Seelenschau in der russischen Provinz
Oft über Jahrzehnte hinweg begleitet Aleksey Myakishev das Leben in der russischen Provinz mit der Kamera. Zu sehen im Fotoforum.
Von Ivona Jelcic
Innsbruck –Wie aus der Zeit gefallen wirken manche Fotografien von Aleksey Myakishev – mitunter sind sie es auch, besucht der Fotograf manche Dörfer, in denen er seine Motive – meistens die Menschen – findet, doch über Jahrzehnte hinweg immer wieder. Wobei das Bild aus einer Valenki-Fabrik auch von gestern stammen könnte – die traditionellen russischen Filzstiefel werden seit jeher gleich hergestellt.
In die russische Provinz verschlug es Myakishev auch im Rahmen seiner Arbeit als Fotojournalist immer wieder, als solcher nahm er auch zum ersten Mal an einer der größten Kreuzprozessionen der russisch-orthodoxen Kirche teil. Und kam seither immer wieder. Das Fotoforum aber zeigt hauptsächlich Arbeiten aus der Serie „Vyatka“, dem Heimatort Myakishevs, dessen analoge Schwarz-Weiß-Fotografie für Rupert Larl gerade deshalb spannend ist, weil sie so fern von der mitteleuropäischen oder amerikanischen Fotografie-Tradition ist, weil sie ganz unbeeindruckt vom vermeintlichen Zeitgeist den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Und sich dabei auch einen gewissen Optimismus nicht verbietet: „Wir untersuchen die Brüche, er untersucht die Möglichkeiten“, sagt Larl.
Während Myakishev selbst erklärt, auf seinen Reisen in zum Teil weit abgelegene Regionen auch „die russische Seele“ zu suchen. Bei den Anwärterinnen eines Schönheitswettbewerbs genauso wie im bäuerlichen Leben. Nur einmal meint man, es auch mit politischen Fragestellungen zu tun zu haben – doch das Bild vom Arbeiteraufstand entpuppt sich als von Myakishev fotografiertes Panorama in einem Museum, vor dem sich gerade eine Putzkraft zu schaffen macht.
Das Russland-Zentrum der Universität Innsbruck half vermittelnd beim Zustandekommen der Ausstellung und lädt am 10. März zum Vortrag „Russland in Europa – Aspekte eines europäischen Kulturraums“ ins Fotoforum.