Wenn die Loipe zum Spielball wird

Die Langlaufloipe der Olympiaregion Seefeld ist zwei Mal unterbrochen, weil Grundbesitzer keine Erlaubnis zum Spuren erteilen. Zerwürfnisse mit der Gemeinde sollen der Grund sein, ausbaden muss es der TVB.

Die Loipe der Olympiaregion Seefeld ist im Scharnitzer Ortsteil Gießenbach unterbrochen. Grund dafür ist die entzogene Zustimmung des Grundeigentümers zur Präparierung. Ein aufgestelltes Schild weist die Langläufer darauf hin.
© Reinpold

Von Denise Daum

Scharnitz, Leutasch –Die Olympiaregion Seefeld gilt als Eldorado für Langläufer. Der Tourismusverband wirbt mit 260 Kilometern „perfekter Loipe“, für die Gemeinde am Plateau ist der Langlaufsport ein wichtiges touristisches Standbein. Sowohl in Scharnitz als auch in Leutasch ist derzeit allerdings die Loipe unterbrochen, da die Grundbesitzer dem TVB die Genehmigung zur Präparierung entzogen haben.

Vor allem in Scharnitz sorgt das für großen Unmut. Dort ist die Loipe im Ortsteil Gießenbach unterbrochen. „Die Langläufer drehen großteils an dieser Stelle um. Sie kommen also gar nicht bei uns im Dorfzentrum an. Dort bleibt in den Gasthäusern die Kundschaft aus“, ärgert sich Bürgermeisterin Isabella Blaha. Sie ortet persönliche Gründe für die entzogene Erlaubnis zur Präparierung. „Aber damit schadet man doch nicht mir persönlich oder den Gemeinderäten, sondern dem gesamten Dorf“, betont Blaha. Alle Bemühungen um eine gütliche Lösung seien fehlgeschlagen, die Fronten verhärtet. Dies würde vor allem an einem Grundbesitzer liegen, dessen Schwester Besitzerin „eines der wichtigsten Gründe“ ist und selbst Eigentümer eines Feldes. Ein anderes betroffenes Grundstück habe er mittlerweile verkauft. „Die Gemeinde hat zum Gespräch geladen, er hat in Bausch und Bogen für alle abgesagt“, sagt die Bürgermeisterin.

In dieselbe Kerbe schlägt Gemeinderat Ernst Reinpold, für den die Situation ein „gewaltiges Ärgernis“ ist. „Wir wollen, dass unsere Betriebe ein Geschäft machen. Das Loipen-Problem gehört geklärt.“

Eine Frechheit sind die Aussagen der Bürgermeisterin in den Augen des betroffenen Grundbesitzers (Name der Redaktion bekannt). „Sie braucht jetzt gar nicht mir die Schuld in die Schuhe schieben. Ich wurde zu dem Gespräch nicht einmal eingeladen.“ Ein Grundstück gehöre seiner Schwester, die im Altenheim lebt, das andere Grundstück habe er verkauft. Ihm gehöre lediglich eine Wiese, über die ein kurzer Abschnitt der Loipe führe. „Meine Schwester hat bereits vor drei Jahren den Verantwortlichen schriftlich mitgeteilt, dass sie nicht will, dass die Loipe über ihren Grund führt. Die Gemeinde war aber nicht fähig, eine Lösung zu finden“, erklärt der Scharnitzer im Gespräch mit der TT.

Schwierigkeiten gibt es auch in Leutasch. Dort habe ebenfalls ein Grundbesitzer die Erlaubnis entzogen zu spuren, wie Bürgermeister Thomas Mößmer erklärt. Auch hier scheint ein Zerwürfnis zwischen Gemeinde und Grundbesitzer auf dem Rücken der Langläufer ausgetragen zu werden. Gemunkelt wird, dass der Grundbesitzer verärgert sei, da ihm eine Umwidmung nicht gewährt wurde. „Der Grundbesitzer sagt, er will aus Haftungsgründen nicht, dass die Loipe über seinen Grund führt“, erklärt der Bürgermeister. Ob das lediglich ein Vorwand ist – „ich weiß es nicht“. Der Grundeigentümer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Was auch immer die Ursachen für die Unterbrechungen der Loipe sein mögen – „wir können nichts dafür. Wir betteln alle um eine Lösung, aber da geht’s um Dinge zwischen Grundbesitzer und Gemeinde“, sagt TVB-Direktor Markus Graf. Der Tourismusverband sei auf den Goodwill der Grundeigentümer angewiesen. „Wenn’s hart auf hart kommt, können wir als Loipenbetreiber nichts machen“, erklärt Graf. Deshalb wolle man nun die Loipe verlegen, um die „kritischen“ Stellen zu umgehen und den Tourismusverband „aus dem Schussfeld“ zu holen. Nur sei das nicht von heute auf morgen aufgrund diverser Verfahren – und neuer Grundbesitzer – möglich. Für die nächste Wintersaison soll eine unterbrechungsfreie Loipe aber auf Schiene sein.


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