Mehr Sprache für Gehörlose
Innsbruck – „Die Erwachsenen müssen sich den Kindern anpassen“, erklärte gestern Monika Mück-Egg, Leiterin des Tiroler Landesverbandes der G...
Innsbruck –„Die Erwachsenen müssen sich den Kindern anpassen“, erklärte gestern Monika Mück-Egg, Leiterin des Tiroler Landesverbandes der Gehörlosenvereine (TLVG), bei einem Pressegespräch. Anlass war die Fachtagung „BIMOLI – bimodale/bilinguale Kommunikationsförderung“ in Innsbruck. Der Verband forderte bezüglich Inklusion erstens, dass das Lehrpersonal, das mit gehörlosen Kindern arbeitet, Kompetenzen in der Gebärdensprache aufweist, also bilingual unterrichten kann. Und zweitens, dass in einer Klasse nicht ein einzelnes Kind, sondern immer mehrere aufgenommen werden. „So können gehörlose Kinder die gleiche Identitätsentwicklung nehmen wie andere“, erläuterte Mück-Egg. Derzeit seien die Kinder sehr verstreut.
Andreas Reinelt sieht die Problematik ähnlich. Der Erziehungswissenschafter unterrichtet Kinder ab dem zweiten Lebensjahr in der Gebärdensprache: „Es ist ein Irrglaube, dass die Gebärdensprache die Lautsprache verdrängt.“ Die Wissenschaft untermauert die Forderung nach bilingualem Lernen. Der frühe Erwerb der Gebärdensprache unterstütze den späteren Zugang zu Schrift- und Landessprache, erklärte Christian Rathmann vom Hamburger Institut für Gebärdensprache. (sst)