Genuss

Motivtorten: Zum Essen zu schade

Kuchen mit Schlag, Schokospänen und Cocktailkirschen waren einmal. Jetzt erobern Motivtorten die Backstuben: bunt, spektakulär und auch für Hobbybäcker machbar.

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck –Strandurlaub, Burgen, Elfenhäuser, ein Angelteich, eine Wellnessbehandlung und ein Kochtopf voller Köstlichkeiten: Das ist kein Traum, all diese herrlichen Wunschvorstellungen sind essbar und frisch aus den realen Backstuben kreativer Köpfe. Denn Kuchen backen alleine ist jetzt zu wenig. Sie gehören bunt verziert und mit witzigen Figuren und Landschaften versehen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und die so genannten Motivtorten derzeit schwer angesagt.

„Das Auge isst mit. Diese Torten sind individualisiert und daher etwas ganz Besonderes“, sagt Marian Moschen (31). Der Zirler arbeitet als Kindergartenpädagoge. Doch in seiner Freizeit ist er der Mann, der backt. Er bindet sich eine Kochschürze um und verziert, was Nudelbrett, Marzipan, Schokolade und Torte nur so hergeben. Seine Kunstwerke veröffentlicht der 31-Jährige auf seinem Blog www.mannbackt.de.

Als die TT ihn zum Tortenverzieren für Anfänger bei der Firma Kochtrend in Telfs trifft, verbreitet sich schon beim Auslegen der dafür nötigen Dinge ein Vanille- und Schokoladeduft. Die Torte sieht auch ohne Verzierung köstlich aus und am Ende ist sie fast zu schön zum Essen. Doch dafür ist sie schließlich gemacht.

„Ich backe zwei, drei Mal pro Woche“, erzählt Moschen, während er mit geübten Handgriffen die Torte in die Hälfte schneidet und Buttercreme aufträgt. Dabei sind es jedoch nicht immer Motivtorten, auch Cupcakes, CakePops und Brot hat der Kindergärtner in seinem Repertoire. Jedes Mal entstehen kleine Kunstwerke. Dass diese aber auch von Ungeübten leicht nachzumachen sind, beweist Moschen mit seiner Ostertorte. Die Creme ist mittlerweile gleichmäßig auf dem Schokobiskuit verteilt und die Hälften sind wieder zusammengesetzt. Moschen streicht nun die restliche Creme mit einer glatten Teigkarte außen auf die Torte.

„Keine Sorge, es muss nicht so perfekt sein, wie es jetzt aussieht. Denn am Ende sieht man von der Creme sowohl oben als auch am Rand nichts mehr“, beruhigt Moschen. Ihm ist wichtig, dass sich Nachahmer vor allem trauen, Neues auszuprobieren.

Die Ostertorte nimmt langsam Form an. Lange Schokopralinen werden auf den Rand geklebt, dafür sorgt die Buttercreme. „Ein eigener ,Kleber’ ist nicht nötig. Wer keine Buttercreme mag, der streicht den Kuchen einfach mit Marmelade ein“, rät der Foodblogger und greift zum Modelliermarzipan. Dieses besteht aus Mandeln und Glucose. „Dadurch ist es formstabil.“ Mit Farbenpasten wird ein Teil braun, der zweite rosa eingefärbt. Dann formt Moschen aus vier Kugeln das Hinterteil eines Hasen, mit Hinterläufen und Blume.

Er ist längst nicht der Einzige, dem Backen zu wenig ist. Während ihres Ausslandssemesters hat Stefanie Noé aus dem kleinen Dorf St. Julian in der Pfalz einen Motivtortenladen in Edinburgh entdeckt. Seitdem haben sie die bunten Köstlichkeiten nicht mehr losgelassen. „Ich entdecke jeden Tag aufs Neue, wie vielseitig bunt und verrückt mein Hobby sein kann. Torten können Menschen glücklich machen, sie können einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, meint die 29-jährige Chemie- und Physiklehrerin.

Noé hat wie Moschen einen Blog, auf dem sie ihre essbaren Kunstwerke präsentiert, beide haben auch Bücher über ihr liebstes Hobby geschrieben (siehe Kasten links). Die Hinterläufe des Hasen sind mittlerweile fertig. Moschen hat dafür braunes Marzipan oval geformt und eingeschnitten. Darauf drückt er vier rote Kügelchen. Körper, Blume und Hinterläufe fixiert Moschen mit ein paar Tropfen Wasser. Schon ist der Hase fertig.

