Oscars 2015

Hollywood-Satire „Birdman“ wurde zum großen Oscar-Gewinner

"Goldjunge" Alejandro Gonzalez Inarritu trägt voller Stolz alle drei seiner Oscars fest in Händen.
© Reuters

Der Film von Alejandro G. Inarritu, „Birdman“, holt die Preise für Bester Film, Regie, Originaldrehbuch und Kamera. Auch „Grand Budapest Hotel“ wurde vierfach ausgezeichnet. Indgesamt wurden die Darsteller ihren Favoritenrollen gerecht.

Los Angeles – Ohne große Überraschungen sind am Sonntagabend (Ortszeit) in Los Angeles die 87. Oscars vergeben worden. Die zwei meistnominierten Filme holten auch die meisten Preise: Je vier Trophäen gab es für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ und Alejandro Gonzalez Inarritus „Birdman“, wobei letzterer in den Kategorien Bester Film, Bester Regisseur, Beste Kamera und Bestes Originaldrehbuch triumphierte.

„Zwei Mexikaner hintereinander, das ist doch verdächtig“, meinte der sichtlich überwältigte Inarritu bei einem seiner drei Ausflüge auf die Bühne. Im Vorjahr war Inarritus Landsmann Alfonso Cuaron mit dem Regie-Oscar für „Gravity“ ausgezeichnet worden. „Vielleicht ändert die Academy nächstes Jahr ihre Bestimmungen“, scherzte der 51-Jährige, der nach eigenen Angaben am Oscar-Abend jene langen, weißen Unterhosen trug, die Michael Keaton in einer kultverdächtigen Szene von „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ zur Schau gestellt hatte.

Neun Nominierungen, vier Oscars

„Grand Budapest Hotel“, das wie „Birdman“ mit neun Nominierungen in das Preisrennen gegangen war, reüssierte wie erwartet in den Gestaltungskategorien. So gab es Preise sowohl für das beste Kostüm-und Produktionsdesign als auch für Make-up/Frisuren. Komponist Alexandre Desplat, der in der Kategorie dank „The Imitation Game“ gleich doppelt nominiert war, holte den Preis für die beste Filmmusik.

Auffällig breit wurden die Preise heuer verteilt. So holte abseits von „Birdman“ und „Grand Budapest Hotel“ nur das Musikdrama „Whiplash“ von Jungregisseur Damien Chazelle mehrere Preise (Nebendarsteller, Schnitt, Tonmischung). Für den achtfach nominierten Thriller „The Imitation Game“ gab es lediglich eine Zuerkennung für das beste adaptierte Drehbuch, während Clint Eastwoods sechsfach genanntes Scharfschützen-Drama „American Sniper“ einzig mit seinem Tonschnitt überzeugen konnte.

Bittere Bilanz für „Boyhood“

Bitter war die Bilanz für „Boyhood“: Im Vorfeld als stärkster Konkurrent von „Birdman“ in den Königskategorien genannt, holte das außergewöhnliche Langzeitprojekt von Richard Linklater nur einen von sechs möglichen Oscars, jenen für Patricia Arquette als beste Nebendarstellerin. Sie wurde ihrer Favoritenrolle damit ebenso gerecht wie J.K. Simmons, der für seine Nebenrolle als tyrannischer Musiklehrer in „Whiplash“ ausgezeichnet wurde.

Als Hauptdarsteller ließen sich wie erwartet Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und Julianne Moore („Still Alice“) feiern. Letztere bedankte sich bei der die Oscars vergebenden Academy of Motion Picture Arts and Sciences für jene fünf Jahre, die ein Oscar angeblich mehr an Lebensdauer bringt, „denn mein Mann ist jünger als ich“.

