Studie: Jugendliche am Weg in Arbeitsmarkt durchgängig unterstützen

Wien (APA) - Um gefährdete Jugendliche auf ihrem Weg in den Beruf besser zu begleiten, braucht es mehr durchgehende Betreuungs- und Qualifiz...

Wien (APA) - Um gefährdete Jugendliche auf ihrem Weg in den Beruf besser zu begleiten, braucht es mehr durchgehende Betreuungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse im Auftrag des Arbeitsmarktservice (S). Es gebe in Österreich zwar zahlreiche gute Angebote, doch nicht überall wisse man darüber Bescheid, erklärte Studienautorin Veronika Litschel der APA.

Litschel und Roland Löffler vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) analysierten mehrere Studien und Evaluierungen zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Jugendliche in Österreich am Übergang von Schule zum Beruf. Insgesamt zeige sich, „dass die Betrachtung der Jugendlichen sehr in der Defizitorientierung hängen bleibt“, so die Forscherin. Das sei einerseits logisch, weil es um den Ausgleich von Defiziten geht, habe aber auch negative Auswirkungen auf deren Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Im Zentrum dieser Metaanalyse standen sogenannte „Neets“ (kurz für „Not in Education, Employment or Training“; auf Deutsch: „Nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung). Diese sehr heterogene Gruppe umfasst etwa Jugendliche, die schon lange keine Lehrstelle finden, wie auch Systemverweigerer oder junge Mütter mit Betreuungsverpflichtungen.

Schätzungen gehen in Österreich von etwa 78.000 „Neets“ aus. Davon stehen aber fast zehn Prozent an einem Übergang und warten etwa auf ihren Präsenzdienst oder ihr Studium. Diese meist männlichen Jugendlichen brauchen eher keine Unterstützung.

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„Es gibt sehr viele, sehr umfassende und sehr gute Maßnahmen“ für Jugendliche, die Schwierigkeiten beim Übergang haben, wie etwa die überbetriebliche Lehrausbildung, Orientierungs-, Vorbereitungs- und Lernkurse oder auch Produktionsschulen, erklärte Litschel. Ob der vielfältigen Angebote könne man aber durchaus auch von einem „Fleckerlteppich“ sprechen. Nicht nur die Betroffenen täten sich hier schwer, einen Überblick zu bekommen.

Auch die Gruppen in sogenannten Vorbereitungs- und Vorschaltmaßnahmen seien oft „sehr inhomogen“, heißt es in der Studie. Das führe bei vielen Teilnehmern zu Über- und Unterforderung und in der Folge zu Demotivation. Dazu komme, dass sich 90 Prozent durch die Maßnahmen eine Vermittlung in ein betriebliches Lehrverhältnis erhofften, was aber in der Regel nicht realisierbar sei. „Vielleicht gibt es da auch ein Kommunikationsproblem“, so Litschel.

Es zeige sich zudem, dass Betreuungspersonen oftmals als „Elternersatz“ fungierten. Neben dem Bildungsaspekt geht es auch sehr stark um Umfeldprobleme der Jugendlichen. Daher sei die Aufgabenpalette für Betreuer und Trainer sehr umfangreich.

Die Analyse habe auch gezeigt, dass es vor allem beim Übergang zwischen Maßnahmen Probleme gibt, erklärte Litschel. Endet ein Kurs, ohne dass eine Lehrstelle gefunden wurde, bestehe erhöhte Gefahr, „dass man Jugendliche verliert“. Es brauche hier Kontinuität.

Ein Programm, wo es gut gelinge, über längere Zeit bei den Jugendlichen zu bleiben, sei das „Jugendcoaching“. Es beginnt bereits in der Schule, hört aber bei der Lehrlingsvermittlung auf. Besser vernetzt werden solle die Initiative etwa mit dem „Lehrlingscoaching“.

Weitere Erkenntnis der Studie: Niemand weiß genau, wie man Eltern in solche Prozesse sinnvoll einbeziehen kann. Das werde etwa anhand interkulturell sehr großer Einstellungsunterschiede zur Berufsausbildung klar. Zum Beispiel gebe es die duale Ausbildung in der Türkei zwar, sie habe aber einen sehr schlechten Ruf, erklärte Litschel. Viele Eltern wüssten daher nicht, dass das in Österreich völlig anders ist.

(S E R V I C E - http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMS_info_299.pdf)


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