätigte. Und seine noch bis vor kurzem so wahlkampfmüde Frau „ermuntert“ ihn nun. „Sie sagt, dass man mit der Erfahrung besser wird“, berichtet der Ex-Gouverneur von Massachusetts. „Ich habe sicherlich genug Erfahrung in Präsidentschaftsrennen.“
Das stimmt. Aber wer braucht ein drittes Mal einen „Looser“ Romney? Da kommen selbst konservativen Kreisen Zweifel. „Romney recycled“ überschrieb das „Wall Street Journal“ einen jüngsten Artikel, nachdem der Multimillionär erstmals zu erkennen gegeben hatte, dass er vielleicht doch nicht genug hat. Darin bescheinigt das Blatt Romney einen „bewundernswerten persönlichen Charakter“, der Rest ist praktisch ein Verriss seines Wahlkampfes gegen Präsident Barack Obama 2012. Kolumnist Marc Thiessen, einst Redenschreiber für den republikanischen Präsidenten George W. Bush, brachte es in einem Meinungsartikel der „Washington Post“ kürzer auf den Punkt. Romney? „Noooo!“
Der zweifache Verlierer wäre aber wohl kaum der einzige „Polit-Oldie“, der es 2016 versucht oder wieder versucht - oder sozusagen an eine Familientradition anknüpft. Auf demokratischer Seite gilt es als sicher, dass die frühere First Lady und Ex-Außenministerin Hillary Clinton antritt, die sich 2008 im Vorwahlkampf Barack Obama geschlagen geben musste. Bei den Konservativen zeichnet sich ein Wiedersehen mit gleich einer ganzen Reihe alter Bekannter ab.
Neben Romney gelten die ehemaligen Bewerber Rand Paul, Mike Huckabee und Rick Santorum als potenzielle Kandidaten. Hinzu kommt Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush, ein Neuling im Präsidentschaftsrennen, aber mit gleich zwei engsten Verwandten, die einst das Weiße Haus bewohnten.
Warum also nur auf Romney herumhacken, fragt Kolumnist Dana Milbank in der „Washington Post“. Er spricht von einem sich abzeichnenden „Wahljahr der runderneuerten Reifen“. Und Milbank weiß anscheinend, wovon er spricht. Er hat nach eigenen Angaben seit 1992 über Präsidentschaftswahlkämpfe berichtet, 2016 ist die Nummer 7. „Wenn das Feld sich in der Weise entwickelt, wie es erscheint, dann wird es mein vierter Clinton-Wahlkampf, vierter Bush-Wahlkampf, dritter Romney-Wahlkampf, dritter Paul-Wahlkampf, zweiter Huckabee-Wahlkampf und zweiter Santorum-Wahlkampf sein“, sagt Milbank. „Dies ist keine Wahl - es ist ein Wiederholungslauf.“
Unter den potenziellen Bewerbern sind die Frau, der Bruder und der Sohn eines Ex-Präsidenten, der Sohn eines Kongressabgeordneten und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten, der Sohn eines Gouverneurs und Ex-Präsidentschaftsbewerbers sowie der Enkel eines Senators. Wenn Hillary Clinton oder Jeb Bush 2016 gewännen und 2020 wiedergewählt würden, dann werde ein Mitglied dieser beiden Familien in 28 von 36 Jahren seit 1988 regiert haben, rechnet Milbank vor.
Das klingt in der Tat verblüffend, angesichts einer US-Bevölkerung von derzeit 320 Millionen Menschen. So sieht es auch Barbara Bush, Ehefrau und Mutter eines Ex-Präsidenten - oder sah es so, bevor ihr zweiter Sohn Jeb eine mögliche Kandidatur ankündigte. „Es wäre töricht, wenn wir nicht mehr als zwei, drei Familien finden könnten, die sich um ein höheres Amt bewerben“, sagte sie im vergangenen Jahr. „Ich weigere mich zu akzeptieren, dass dieses großartige Land nicht andere wunderbare Menschen hervorbringt.“
Vielleicht Chris Christie, derzeit Gouverneur von New Jersey? Oder Marco Rubio, Senator aus Florida? Sein Amtskollege Ted Cruz aus Texas? Das wären frische Gesichter auf der republikanische Seite, was sich auch viele Konservative wünschen. Aber ob sie bei der Wahl eine Chance gegen Hillary Clinton hätten, steht auf einem anderen Blatt.
Immerhin werden sich die Republikaner zugutehalten können, dass sie - wie sich abzeichnet - ein großes Bewerberfeld aufbieten. Und, so sagen Analysten, insgesamt ein qualifizierteres als beim letzten Mal. Dagegen ist bisher völlig offen, wer bei den demokratischen Vorwahlen gegen Hillary antritt oder anzutreten wagt. Schließlich gelten die Clintons als rachsüchtig gegenüber jenen, die ihnen die Gefolgschaft verweigern.
„Oldie“ Hillary hat laut Umfragen bisher von allen potenziellen Bewerbern die besten Aussichten, „goldie“ zu werden. Romney etwa würde ihr nach derzeitigem Stand mit mehr als zehn Prozentpunkten Unterschied unterliegen.
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