Citizen Science im Kommen - Konferenz und Forschungsplan-Schwerpunkt
Wien (APA) - Bürgerbeteiligung an wissenschaftlichen Projekten, auch „Citizen Science“ genannt, liegt auch in Österreich im Trend: Seit verg...
Wien (APA) - Bürgerbeteiligung an wissenschaftlichen Projekten, auch „Citizen Science“ genannt, liegt auch in Österreich im Trend: Seit vergangenem Jahr gibt es eine eigene Online-Plattform, die Projekte vernetzt und auch seitens des Wissenschaftsministeriums wird im kommenden Forschungsaktionsplan die Bürgerwissenschaft forciert. Am Donnerstag geht die erste fachübergreifende Konferenz über die Bühne.
Von „Citizen Science“ oder partizipativer Wissenschaft spricht man, wenn interessierte Amateure und ausgewiesene Wissenschafter gemeinsam Forschungsprojekte durchführen. Davon profitieren im besten Fall alle Beteiligten: Die Forscher erhalten Daten und inhaltliche Anregungen, an die sie sonst nur schwer heran kämen, die Laien bekommen Einblicke in die Welt der Wissenschaft.
„Citizen Science“ habe immer auch einen Bildungscharakter, erklärte Johann Zaller, Leiter der Arbeitsgruppe an der Universität für Bodenkultur Wien, die für den Aufbau der Plattform „www.Citizen-Science.at“ und die Konferenz verantwortlich zeichnet der APA. Die „Österreichische Citizen Science Konferenz 2015?? in Wien stehe unter dem Motto „Österreich forscht“ und richte sich vor allem an Bürger, die sich über „Citizen Science“-Projekte in Österreich und ganz allgemein über die Möglichkeit zur Teilnahme informieren möchten, so der Zoologe.
Außerdem soll es um den Austausch zwischen Forschern gehen, die diese Arbeitsmethode in unterschiedlichen Projekten und Fachgebieten wie Archäologie, Medizin, Technik, Wirtschaftswissenschaften, Kunst und Kultur, Naturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft oder Wissenschafts-PR vorantreiben. Bei einem anschließenden Workshop will man auch über die zukünftige Entwicklung der Bürgerwissenschaft in Österreich diskutieren.
Auch im von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) angekündigten Forschungsaktionsplan, der morgen, Mittwoch, präsentiert wird, ist das Thema eines von sechs Schwerpunktfeldern. In dem Plan werden neben dem Ausbau bereits bestehender Programme in dem Sektor auch neue „Citizen Science“-Initiativen enthalten sein, wie es aus dem Ministerium heißt. Unter anderem werde das Thema in kommenden Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten, sowie in der bereits abgeschlossenen Vereinbarung mit der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gefördert.
Bereits seit 2007 läuft das Förderprogramm „Sparkling Science“, in dessen Rahmen Wissenschafter zusammen mit ungefähr 15.000 Schüler bisher über 200 Forschungsprojekte durchgeführt haben. Nun soll das Programm für eine breitere öffentliche Beteiligung ausgebaut werden. Sieben Pilotprojekte werden bereits durchgeführt.
Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) startet außerdem heuer eine Modellinitiative zur Bürgerbeteiligung im Bereich der Gesundheitswissenschaften. Im Rahmen des Projekts „Crowdsourcing Research Questions In Science“ (CRIS) sollen Forschungsfragen zu psychischen Erkrankungen formuliert werden. 2016 folgt ein Ausbildungsprogramm, in dessen Rahmen 15 bis 20 Wissenschafter „Open-Innovation“-Methoden nahegebracht werden sollen. Die Initiative hat eine Laufzeit von drei Jahren. Von der Nationalstiftung werden dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch im EU-Forschungsförderungsprogramm „Horizon 2020“ ist die Bürgerwissenschaft Thema.
(S E R V I C E - Link zur Konferenz: http://www.citizen-science.at/konferenz/; Sparkling Science-Programm: http://www.sparklingscience.at/; Die LBG-Initiative: http://www.openinnovationinscience.at; APA-Science-Dossier zu dem Thema: http://science.apa.at/dossier/citizenscience)