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Bosnien: Kundgebungen zum ersten Jahrestag der Sozialproteste

Sarajevo (APA) - Einige hundert Bürger Bosniens haben heute, Samstag, in mehreren Städten, darunter Sarajevo, Tuzla und Mostar, des ersten J...

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Sarajevo (APA) - Einige hundert Bürger Bosniens haben heute, Samstag, in mehreren Städten, darunter Sarajevo, Tuzla und Mostar, des ersten Jahrestages der massiven Sozialproteste gedacht. Ein Jahr danach war die Teilnehmerzahl wesentlich kleiner, die Enttäuschung darüber sichtbar. So erschienen zur Protestkundgebung vor dem Staatspräsidium in Sarajevo laut Medienberichten nur etwa 200 Menschen.

Bei so manchem jener Bürger, die im Vorjahr tagelang gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption demonstrierten, scheint nun offenbar das Gefühl vorherrschend zu sein, nichts erreicht zu haben. „Nichts davon, was wir gefordert haben, wurde auch erfüllt“, stellte Ines Tanovic gegenüber Medien fest. Im Vorjahr gehörte sie zu dem in Sarajevo gebildeten Bürgerplenum.

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Parolen und Forderungen der Demonstranten blieben ein Jahr später fast dieselben: „Gebt uns unsere Einkommen“, war etwa in Tuzla zu lesen. „Europa: Ihr müsst den Bürgern Bosniens zuhören, im gegenteiligen Fall werdet ihr für das, was passieren könnte, verantwortlich sein“, stand zweisprachig - auf Englisch und in der BHS-Version (BHS steht für Bosniakisch-Kroatisch-Serbisch) - auf einem bereits in den frühen Morgenstunden unweit des Staatspräsidiums angebrachten Spruchband. Aber auch: „Diebe ins Gefängnis“ oder „Staatsanwaltschaft und Justiz kennen ihren Job nicht“.

Vor genau einem Jahr war es in Sarajevo, Tuzla und Mostar zu Gewaltausbrüchen gekommen. Mehrere Institutionen, darunter auch das Staatspräsidium, wurden in Brand gesetzt. In Banja Luka, dem Verwaltungszentrum der kleinen bosnisch-serbischen Entität, verteilten Aktivisten der beiden regionalen nicht-staatlichen Organisationen heute Flugblätter an Passanten, auf denen Grundnahrungsmittel abgebildet sind. Dazu die Aufschrift: „In Bälde nur noch auf dem Papier“.

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Die Polizei, die im Vorjahr von den massiven Protesten überrascht war, bereitete sich heuer vor. In Sarajevo und anderswo war eine stärkere Polizeipräsenz schon in den frühen Morgenstunden sichtbar.

Die allgemeinen Wahlen im letzten Oktober hatten in Bosnien zu keinen wesentlichen Veränderungen geführt. Die seit Jahren führenden Kräfte blieben an der Macht.


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