Oscar-Reaktionen

Vom „Kondom des Lebens“ und den Tränen eines Ehemanns

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Um einen so schrägen Film wie „Birdman“ zu drehen, musste er seine Ängste überwinden, sagte Mehrfach-Oscargewinner Gonzalez Inarritu nach seinem Triumph. Und die Angst sei das „Kondom des Lebens“. Julianne Moore dankt nach der Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin vor allem ihrem Mann Bart.

Von Barbara Munker/dpa

Hollywood - Alejandro Gonzalez Inarritu hat schwer zu tragen. Gleich drei Oscar-Trophäen, jede wiegt vier Kilogramm, schleppt der Mexikaner mit sich herum. Backstage stellt er sie erst einmal auf dem Boden ab. Drei auf einen Schlag für Regie, Original-Drehbuch und als Produzent des besten Films „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“. Und dann plaudert der 51-Jährige über Kondome.

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Um einen so schrägen Film wie „Birdman“ zu drehen, musste er seine Ängste ablegen. „Angst ist das Kondom des Lebens. Damit kann man sich nicht so an den Dingen freuen“, erklärt Inarritu augenzwinkernd. Er habe es ohne Kondom gemacht. „Es war echt. Es war wirklich wie Liebe machen“.

Julianne Moore steht noch leicht unter Schock. „Das ist einfach erstaunlich“, sagt sie ungläubig im eleganten Glitterdress, die glänzende Statue fest im Griff. Erst im fünften Anlauf - in der Rolle einer Alzheimerkranken in „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“ - hat sie mit 54 Jahren ihren ersten Oscar gewonnen. Moore dankt ausdrücklich ihrem Mann Bart Freundlich. Er habe vor langer Zeit als erster den Film im Rohschnitt gesehen und dabei geweint. Schon damals habe er prophezeit, sie werde dafür einen Oscar gewinnen. Und wo kommt die Statue nun hin? „Zu all den anderen Preisen in meinem Büro, das ist ein ziemlich langweiliger Raum“, flachst Moore.

Für Redmayne hat E-Mail an Hawking Priorität

Eddie Redmaynes unwiderstehliches Lächeln zieht sich Backstage noch mehr in die Breite. „Und dann vergisst man alles“, sagt der britische Star über seinen großen Moment auf der Bühne. „Es ist eine Euphorie, eine unglaubliche Euphorie“. Mit seiner meisterhaften Darstellung des ALS-kranken Physikers Stephen Hawking in dem Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ gewann Redmayne mit seiner ersten Nominierung auf Anhieb den Oscar. Viel Zeit zum Feiern bleibt ihm allerdings nicht. Er wolle Hawking noch eine E-Mail schreiben, und dann geht es gleich wieder zu Dreharbeiten nach Europa zurück. „In ein paar Tagen werde ich aufwachen und mich fragen, ob das wirklich alles wahr ist“.

Snowden schickt Glückwünsche für „Citizenfour“

Mit drei Oscar-Statuen zieht das „Citizenfour“-Team nach seinem Sieg in der Sparte „Beste Dokumentation“ vor die Presse. US-Regisseurin Laura Poitras hatte mit den Berliner Produzenten Dirk Wilutzky und Mathilde Bonnefoy den brisanten Film über den Whistleblower Edward Snowden in Berlin produziert. Er sei stolz auf eine so „bedeutsame und wichtige“ Arbeit, sagt Wilutzky. Die beiden Oscars des Produzenten-Paares werden zusammen in ihrer Berliner Wohnung landen.

Snowden gratulierte in einer Nachricht, die er über die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU verbreiten ließ. „Ich hoffe, dass dieser Preis mehr Menschen dazu bewegen wird, den Film anzuschauen und sich von seiner Botschaft inspirieren zu lassen“, sagte Snowden. „Einfache Bürger können gemeinsam die Welt verändern.“

Nebenrollen-Siegerin Arquette: Aktivismus wichtiger

Patricia Arquette (46) gibt sich nach ihrem Nebenrollen-Sieg für „Boyhood“ kämpferisch. Schon auf der Bühne forderte sie gleiche Rechte und gleiche Löhne für Frauen in den USA. Das Publikum applaudierte stürmisch. In „Boyhood“ spielt sie eine alleinerziehende Mutter. Hinter den Kulissen legt die Schauspielerin noch nach. Sie pocht auf ein besonderes Gesetz, das Frauen Gleichheit garantieren solle. Sie liebe die Schauspielerei, aber Aktivismus sei ihr wichtiger. „Ich habe nie daran gedacht, dass ich einmal für einen Oscar nominiert werde“, sagt Arquette. Aber ihr sei immer klar gewesen, dass sie Millionen Menschen helfen wolle.

So viel Rampenlicht ist auch für J.K. Simmons völlig neu. In seiner langen Karriere stand der 60-Jährige viel auf Theater-Bühnen und musste sich mit kleinen Nebenrollen begnügen. Mit seinem Auftritt als unbarmherziger Musiklehrer in „Whiplash“ hat er nun seinen ersten Oscar - und fast jeden Filmpreis dieser Saison - gewonnen. Ob er nun endlich ein eigenes Twitter-Konto anmelden werde, will eine Reporterin von dem scheuen Oscar-Preisträger wissen. Ein klares „No“ ist die Antwort. Der plötzliche Erfolg sei ganz schön anstrengend, klagt Simmons. „Es ist viel ermüdender als die mageren Zeiten, in denen habe ich viel mehr Schlaf bekommen“.

Schoko-Oscar als Trostpreis

Schlaf gab es in der Oscar-Nacht nicht. Gleich nach der Show stieg die Governors-Ball-Party. Dort werden traditionell die über 1.500 Oscar-Gäste von Star-Koch Wolfgang Puck verköstigt. Für alle Verlierer gibt es zum Trost einen Schoko-Oscar als Souvenir mit auf den Weg. Der ist wie ein echter Oscar vergoldet, auch wenn es nur essbarer Goldstaub ist. (APA/dpa)