YLine-Prozess - Gutachter: WebLine war weit überbewertet

Wien (APA) - Im Prozess um die Pleite des einstigen Internetstars YLine ist heute, Mittwoch, Gutachter Alexander Stefan am Wort. Und er hat ...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Im Prozess um die Pleite des einstigen Internetstars YLine ist heute, Mittwoch, Gutachter Alexander Stefan am Wort. Und er hat keine guten Nachrichten für die Angeklagten rund um den Hauptangeklagten YLine-Gründer Werner Böhm. Das Tochterunternehmen WebLine, eine Erotikhotline, sei massiv überbewertet gewesen, die dort beschäftigten „Künstlerinnen“ hätten zum Teil kein Geld gesehen.

Die Überschuldung der WebLine sei offensichtlich gewesen, es hätte zeitweise monatliche Verluste von rund 12.000 Euro gegeben - bei erheblichen Beratungsaufwand. Rechtliche Fragen zur Ausländerinnen-Beschäftigung seinen nicht gelöst worden, zum Teil seien die bei WebLine beschäftigten Stripperinnen nicht sozialversichert gewesen.

Bei der Bewertung der WebLine durch den Wirtschaftsberater Ernst & Young seien „massive Fehlbewertungen“ vorgekommen. Es sei „völlig systemwidrig“ vorgegangen worden, so der Gutachter. Die Berechnungen seien „an der Realität vorbei gegangen“.

Die WebLine wurde als Sacheinlage in die YLine eingebracht und mit YLine-Aktien bezahlt. Dafür wurde eine Kapitalerhöhung um 15.085 Stück Aktien zum Preis von je 100 Euro durchgeführt. Der Deal hat laut Anklage durch eine massive Überbewertung zu einem Schaden bei der YLine von mindestens einer Million Euro verursacht. Die Angeklagten bestreiten dies.

Nachdem der gestrige Verhandlungstag nach wenigen Minuten beendet war weil der zentrale Zeuge, Ex-“Börsenguru“ Mike Lielacher nicht erschienen war und Richterin Marion Hohenecker daraufhin die Polizei zur Herbeischaffung einschaltete, soll Lielacher nun doch bei Gericht erscheinen. Seine Befragung ist nun für heute Nachmittag geplant.

Die Causa YLine ist mittlerweile seit 14 Jahren justizanhängig. Bekannt wurde die Firma durch ihr Tochterunternehmen FirstInEx, die die umstrittene Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte, die von der Industriellenvereinigung (IV) bezahlt wurde.

Wien (APA) - Im Strafprozess rund um die 2001 pleitegegangene Internet-Firma YLine ging es heute, Mittwoch, im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts wieder um die verschiedenen, letztlich erfolglosen Aktivitäten des Unternehmens. Ex-YLine-Chef Werner Böhm wurde zur Erotik-Schiene des Unternehmens, der Beteiligung an WebLine, befragt. Trotz hoher Erwartungen wurde auch damit kein Geschäft gemacht.

Der Anklagevorwurf lautet auf Untreue im Zusammenhang mit dem Erwerb der WebLine: Diese wurde als Sacheinlage in die YLine eingebracht und mit YLine-Aktien bezahlt. Dafür wurde eine Kapitalerhöhung um 15.085 Stück Aktien zum Preis von je 100 Euro durchgeführt. Der Deal hat laut Anklage zu einem Schaden bei der YLine von mindestens einer Million Euro geführt, da der erworbene 74-Prozent-Anteil an der WebLine viel zu hoch bewertet worden sei. Laut Medienberichten betrieb die WebLine Internet-Services GmbH eine Internetseite, wo gestrippt wurde.

In der Befragung durch Staatsanwalt Alexander Marchart verteidigte der Hauptangeklagte Böhm heute, am fünften Verhandlungstag, das Geschäftskonzept der WebLine: „Mit erotischen Inhalten wollten wir unsere PC-Benutzer dazu bringen, mehr zu surfen und mehr Geld zu zahlen“. Die WebLine sei ein „typisches Start-up“ mit ambitionierten Leuten und guten Ideen gewesen. Innerhalb kurzer Zeit habe man 4.000 registrierte Benutzer zusammengebracht. Zehn Prozent der Nutzer hätten zahlende Kunden werden sollen, so das Geschäftskonzept. Allgemein gelte im Internet-Business, „von 100 Besuchern einer Seite setzt einer eine Aktion“. Die Erwartungen in die WebLine hätten sich allerdings nicht erfüllt, räumte Böhm ein. Schließlich sei man auf Investorensuche gegangen.

Beim Erwerb der deutschen Beteiligung Primus Services, ebenfalls als Sacheinlage gegen junge Aktien, lag der dadurch bei der YLine verursachte Schaden laut Anklage bei rund 20 Mio. Euro. Böhm verteidigte auch diesen Deal, hinter Primus sei der deutsche Handelskonzern Metro gestanden. Die YLine wollte mit der Primus im Internethandel reüssieren. Böhm sieht auch den Abtausch von Sacheinlage gegen YLine-Aktien nicht problematisch: „Der Kaufpreis war die Aktie“. In der Kursentwicklung der YLine-Aktie sieht Böhm eine „galoppierende Inflation“.

