Serbisch-orthodoxe Kirche setzte umstrittenen Bischof ab

Belgrad (APA) - Die serbisch-orthodoxe Kirche hat einen der kontroversesten Bischöfe abgesetzt. Der 67-jährige Wladika Filaret wurde am Donn...

Belgrad (APA) - Die serbisch-orthodoxe Kirche hat einen der kontroversesten Bischöfe abgesetzt. Der 67-jährige Wladika Filaret wurde am Donnerstag durch den Kirchensynod seines Amtes enthoben, wie Medien am Freitag berichteten. Die Entscheidung des Kirchensynods erfolgte nach zahlreichen Beschwerden über den rechtsnationalen Bischof vonseiten von Bürgern, aber auch von ihm untergeordneten Priestern.

Filaret hatte 16 Jahre lang das Bistum von Milesevo unweit der südwestserbischen Kleinstadt Prijepolje geleitet. Der Bischof war jahrelang für seinen extremen Nationalismus bekannt, sowie für seine Kontakte zu mutmaßlichen Kriegsverbrechern und der Unterwelt. Zuletzt hatte Filaret im Jänner für Aufregung gesorgt, als er den mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Vojislav Seselj mit einem hohen Kirchenorden ausgezeichnet hatte. Menschenrechtsgruppen hatten den serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej I. daraufhin aufgerufen, sich von dem Bischof zu distanzieren. Seselj ist vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag angeklagt.

Die montenegrinischen Behörden hatten Filaret im Sommer 2007 wiederholt die Einreise nach Montenegro verweigert. Grund war der Verdacht auf Kontakte zu den damals flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrechern, dem ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic und dem einstigen kroatischen Serbenführer Goran Hadzic. Filaret galt auch als enger Freund des ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagten einstigen serbischen Milizenführers Zeljko Raznatovic „Arkan“ wie auch von Milorad Ulemek Legija, dem Hauptorganisator des Attentates auf den serbischen Premier Zoran Djindjic.

Zuletzt wurde von umstrittenen Geschäftsvorhaben Filarets mit Geldern der Kirche berichtet. So soll der Bischof den Bau eines Hotels im Wert von 16 Mio. Euro geplant haben. Gleichzeitig war Filaret dafür bekannt, die Kosten seines Bistums für Strom, Sozialabgaben und Kirchenreparaturen jahrelang nicht beglichen zu haben.

Der neue vorläufige Verwalter des Bistums, Bischof von Niksic Joanikije, ließ gleich am Donnerstag den Bistumssitz bei Prijepolje versiegeln. Es wurde Medienberichten zufolge eine genaue Kontrolle aller Kirchenbücher angeordnet.


Kommentieren