Wehrbeauftragter: Deutsche Bundeswehr am Beginn von Abwärtsspirale

Berlin (APA/AFP) - Der scheidende Wehrbeauftragte des deutschen Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sieht die Bundeswehr in Teilen als San...

Berlin (APA/AFP) - Der scheidende Wehrbeauftragte des deutschen Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sieht die Bundeswehr in Teilen als Sanierungsfall. Wegen mangelhafter personeller und materieller Ausstattung zeigten sich „bereits jetzt sichtbare Tendenzen einer Abwärtsspirale“, sagte Königshaus bei der Vorstellung seines Jahresberichts am Dienstag in Berlin.

Um diesen Trend umzukehren, seien massive zusätzliche Investitionen nötig. Die bisherigen Mittel seien „allenfalls geeignet, die Dynamik des Verfalls aufzuhalten“.

Die Überbeanspruchung von Menschen und Material verringern nach Königshaus‘ Ansicht auch die Chancen auf die Umsetzung der Attraktivitätsagenda, mit der die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Truppe zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen will. Der Wehrbeauftragte würdigte aber, dass die Ministerin und die Bundeswehrführung die Probleme wahrnehme und sich um Besserung bemühte - auch wenn diese Bemühungen bisher nicht ausreichten.

Als besonders belastend für Soldaten beschrieb Königshaus die Stationierung in Kasernen weit weg von der Familie, die Unterbringung in maroden Gebäuden, eine unzureichende Ausbildung gerade für Auslandseinsätze, das Führungsverhalten mancher Vorgesetzter, die sanitätsdienstliche Versorgung und den kräftezehrenden Umgang mit marodem Gerät. Ihn hätten 2014 insgesamt 4.645 Eingaben von Soldaten erreicht, sagte Königshaus. Diese Zahl sei „weiterhin auf hohem Niveau“.

Besorgt zeigte sich Königshaus über die Zahl der Suizide in der deutschen Bundeswehr. Im abgelaufenen Jahr seien ihm 24 vollendete und 43 versuchte Suizide bekannt geworden. „Die Zahl als solche halte ich für beunruhigend“, sagte er. „Ich wäre froh, man würde intensiver darauf dringen, dass wir die Suizidzahlen in Richtung Null bringen.“ Die Motive für die Selbsttötungen lägen meist im Privatleben der Soldaten, allerdings könne in manchen Fällen auch die räumliche Trennung von den Familien ein Faktor gewesen sein.

In Reaktion auf den Bericht von Königshaus räumte Von der Leyen einen „erheblichen Modernisierungsbedarf“ bei der Bundeswehr ein. „2014 war ein Jahr, in dem die Probleme massiv auf den Tisch gekommen sind“, sagte sie im Sender n-tv. So seien einige Soldaten in „absolut maroden“ Unterkünften untergebracht. Die Ministerin verwies auf das von ihr angeregte Gesetz zur Steigerung der Attraktivität der Bundeswehr. Das Gesetz solle für Soldaten „hier zuhause bessere wenn nicht gar die besten Arbeitsbedingungen herstellen“.


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