Gesundheit

Rinder-Herpes ist in Tirol wieder am Abklingen

© Reichle

Im Agrarzentrum West fand gestern wieder ein Viehmarkt statt. 17 Betriebe sind in Tirol von der Krankheit IBR/IPV betroffen.

Von Matthias Reichle

Imst –„20-40-60-80-780 ...zum letzten Mal“, die Stimme von Magnus Siehs fliegt förmlich durch den Raum, während einen Stock unter dem Logenplatz des Auktionators die Kälber durch den Ring geführt werden. Es ist Markttag im Agrarzentrum West – ein besonderer. Denn erst vor wenigen Wochen musste das Herzstück der bäuerlichen Welt im Oberland ihre Versteigerung vorerst aussetzen. Grund war die Rinderseuche IBR/IPV. Für den Menschen ungefährlich, ist die so genannte Buchstabenkrankheit für die Rinder ein Problem. Sie befällt die Atemwege und führt zu Aborten. Einmal angesteckt, bleiben die Tiere ein Leben lang Virusträger, ähnlich wie bei Herpes beim Menschen. Im Jänner wurde die Krankheit auch bei einem der Tiere festgestellt, die in Imst in der Quarantäne auf den Export warteten, erklärt Reinhard Winkler, Geschäftsführer des Braunviehzuchtverbandes. Daraufhin wurden alle Tiere untersucht, die Kontakt gehabt haben könnten. Das Agrarzentrum selbst wurde einer viertägigen Intensivreinigung unterzogen. „Das hat eine fünfstellige Summe gekostet“, betont Winkler. Erst danach konnte der normale Betrieb wieder aufgenommen werden. Man sei mit einem blauen Auge davongekommen, meint Agrarzentrum-Geschäftsführer Martin Kapeller.

Insgesamt haben sich österreichweit Tiere von 24 Betrieben angesteckt, 17 davon befinden sich in Tirol, erklärt Landesveterinär Josef Kössler. Vermutlich sei die Krankheit mit einem schlecht gereinigten Transporter nach Tirol gekommen, der zuvor kranke Rinder von Tschechien in einen Schlachthof nach Salzburg transportiert hatte und später Rinder nach Tirol in die Quarantäne führte.

Bei einem Export nach Algerien fiel die Erkrankung dann auf. Daraufhin wurden österreichweit alle Versteigerungen für eine Woche gestoppt und rund 300 Tiere geschlachtet. Inzwischen ist die Seuche aber am Abklingen. Allein in Tirol wurden 2282 Tiere in 172 Betrieben getestet, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten, österreichweit waren es 7011 Rinder. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, befindet auch Kössler. Bis zum 31. März werden die Maßnahmen aufrechterhalten. Dabei muss für Tiere, die versteigert werden, im Vorfeld nachgewiesen werden, dass sie gesund sind. Auf Wunsch der Zuchtverbände wird man das für die Frühjahrsversteigerungen aufrechterhalten, um wieder Vertrauen aufzubauen. „Der Kunde hat eine hundertprozentige Garantie, wenn er ein Tier kauft“, betont Winkler. Österreich gilt, als eines von wenigen Ländern in der EU, als IBR/IPV-frei.