Türkischer Premier übt Kritik an Gülen, Juden und Armeniern

Ankara (APA) - Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kritisiert angebliche Versuche einer „jüdischen Lobby“, gegen die Türkei zu a...

Ankara (APA) - Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kritisiert angebliche Versuche einer „jüdischen Lobby“, gegen die Türkei zu agitieren. Sein Land werde sich weder einer „jüdischen Lobby“ noch denen der Armenier oder der Griechen beugen, sagte Davutoglu laut Zeitungsberichten vom Montag bei einem örtlichen Parteitag seiner Regierungspartei AKP in Istanbul, wie Kathpress berichtete.

Davutoglu sagte, der religiöse Führer Fetullah Gülen - der einflussreiche islamische Reformer ist ein Gegner der AKP und lebt im Exil - versuche, im US-Kongress Stimmung gegen die Türkei zu machen.

Anlass für Davutoglus Kritik war ein Artikel Gülens in der Zeitung „New York Times“, in dem dieser in der vergangenen Woche demokratische Rückschritte in der Türkei und eine angebliche Tendenz zum „Totalitarismus“ beklagte. Zugleich wolle er „die jüdische Lobby“ sowie Vertretungen der Armenier und Griechen gegen die Türkei aufbringen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Davutoglu werfen dem in den USA lebenden Gülen vor, gemeinsam mit seinen Anhängern in der Türkei einen Putschversuch gegen die Regierung in Ankara gestartet zu haben. Gülen, der sich von einem Erdogan-Unterstützer zu einem scharfen Kritiker des türkischen Präsidenten gewandelt hat, weist den Vorwurf zurück. Erdogan hatte kürzlich seinem Rivalen vorgeworfen, mit dem israelischen Geheimdienst Komplotte gegen die Türkei zu schmieden.

Sorge bereitet auch die wachsende Islamisierung in der Türkei. Laut Umfrage eines regierungskritischen Verbandes nehmen Islamisierungstendenzen in Schulen zu. Demnach wird Druck auf Schüler ausgeübt, während der Unterrichtszeit an muslimischen Gebeten teilzunehmen, wie die Zeitung „Cumhuriyet“ (Montag) berichtet. Schülerinnen würden aufgefordert, das Kopftuch anzulegen. In vielen Schulen werde zudem der Bau von Gebetsräumen als Priorität vorangetrieben, so die Studie des Bildungsverbandes Halkevleri.

Insbesondere während der Freitagsgebete seien Klassenräume häufig leer, berichtet „Cumhuriyet“ unter Berufung auf die Studie, für die rund 1.200 Schüler, Eltern und Lehrer befragt wurden. In einigen Klassenzimmern werden demnach Burschen und Mädchen getrennt.

Kritiker werfen der islamisch-konservativen AKP-Regierung vor, der Religion einen größeren Stellenwert in der Bildungspolitik einzuräumen. So gab das Bildungsministerium den Schulen im vergangenen Jahr die Erlaubnis, eigene Gebetsräume einzurichten. Staatspräsident Erdogan hatte zu seiner Zeit als Regierungschef das Ziel verkündet, eine „fromme Jugend“ heranzuziehen.