Die 1998 von Werner Böhm als IT.Development gegründete Internet-Firma wurde im Oktober 1999 in YLine umbenannt. Ab November 1999 notierte sie an der Brüsseler Börse Easdaq. Über den Wettbewerb „Börse Star 2000“ wollte das Unternehmen Österreichs größter Online-Broker werden. In seinem kurzen Börsenleben ging der Aktienkurs hinauf und hinunter: Ihr Rekordhoch hatte die YLine-Aktie im März 2000 mit 278 Euro erreicht. Kurz vor dem Konkurs im September 2001 war die YLine-Aktie nur noch 60 Cent wert.

Böhm verteidigte heute auch eine Prämie an eine mitangeklagte frühere YLine-Vorstandsdirektorin. Diese erhielt im Jahr 2000 eine Million Schilling (72.672,8 Euro) als Prämie. Die Zahlung sei gerechtfertigt gewesen, da gewisse Unternehmensziele erreicht wurden, so der Hauptangeklagte heute. Er selber hatte sich eine Prämie von zwei Millionen Schilling von der YLine auszahlen lassen. Die Anklage sieht darin ungerechtfertigte Prämienauszahlungen.

Auch Zahlungen an eine frühere YLine-Mitarbeiterin, die mit dem verheirateten Böhm ein Verhältnis hatte und ein Kind bekam, kamen heute im Prozess zur Sprache. Er habe private und berufliche Zahlungen immer auseinandergehalten, so der Hauptangeklagte. Die Anklage wirft Böhm vor, aus Firmengeldern Zahlungen an die Frau geleistet zu haben. Böhm verteidigte sich damit, dass den Zahlungen auch Leistungen der damaligen Mitarbeiterin gegenüber gestanden seien. Sie habe sich um die Pressearbeit der Firma gekümmert.

Gegen den Sachverständigen Werner Hallas wurde heute erneut von einem Verteidiger ein Befangenheitsantrag eingebracht. Staatsanwalt Marchart sprach sich dagegen aus.

Die Verhandlung wurde von Richterin Marion Zöllner auf Dienstag vertagt.

APA127 5 WI 0378 CI/IT Di, 20.Jän 2015

Online/Gerichtsverfahren/Betrug/Österreich

YLine-Prozess - Ex-“Börsenguru“ Lielacher schwänzte Gerichtstermin

Anwalt über Lielacher: „Bekannt aus Film und Fernsehen“ =

Wien (APA) - Im Prozess um die Pleite der Internetfirma Yline rund 14 Jahre nach Zusammenbruch des Unternehmens gibt es eine weitere Verzögerung. Der ehemals gefeierte „Börsenguru“ Mike Lielacher, der mit zwei seiner Firmen ebenfalls Schiffbruch erlitten hatte, ist heute, Dienstag, seiner Zeugenladung nicht nachgekommen.

Richterin Marion Hohenecker verhängte daraufhin eine Ordnungsstrafe von 350 Euro und ordnete die polizeiliche Vorführung von Lielacher für den morgigen Verhandlungstag an. Zuvor hatte sich sowohl Anwalt Norbert Wess, Verteidiger eines der Angeklagten, wie auch die Gerichtsprotokollistin auf die Suche nach Lielacher gemacht. Auf die Frage der Richterin, ob Wess denn wisse wie der Zeuge aussieht, meinte dieser: „Bekannt aus Film und Fernsehen.“

Lielacher ist in der Wirtschaftswelt wahrlich kein Unbekannter. Rund um das Jahr 2000 noch groß gefeierter Börsenstar, folgten rasch wirtschaftliche Flops. Seine Firmen Bluebull und CLC gingen pleite. Zuletzt hieß es, Lielacher habe seinen Wohnsitz in Monaco.

Richterin Hohenecker nutzte den äußerst kurzen Verhandlungstag dazu, die Schöffen für das neue Jahr anzugeloben und die weiteren Verhandlungstermine festzulegen. Morgen wird im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Handelsgerichtes weiterverhandelt, der nächste Prozesstermin ist dann der 17. März.

Am morgigen Mittwoch steht ein neues Gutachten im Mittelpunkt der Verhandlung. Es wurde vom Gerichtssachverständigen Alexander Stefan erstellt und beschäftigt sich vordringlich mit der Frage, wie eng das Verhältnis von YLine zu IBM war. Laut dem ehemaligen YLine-Chef Werner Böhm habe ein Partnervertrag bestanden, den IBM nicht eingehalten habe. In Folge dessen sei YLine Pleite gegangen.

YLine war 1998, ein Jahr vor dem ersten Börsengang 1999, gegründet worden. Im Herbst 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an. Laut Anklage war YLine aber schon spätestens Mitte Jänner 2001 zahlungsunfähig. Die Vorwürfe lauten auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung.

Der Öffentlichkeit bekannt wurde YLine über seine Tochterfirme FirstInEx, die die heftig umstrittene Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Der von der Industriellenvereinigung (IV) gesponserte „Verein zur Förderung der New Economy“ hatte 240.000 Euro für Grassers „private“ Homepage gezahlt. Die eine Hälfte ging an FirstinEx, die andere in Richtung des Lobbyisten Peter Hochegger. Böhm hatte kürzlich in einem Interview eingeräumt, dass die Homepage zu teuer gewesen sei.

(Schluss) stf/itz/cs

APA127 2015-01-20/10:02

201002 Jän 15 ---------------------------

Kategorien:

Wirtschaft und Finanzen/Branchen/Medien/Online


Kommentieren