James-Bond-Dreh

Liebesgrüße aus Obertilliach

„No pictures“: Security-Mitarbeiter wollen verhindern, dass Fotos vom Bond-Flugzeug oder der Szenerie am Bond-Haus gemacht werden.
© Dähling

Diese Woche dreht das James-Bond-Team Stuntszenen im Gostenwald. Security-Mitarbeiter machten indes Jagd auf Fotografen. Und der eigentliche Star in Obertilliach heißt nicht Daniel Craig, sondern Paul.

Von Angela Dähling

Obertilliach –„Best Bond View“ prangt auf der Scheibe der Schirmbar am Himbeergollift in Obertilliach. Auf der Terrasse davor tummeln sich 007-Fans, um mit Ferngläsern ausgerüstet einen Blick auf das Geschehen in der rund 1 km entfernten Waldschneise im Gostenwald erhaschen zu können. Dort heizen dieser Tage wieder und wieder drei Geländewagen durch den Schnee und wer Glück hat, sieht auch das inzwischen berühmte Bond-Flugzeug an einer Seilwinde befestigt darüberfliegen.

Doch der Fan-Ansturm ist bisher unter den Erwartungen geblieben, gesteht Hansjörg Schneider vom Tourismusverband. Dabei könnte das Bergdorf jetzt Gäste vertragen – vor allen Dingen Skifahrer, die Liftkarten bei der neuen Bergbahn kaufen. Stattdessen macht das riesige Aufgebot an Security-Personal, das die Drehplätze und die Bond-Camps weitläufig wie Hochsicherheitstrakte absichert, so manchem das Leben schwer. Ganz besonders Fotografen, darunter ein Engländer, der sich im Tarnanzug im Wald nahe der Bergbahn versteckte, um in geheimer Mission Actionszenen beim Bond-Bauernhaus per Teleobjektiv abzuschießen. Die mit Feldstechern ausgerüsteten Security-Mitarbeiter überraschten ihn aus dem Hinterhalt. Ähnlich erging es einem Münchner Fotografen, der sich eine Ferienwohnung mit Blick aufs Geschehen angemietet und dort hinter der Fensterscheibe sein Stativ aufgebaut hatte. „Dem haben sie von außen die Scheiben zugeklebt. Und als er abreiste, hat die Filmproduktion gleich die Wohnung bis Ende Jänner angemietet, damit sie leer bleibt“, weiß eine Einheimische.

Von der Schirmbar, die mit 007-Drinks wirbt, kann man einen Blick auf die Verfolgungsjagd der Geländewagen im Gostenwald erhaschen.
© Dähling

Der Aufwand, die Geheimniskrämerei und die riesige Logistik, die hinter der angeblich teuersten Bond-Produktion aller Zeiten stecken, lässt die Bewohner des Bergdorfs schon seit Monaten staunen. Angefangen mit dem eigens errichteten Bond-Haus. Die kleinen Heustadl daneben wurden von ihren angestammten Plätzen im Ort dorthin verlegt. Und die Außenmauern der benachbarten Häuser wurden mit Altholz verschlagen. Apropos Holz: „Während des Drehs letzte Woche wurden die Anrainer angerufen, sie mögen bitte nachheizen, weil rauchende Schornsteine gewünscht wurden“, erzählt eine Einheimische. „Sie haben uns auch nach alten Gerätschaften und Mobiliar gefragt, z. B. alte Herde. Die stehen jetzt in den Pinewood-Studios in London“, ergänzt ein Obertilliacher. Natürlich nur unter vorgehaltener Hand. Denn Geheimhaltung ist vertraglich Pflicht. Doch unter Freunden ist es dann schon mal Thema, dass trotz wochenlanger Dreharbeiten die Szenen aus Obertilliach im Film nur sieben Minuten lang sein sollen. Und dass das Kleinflugzeug, mit dem James Bond verfolgt von drei Geländewagen durch den Gostenwald fliegt und in das Bauernhaus kracht, in acht Ausführungen geben soll – mal mehr, mal weniger demoliert. Auch bei den Geländewagen sei für reichlich Nachschub gesorgt, sollte bei den wilden Verfolgungsszenen was schiefgehen. „An einem ist am Dach eine Kapsel montiert. Dort sitzt der eigentliche Fahrer des Wagens – mit Sturzhelm“, hat einer beobachtet. Auch Hauptdarsteller Daniel Craig gibt es in mehreren „Ausführungen“: Mal doubelt ihn eine Puppe, mal ein Stuntman und für die Proben schlüpft dem Vernehmen nach ein gut trainierter Elektriker aus St. Lorenzen in die Rolle des Geheimagenten.

Zahlreiche Einheimische sind als einer der 19 Komparsen oder als Handwerker hautnah beim Bondgeschehen. Wie ist er denn so, der Daniel Craig? „Sehr locker und sehr lustig“, heißt es seitens der Bond-Crew. „Zugeknöpft und hochnäsig“, meinen andere über den Hauptdarsteller, der im weißen Heli aus Richtung St. Lorenzen zum Dreh eingeflogen worden sein soll.

Der eigentliche Star in Obertilliach ist aber eh Paul – der Errichter des Bond-Hauses. Er ist bekannt wie ein bunter Hund im Ort. Obertilliach liebt ihn und er liebt Obertilliach. „Die Menschen hier sind so herzlich und meinen das ehrlich. Sie sind einzigartig. Sie sind meine Familie hier“, schwärmt Paul, während er in der Weberstube ein Bier trinkt. Der Ire ist ein Profi auf seinem Gebiet. Er war schon bei mehreren Bond-Produktionen dabei. Mehr kommt in Bezug auf 007 nicht über seine Lippen – egal wie lang die Nacht wird. Das Wichtigste ist eh gesagt: Obertilliach ist etwas Besonderes. Nur schade, dass der Ort im Film nicht namentlich erwähnt wird. Im Gegensatz zu Sölden. Die hätten dafür halt einiges bezahlt, heißt es.

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Catharina Oblasser

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