NGOs kritisierten Notfallzulassung des Insektizids Goldor Bait

Wien (APA) - Global 2000 und Greenpeace haben die am Dienstag erfolgte Entscheidung, das Insektizid Goldor Bait mit dem Wirkstoff Fipronil b...

Wien (APA) - Global 2000 und Greenpeace haben die am Dienstag erfolgte Entscheidung, das Insektizid Goldor Bait mit dem Wirkstoff Fipronil befristet zuzulassen, kritisiert. Die Notfallzulassung zur Bekämpfung des Erdäpfelschädlings Drahtwurm gilt vom 1. Februar bis zum 31. Mai 2015. Das Landwirtschaftministerium betonte am Mittwoch, dass es sich „um eine sachliche und keine politische Entscheidung“ handle.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat die Umstände der nun erfolgten Zulassung auf ihrem Internetportal dokumentiert. Demnach wurde die Anwendung für Befallsgebiete in der Größe von etwa 6.000 Hektar erteilt, das sind rund 0,4 Prozent der Ackerfläche in Österreich.

2014 wurde Goldor Bait nicht zugelassen. Die beiden Umweltschutzorganisationen erinnerten in einer Aussendung auch daran, dass sich Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) im Vorjahr gegen die Zulassung ausgesprochen hat, da er sie „bedenklich“ erachte. Rupprechter ließ im vergangenen März im Zusammenhang mit Fipronil auch wissen, dass er wenig von Notfallzulassungen im Allgemeinen halte.

Von Global 2000 und Greenpeace wurde die Erlaubnis zur Verwendung von Goldor Bait als „schwerer Fehler“ bezeichnet, „da der Wirkstoff (Fipronil, Anm.) wegen seiner Bienengefährlichkeit mit EU-Verboten belegt wurde und zudem seine Anreicherung im tierischen und menschlichen Fettgewebe problematisch ist“, so der Global 2000-Umweltchemiker Helmut Burtscher.

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Die AGES betonte hingegen, dass Fipronil in der jetzt erlaubten Anwendungsform bei sachgerechter Ausbringung keine Exposition der Biene ermöglicht. Nachdem das mit dem Wirkstoff ummantelte Saatgutkorn in die Ackerfurche gelegt wird, käme es zu praktisch keiner Staubentwicklung. Notwendig sei der Einsatz des Mittels, da im Schnitt jährlich zehn Prozent der Speisekartoffeln wegen Drahtwurmbefalls nicht verwendbar seien.

Ebenso wurde darauf hingewiesen, dass neben der kontrollierten Abgabe - Landwirte müssen sich bei Bedarf an Goldor Bait registrieren und werden für die Anwendung geschult - auch die Dokumentation der Anwendung sowie Information an benachbarte Imker vorgeschrieben ist. „Würde es dann einen Verdacht auf Vergiftungsfälle geben, wird dem selbstverständlich nachgegangen“, hieß es vonseiten der AGES. Dass Fipronil als Insektizid grundsätzlich gefährlich für Insekten ist, stehe natürlich außer Frage, so die Agentur.

Jedoch wurde Fipronil laut der Agentur insgesamt in Österreich nur dreimal in pflanzlichen Lebensmitteln nachgewiesen: 2011 einmal in Karotten aus Österreich, die beiden anderen positiven Proben stammten aus dem Ausland. Bezüglich Erdäpfel und Erzeugnissen aus Erdäpfeln wurden 214 Proben untersucht und keine Rückstände nachgewiesen, hieß es auf der AGES-Onlineseite.

Die beiden Naturschutzorganisationen appellierten jedoch an die heimischen Landwirte und Landwirtinnen, im Interesse von Mensch und Umwelt, auf den Einsatz von Fipronil zu verzichten und an den Handel, diesen Verzicht durch faire Preise wert zu schätzen.

(S E R V I C E: Informationen der AGES zur Drahtwurmbekämpfung: http://www.ages.at/themen/landwirtschaft/drahtwurm/)


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