Zum besten Animationsfilm wurde überraschend „Baymax - Riesiges Robowabohu“ gekürt, als beste Doku Laura Poitras‘ Film „Citizenfour“ über Edward Snowden ausgezeichnet. Der Auslandsoscar ging erstmals an Polen, an Pawel Pawlikowskis „Ida“. Ein Gewinner stand zum zweiten Mal in Folge auf der Bühne der wichtigsten Filmpreise der Welt: Nach seinem Vorjahressieg mit „Gravity“ ist der Mexikaner Emmanuel Lubezki dank „Birdman“ nun nach John Toll der erst zweite Kameramann, der zwei Mal hintereinander mit einem Oscar geehrt wurde.

Inarritu, der die Auszeichnung für den besten Film „meinen mexikanischen Mitbürgern“ widmete und betete, „dass wir in unserem Land eine Regierung aufbauen können, die wir verdienen“, war nicht der einzige, der seine Dankesrede für eine politische Botschaft nutzte. So richtete Patricia Arquette einen emotionalen Aufruf für Frauenrechte an das hochkarätige Publikum, was Stars wie Meryl Streep zu stehenden Ovationen motivierte.

„Dank an jede Frau, die ein Kind geboren hat, an jeden Steuerzahler und jeden Bürger dieser Nation“, sagte Arquette, die in „Boyhood“ eine alleinerziehende Mutter verkörpert. „Wir haben für gleiche Rechte für jeden gekämpft. Nun ist endlich unser Moment gekommen – für gleiche Löhne und gleiche Rechte für Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika.“

Graham Moore teilt persönliches Schicksal

Sein persönliches Schicksal teilte Drehbuchautor Graham Moore, der in „The Imitation Game“ den wegen seiner Homosexualität verurteilten Codeknacker Alan Turing würdigt. „Als ich 16 Jahre alt war, habe ich versucht, mich umzubringen, weil ich mich seltsam, anders und fehl am Platz fühlte“, sagte Moore. „Jetzt stehe ich hier, und dieser Moment gehört all jenen Kindern, die glauben, sie seien seltsam und anders und passen nirgendwo hin. Ich verspreche euch: Eure Zeit wird kommen.“ Den Demonstranten in Ferguson widmete John Legend die Trophäe für den besten Filmsong, die er gemeinsam mit Common entgegennahm. Der Titelsong „Glory“ aus dem Bürgerrechtsdrama „Selma“ war zuletzt auch von Demonstranten in Ferguson anlässlich der Tötung von Michael Brown gesungen worden. „Euch wollen wir sagen: Wir sind mit euch, wir lieben euch“, so Legend.

Der mit einem Riesenchor performte Song war dann auch emotionales Herzstück des diesjährigen Musikprogramms. Einzig eine ungewohnt konservativ gekleidete Lady Gaga, die anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums ein Medley aus „The Sound of Music“ zum Besten gab, sowie die kunterbunte Performance von „Everything is awesome“ aus „The Lego Movie“ durch Tegan and Sara und der rappenden Comedy-Truppe The Lonely Island sollten darüber hinaus in Erinnerung bleiben.

Mit einer dem Film huldigenden Gesangseinlage unter dem Titel „Moving pictures“ hat Erstlingsmoderator Neil Patrick Harris die eher konservativ gestaltete Gala begonnen. Hatte Ellen DeGeneres im Vorjahr noch mit einem Superstar-Selfie und einer Pizza-Verteilaktion für Aufsehen gesorgt, versuchte sich der „How I Met Your Mother“-Star Harris mit einer „Birdman“-Parodie samt Unterhosen-Striptease sowie manch Schelten gegen die Academy. Anspielungen auf die von vielen bemängelte Diversität innerhalb der rund 6100 zählenden Akademie fehlten ebenso wenig wie auf den bei den Nominierungen übergangenen Animationsfilm „The Lego Movie“. Der war im Publikum trotzdem präsent: In Form einer Lego-Oscar-Statuette, die zwischen den Stars weitergereicht wurde. (APA)

"Birdman" wurde zum besten Film gewählt. Hauptdarsteller Michael Keaton und Regisseur Alejnadro Inarritu standen mit den Produzenten und Schauspielern auf der Bühne.

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J. K. Simmons wurde für seine Darstellung des sadistischen Musiklehrers in "Whiplash" als bester Schauspieler in einer Nebenrolle ausgezeichnet.

