Costa Concordia: Plädoyer der Anklage in Endphase

Grosseto (APA) - Francesco Schettino habe als „unbedachter Optimist“ gehandelt und seine Fähigkeiten überschätzt. Das sagte Staatsanwalt Ste...

Grosseto (APA) - Francesco Schettino habe als „unbedachter Optimist“ gehandelt und seine Fähigkeiten überschätzt. Das sagte Staatsanwalt Stefano Pizza am dritten Tag des Schlussplädoyers der Anklage im Prozess gegen den Costa-Concordia-Kapitän in Grosseto. Der 54-Jährige muss sich seit Juli 2013 unter anderem wegen mehrfacher fahrlässige Tötung und Körperverletzung verantworten.

Das am Donnerstag begonnene Schlussplädoyer der Anklage soll heute, Montag, abgeschlossen werden. Erwartet wird, dass die Staatsanwaltschaft ebenfalls am Montag ihre Strafforderung bekannt gibt. Es wird damit gerechnet, dass die Ankläger 20 Jahre Haft für den heute nicht beim Prozess anwesenden Kapitän fordern. Anschließend werden die Anwälte der Nebenkläger und die Verteidiger sprechen. Ein Urteil könnte Anfang Februar ergehen.

Die Staatsanwälte hielten dem Kapitän des im Jänner 2012 vor der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufenen Kreuzfahrtschiffs Dutzende Fehler vor: Schettino und seine Crew hätten auf der Costa Concordia bleiben müssen, bis der letzte Passagier von Bord war. Stattdessen habe der Kapitän das Schiff verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Seinen Offizieren habe er unangebrachte und konfuse Befehle gegeben. Der Kapitän habe improvisiert und viele Maßnahmen nicht ergriffen, die die Situation hätten retten können. Außerdem habe der Kapitän nur zögerlich Alarm ausgelöst und bei den Behörden falsche Angaben gemacht. Bei der Havarie sind 32 Menschen ums Leben gekommen.

Schettino hat zwar eine Mitschuld eingeräumt, jedoch stets behauptet, seine Crew habe die entscheidenden Fehler gemacht. Vier Crewmitglieder und ein Manager der Reederei Costa Crociere hatten sich vor dem Prozess mit dem Gericht gegen Schuldeingeständnisse auf Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren geeinigt.


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