Das putzige Tier wird auf der Torte platziert. „Rundherum kommen bunte Schokoeier oder -linsen und schon ist der Hase abgetaucht“, sagt Moschen. Er ist selbst stolz auf sein Werk und kann sich ein „Süß!“ nicht verkneifen. Dass seine Torte auch ein Zucker- und Kalorientraum ist, gibt Moschen unumwunden zu. „Doch so eine Torte isst man ja nicht jeden Tag.“ Falls beim ersten Versuch etwas schiefgehen sollten, sei das auch nicht weiter schlimm, vertröstet er. „Denn schmecken tut die Torte trotz- dem.“

Tipps, Tricks und Informationen zu bunten Motivtorten

Sich einfach trauen: Das ist der wichtigste Tipp von Marian Moschen. Denn nur durch Ausprobieren entstehen Tortenkunstwerke.

Pläne zeichnen: Bevor es an die Torten geht, sollten Hobbybäcker eine genaue Vorstellung von ihrem Motiv haben. Deshalb vorher überlegen, was der Beschenkte gerne mag, Ideen holen (z.B. im Internet) und Zeichnungen von den erträumten Motivtorten anfertigen.

Equipment zusammenstellen: Für Motivtorten braucht es einige Werkzeuge. Ein Drehteller, Messer, Nudelholz, glatte Teigkarte, Zahnstocher und Ausstecher sind Grundausstattung. Dazu braucht es natürlich Rezepte, Torten, Cremen Modelliermarzipan, Rollfondant, Farbenpasten und verschiedenes essbares und nicht essbares Dekomaterial. Das Equipment ist im Fachhandel und Internet erhältlich. Auch gut sortierte Supermärkte bieten einige Dinge schon an.

Bücher inspirieren: Marian Moschen und Hofer/Aldi bringen im Mai das Buch „Zauberhafte Motivtorten“ (Lingen Verlag, 6,99 Euro) auf den Markt. Stefanie Noé hat das Buch „Crazy Cake Design – Ausgefallene Motivtorten by Crazy BackNoé“ gestaltet (Compact Verlag, 14,99 Euro).

Im Internet: Anleitungen von Marian Moschen sowie Bilder von Motivtorten finden Sie auf www.tt.com, www.mannbackt.de und crazybacknoe.blogspot.co.at

Allein der gute Geschmack ist bei Torten und Cupcakes zu wenig. Derzeit schwer angesagt sind Motivtorten. Dekorieren ist dabei gar nicht so schwer, wie es zunächst aussieht.

© Julia Hammerle

Marian Moschen aus Zirl ist leidenschaftlicher Hobbybäcker und Blogger. Er hat für die TT Ostertorte und Cupcakes gebacken und spektakulär verziert.

© Julia Hammerle

Der erste Trick von Moschen: Um die Torte in die Hälfte zu schneiden, mit einem Messer die Mitte zunächst nur einritzen und nach und nach tiefer in die Torte schneiden, so werden die Hälften gerade. Die Torte am besten auf ein Drehteller schneiden. Mit einer Hand die Torte leicht fixieren. Die Torte kann natürlich auch gedrittelt werden.

© Julia Hammerle

Moschen hat für die Ostertorte einen Schokobiskuit gebacken. Das Rezept gibt es auf seiner Homepage www.mannbackt.de. Die Buttercreme streicht er großzügig auf eine Tortenhälfte. Dabei ruhig über den Rand hinauskommen, denn auch außen wird Creme aufgetragen.

© Julia Hammerle

Das perfekte Endergebnis des Bloggers: Er hat die zweite Hälfte der Torte hinaufgesetzt und zunächst den oberen Teil mit Creme bestrichen. Dies gelingt am besten mit einer glatten Teigkarte. Am Ende wird der Rand mit Creme bedeckt. Doch keine Sorge, das Ergebnis muss nicht perfekt sein, Dekoration verdeckt Schönheitsfehler.

© Julia Hammerle

Lange Schokolade-Pralinen dienen als dekorativer Tortenrand.

© Julia Hammerle

Die Pralinen "klebt" Moschen nacheinander auf den Rand der Torte. Ein Kleber ist dafür nicht nötig, denn die Pralinen werden durch die Buttercreme festgehalten. Statt dieser kann auch Marmelade verwendet werden.

© Julia Hammerle

Am Ende müssen die Pralinen etwas versetzt angelegt werden, damit die Torte ganz bedeckt ist. Ein dekoratives Band hält die Pralinen zusätzlich fest.