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Patricia Arquette spielte die Mutter in "Boyhood" und bekam dafür den Oscar als beste Schauspielerin in einer Nebenrolle.

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Eddie Redmayne konnte sein Glück nicht fassen. Er spielte Stephen Hawking in "The Theory of Everything". Die Rolle brachte ihm den Oscar als bester Hauptdarsteller.

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Eine der emotionalsten Dankesreden kam von Julianne Moore. Sie wurde als beste Hauptdarstellerin für ihren Part in "Still Alice" ausgezeichnet.

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Innige Umarmung: Als Alejandro Inarritu als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, schloss ihn "Boyhood"-Regisseur Richard Linklater (l.) in die Arme.

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Bereits zuvor hatte Alejandro Inarritu gemeinsam mit den Autoren  Alexander Dinelaris, Armando Bo, und Nicolas Giacobone (v.l.) den Oscar für das beste Originaldrehbuch bekommen.

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"Stay weird. Stay different.": Graham Moore, Autor des besten adaptierten Drehbuch "The Imintation Game", rührte mit seiner Dankesrede alle Zuschauer.

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Freudentanz: Roy Conli, Don Hall und Chris Williams bekamen den Oscar für den besten Animationsfilm "Big Hero 6" -  deutscher Titel "Baymax - Riesiges Robowabohu".

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"CitizenFour" wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Filmemacherin Laura Poitras, die Produzenten Dirk Wilutzky (l.) und Mathilde Bonnefoy (r.) standen mit dem Journalisten Glenn Greenwald und Edward Snowdens Freundin Lindsay Mills auf der Bühne.

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Dame Julie Andrews überreichte den Oscar für die beste Filmmusik an Alxandre Desplat. Er hat die Musik zu "The Grand Budapest Hotel" komponiert.

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Common und John Legend nahmen kurz nach ihrer Darbietung von "Glory" aus dem Film "Selma" den Oscars für den besten Song entgegen.

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Nicht zu stoppen: Der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski erheilt für "Ida" den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. Seine Rede ging weit über die Rauswerfermusik hinaus.

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Milena Canonero mit ihrem Academy Award für das Kostüme-Design von "The Grand Budapest Hotel".

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Für ihre Spezialeffekte in "Interstellar" wurden Ian Hunter, Paul Franklin, Scott Fischer und Andrew Lockley (v.l.) mit einem Oscar belohnt.

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Keiner mischte den Sound so gut wie Craig Mann (Mitte), Ben Wilkins (r) und Thomas Curley in "Whiplash".

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Alan Robert Murray (l.) und Bub Asman waren für den Tonschnitt von "American Sniper" verantwortlich und bekamen dafür den Oscar.

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Dana Perry und Ellen Goosenberg wurden für die Kurz-Dokumentation "Crisis Hotline: Veterans Press 1" ausgezeichnet.

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Kerry Washington und Jason Bateman (l.) übergaben den Oscar für den besten Kurzfilm an Mat Kirby und James Lucas ("The Phone Call).

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Die Maskenbilder von "The Grand Budapest Hotel" Frances Hannon (l.) und Mark Coulier mit ihren Oscar.

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Anna Pinnock und Adam Stockhausen waren für das Szenenbild in "The Grand Budapest Hotel" verantwortlich. Der Lohn ihrer Arbeit: ein Academy Award.

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Kristina Reed und Patrick Osborne schufen mit "Feast" den besten animierten Kurzfilm.

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Emmanuel Lubezki gilt als der derzeit beste Kameramann. Nach einem Oscar im vergangenen Jahr bekam er nun den Academy Award für "Birdman".

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Bester Schnitt: Tom Cross für "Whiplash".

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Sie spielten ihre Rollen überragend: J.K. Simmons und Patricia Arquette wurden als beste Nebendarsteller ausgezeichnet. Julianne Moore und Eddie Redmayne wurden von der Academy zu den besten Hauptdarstellern gekürt.

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