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Keine Milde für Kunstberater Achenbach: „Vertrauensbruch ist groß“

Essen (APA/dpa) - Ist Betrug an Milliardären weniger schlimm, als Normalverdiener übers Ohr zu hauen? Richter Johannes Hidding hat dazu eine...

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Essen (APA/dpa) - Ist Betrug an Milliardären weniger schlimm, als Normalverdiener übers Ohr zu hauen? Richter Johannes Hidding hat dazu eine klare Meinung: „Auch Superreiche sind kein Freiwild.“ Der Essener Richter verurteilte den prominenten Kunstberater Helge Achenbach, den einstigen Strippenzieher der deutschen Kunstszene, zu sechs Jahren Gefängnis.

Dass Achenbach das Vertrauen seines Duzfreundes Berthold Albrecht, Milliarden-Erbe des Aldi-Imperiums, über Jahre ausgenutzt habe, sogar dann noch, als Albrecht schon schwer krank gewesen sei, wiegt für den Richter schwer. „Der Vertrauensbruch ist groß.“ Achenbach sitzt während der etwa einstündigen Urteilsverlesung in diesem spektakulären Prozess blass und wie immer im dunklen Dreiteiler auf der Anklagebank. Manchmal nickt er leicht, dann wieder schüttelt der 62-Jährige den Kopf. Er verzieht kaum eine Miene.

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Vor nicht einmal einem Jahr war für den weltweit vernetzten Kunstberater die Welt noch in Ordnung. Er jettete zu den elitären Kunstmessen in Miami und Basel, stattete das WM-Quartier der deutschen Fußball-Nationalelf in Brasilien mit Kunst aus. Seit seiner Festnahme sind nur neun Monate vergangen. Achenbach hat diese Zeit in Untersuchungshaft verbracht.

Mehrmals hat der einst joviale und feierfreudige Kunstexperte in dem rund dreimonatigen Prozess unter Tränen Reue gezeigt und sich dafür entschuldigt, dass er seinen Freund Albrecht betrogen habe. Dass er eine Freiheitsstrafe zu erwarten hatte, war ihm bewusst. So nimmt Achenbach das Urteil gefasst und fast regungslos entgegen.

Der Betrugsskandal um Achenbach ist der größte Skandal seit der Fälschungsaffäre um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der jahrzehntelang Fälschungen in den internationalen Kunsthandel geschleust und Millionen daran verdient hatte. Beltracchi bekam 2011 sechs Jahre Haft im offenen Vollzug - das war das Ergebnis eines „Deals“ zwischen allen Prozess-Beteiligten.

Achenbach darf auf Anordnung des Richters nicht auf freien Fuß - wegen Fluchtgefahr. Sein Verteidiger Thomas Elsner kann das nicht verstehen: Über Achenbachs Vermögen hielten die Gläubiger ihre Hand. Seine wirtschaftlichen Perspektiven im Ausland gingen doch „gegen null“.

Achenbachs Strafe ist genauso hoch wie die Beltracchis, der inzwischen wieder in Freiheit ist. Für Richter Hidding zählt vor allem der Schaden. Allein seinen 2012 gestorbenen Duzfreund Albrecht habe Achenbach um fast 20 Millionen Euro betrogen. Wo das ganze Geld geblieben ist, konnte die Kammer nicht restlos aufklären.

Berthold Albrecht war bis zu seinem Tod 2012 der beste Kunde Achenbachs. Hochkarätige Kunstwerke von Kirchner, Picasso und Gerhard Richter verkaufte ihm der umtriebige Kunstberater gleich dutzendfach.

Doch auf dem überhitzten und unregulierten Kunstmarkt, in den Milliarden gepumpt werden, wird eben doch nicht jeder Preis gezahlt. Die schwerreichen Aldi-Erben schauten genauer hin und zogen letztlich vor Gericht. Dennoch: Albrecht selbst hatte zu Lebzeiten seinen Freund Achenbach nicht nach dessen Einkaufspreisen oder nach der Preisgestaltung gefragt. Auch das kam in dem Prozess heraus: Es gab keine Kontrolle. Zwischen Albrecht und Achenbach gab es nicht einmal einen schriftlichen Vertrag. Die Millionendeals wurden per Zuruf abgeschlossen. Das entspreche „gewissen Üblichkeiten“ im Kunsthandel, meinte Hidding.

Achenbach, der sich einst in einem dpa-Interview als „Hans im Glück“ bezeichnete, sei „geschäftlich und finanziell ruiniert“, sagte der Vorsitzende Richter zum Schluss. „Sein Ruf als Kunstberater und Geschäftsmann hat nachhaltig Schaden genommen.“ Achenbach hatte es noch drastischer gesagt: „Den Kunstberater Helge Achenbach wird es nicht mehr geben.“ Er will zukünftig junge Künstler fördern, so wie einst, vor über 40 Jahren, als er in die Welt der Kunst einstieg.

Inzwischen aber gibt es möglicherweise schon den nächsten Skandal auf dem Kunstmarkt. Wegen Betrugsverdachts wird in Monaco gegen den schillernden Genfer Kunsthändler Yves Bouvier, Gründer sogenannter Freihäfen für zollfreie Kunsteinlagerung, ermittelt. Der milliardenschwere russische Oligarch Dmitri Rybolowlew wirft Bouvier vor, ihm überteuerte Meisterwerke verkauft haben. Bouvier wies die Vorwürfe zurück.


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