© Julia Hammerle

Um das Hinterteil des Hasens zu formen, greift Moschen zu Modelliermarzipan (250g). Es ist in größeren Supermärkten, im Fachhandel oder Internet erhältlich und enthält im Gegensatz zu herkömmlichem Marzipan Glucose. Dadurch ist es formstabil. Für den Hasen sind eine große, eine mittlere und zwei kleine Kugeln nötig.

© Julia Hammerle

Das Modelliermarzipan färbt Moschen mit Pastenfarben ein. Diese enthalten kein Wasser und lösen das Marzipan deshalb nicht auf. Beim Färben vorsichtig vorgehen und immer nur eine Messerspitze Farbe verwende. Dann das Marzipan gut durchkneten.

© Julia Hammerle

Die größere und mittlere Kugel leicht konisch oder spitz zulaufend formen. Die größere ist der Körper des Hasen. Die mittlere wird zu seinem Schwanz. Nach dem Formen den Schwanz mit der Rückseite eines Messers "Haare" verpassen. Dabei das Marzipan leicht einritzen.

© Julia Hammerle

Die zwei kleinen Kugeln sind die Hinterläufe. Diese oval formen und dann vorsichtig flachdrücken. Mit dem Messer zwei Spalten für die Pfoten einritzen und mit dem Messer etwas vergrößern. Rot eingefärbtes Marzipan zu drei kleinen und einer großen Kugel formen und flachdrücken.

© Julia Hammerle

Den Hasen zusammensetzen und auf der Torte platzieren.

© Julia Hammerle

Runde, bunte Schokolinsen lassen den Hasen in die Torte tauchen.

© Julia Hammerle

Die Schokolinsen vorsichtig auf die Torte schütten.

© Julia Hammerle

Das Endergebnis kann sich sehen lassen. Auf diese Weise lassen sich auch andere Marzipanfiguren effektvoll auf einer Torte platzieren.

© Julia Hammerle

Die Cupcakes werden in dekorativen, formstabilen Papierformen gebacken. Diese sind in größeren Supermärkten, im Fachhandel oder Internet erhältlich. Das Rezept für die Cupcakes gibt es auf www.mannbackt.de

© Julia Hammerle

Um die Creme aufzuspritzen, einen Plastik-Spritzbeutel am spitzen Ende ein wenig abschneiden und eine größere Tülle von innen durchdrücken.

© Julia Hammerle

Die Creme besteht aus gleichen Teilen Butter und Staubzucker sowie einigen Esslöffeln Vanillepudding. Beim Aufschlagen die Creme mit grüner Pastenfarbe einfärben. Dann in den Spritzsack füllen und auf den Cupcakes langsam aufspritzen.

© Julia Hammerle

Essbares Ostergras zunächst rund zusammenfalten und auf der Creme verteilen.

© Julia Hammerle

Buntes Papier in 1cm Streifen schneiden. Den gebackenen Muffin mit einem Messer vom Rand lockern und das Papier auf zwei Seiten hineinstecken. Am Ende drei bunte Schokoeier drappieren.

© Julia Hammerle

Torte und Cupcakes können in eineinhalb Stunden dekoriert werden. Der Geheimtipp von Moschen: Sich einfach trauen! "Denn wenn es nichts wird, schmeckt es zumindest gut und beim nächsten Mal klappt es sicher besser.

© Julia Hammerle

Marian Moschen bäckt zwei, drei Torten pro Wochen. Hier ist eine Hochzeitstorte zu sehen.

© Marian Moschen

Auch unter dem Angelteich versteckt sich eine Torte.

© Marian Moschen

Bevor die Torte gebacken und dekoriert wird, fertigt Moschen Zeichnungen an.

© Marian Moschen

Der Badebottich ist eindrucksvoll und essbar.

© Marian Moschen

Mit viel Liebe zum Detail und Kreativität wird aus einer gewöhnlichen Torte ein Pilzhaus samt Vorgarten.

© Marian Moschen

Auch die Ritterburg mit Drachen stammt von Moschen.

© Marian Moschen

Stefanie Noé stammt aus St. Julian in der Pfalz. Sie ist Lehrerin, bäckt in ihrer Freizeit aber liebend gerne und ist Bloggerin (crazybacknoe.blogspot.co.at)

© Compact Verlag

Die Torte mit dem entzückenden Schaf stammt von Noé.

© Stefanie Noé

Die Torte für ihre Oma zum 91. Geburtstag gefällt Noé besonders.

© Stefanie Noé

Auch die Hochzeitstorte für ihre Schwester ist Noé in besonderer Erinnerung geblieben.

© Stefanie Noé