Hamsterrad Arbeitssuche

Vor einem Jahr startete das Pilotprojekt FrauenBerufsZentrum. Jetzt wird erweitert. Zwei Frauen berichten von ihrer Arbeitssuche.

(Symbolfoto)
© thomas boehm

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Andrea und Bettina (Namen der Redaktion bekannt) kommen gerade aus dem Workshop des FrauenBerufsZentrums in Innsbruck. Beide sind derzeit als arbeitslos gemeldet und beide stellt man sich nicht als arbeitslos vor. Andrea (47) ist Juristin und Alleinerzieherin eines mittlerweile studierenden Sohnes. Sie war angestellt. Der Wechsel in die Selbstständigkeit ist nicht aufgegangen. „Arbeit hatte ich genug. Doch – zumal ich kein Eigenkapital hatte – ist sich die Selbstständigkeit wirtschaftlich nicht ausgegangen. Ich habe die Notbremse gezogen und bin schuldenfrei ausgestiegen.“ Andrea hat über 20 Bewerbungen in Versicherungen, Gemeinden und Firmen versucht. „Überqualifiziert“ wurde häufig als Grund der Absage genannt. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass Firmen Menschen suchen, die so jung, so gut ausgebildet und so viel Lebenserfahrung mitbringen. Gibt es diese Menschen?“ Die Begleitung des FrauenBerufsZentrums stärkt sie. Findet sie trotzdem keine Arbeit, die ein bisschen Sicherheit bietet, möchte sie die Pflege ihrer Mutter übernehmen.

Als ganz und gar anders erweist sich die Situation von Bettina (33). Sie hat ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert und jahrelang als Stylistin gearbeitet, bevor auch sie die Notbremse gezogen hat. Zu viele Konflikte, viele Mehrstunden, zu wenig Lebensqualität. „Ich habe gekündigt und mich als arbeitslos gemeldet. Während einer bestehenden Beschäftigung wollte ich keine neue Arbeit suchen.“ Jetzt ist sie seit einem halben Jahr auf Arbeitssuche. Zuerst wollte sie sich zu Büroarbeit zurückziehen. Mit der Beratung ist ihr klar geworden, dass sie doch den Kontakt mit Menschen braucht. Ihr Fazit: „Frauen suchen anders Arbeit, weil sie ihr Umfeld mit im Auge haben.“ Bettina hat noch keine Kinder, wurde aber bei Bewerbungen nach der Familienplanung gefragt. Was sie sucht? „Zufriedenheit im Job.“ Verdienst und Karriere stehen dabei nicht an erster Stelle.

6,7 Prozent betrug im Februar 2015 die Arbeitslosenrate in Tirol (6,3 Prozent waren es im Vorjahr). Die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt auch unter Frauen zu. Genau dieser Entwicklung möchte die Fraueninitiative entgegenwirken.

Zum Pilotprojekt vergangenes Jahr wurden 53 arbeitssuchende Frauen aufgenommen, erklärt Itta Tenschert, Geschäftsführerin bei Frauen im Brennpunkt. Letztere führen das FrauenBerufsZentrum im Auftrag des Arbeitsmarktservice (AMS). Durch eine längerfristige individuelle Beratung (das kann einmal pro Woche über drei Monate sein) sollen die Chancen auf die Wiedereingliederung in die Arbeit erhöht werden. Bedingung ist, dass die Frauen vom AMS zugewiesen werden. Die nächsten Schritte sind der Besuch von Workshops und die Vermittlung einer passenden Weiterbildung. Bis jetzt haben sich drei Gruppen von Frauen herauskristallisiert. Tenschert: „Es sind relativ hochqualifizierte Frauen, Migrantinnen, die Probleme mit der Anerkennung ihrer Ausbildung haben, und Wiedereinsteigerinnen, die nicht mehr in ihren 40-Stunden-Job zurückgekehrt sind.“ Oft genug muss die Beratungsstelle den Frauen helfen, eine funktionierende Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen.

In Tirol wird jetzt als letztem Bundesland aus dem Pilotprojekt eine dauerhafte Einrichtung. Rund 300 Frauen sollen pro Jahr unterstützt werden. Erfahrungswerte aus anderen Bundesländern zeigen, dass eine Erfolgsquote von 30 bis 40 Prozent möglich sei, sagt Tenschert.

FrauenBerufsZentrum

FrauenBerufsZentrum Tirol (FBZ). Nach dem Pilotprojekt vergangenes Jahr in Innsbruck wird das Angebot heuer auf die Bezirke Schwaz, Kufstein und Kitzbühel erweitert. In Wörgl soll ein Standort etabliert werden. Ziel: höhere Qualifizierung und Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Frauen. Jahresbudget: 280.000 Euro.

Voraussetzung. Das AMS weist die Frauen dem FBZ zu.

Drei Säulen: 1. Kurzberatung und Information. 2. Frauenspezifische Laufbahnberatung und 3. Workshops. Der Zeitrahmen beträgt drei Monate.

Workshops vermitteln Wissen zu Zeitmanagement, Arbeitsrecht, Budgetmanagement, weiters zu Präsentation und Bewerbung bis hin zu Stressbewältigung.

Neueröffnung. Im April werden die neuen Räumlichkeiten vom Verein Frauen im Brennpunkt in Innsbruck offiziell eröffnet. Die Adresse: Innrain 25.


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