Yline - Angeklagte: „Der Markt hat immer recht, Frau Richter“

Wien (APA) - Zum Abschluss des heutigen Verhandlungstages im Betrugsprozess um den einstigen Internetstar YLine ist es noch einmal um das To...

Wien (APA) - Zum Abschluss des heutigen Verhandlungstages im Betrugsprozess um den einstigen Internetstar YLine ist es noch einmal um das Tochterunternehmen WebLine, ein Erotikportal, gegangen. Es steht der Vorwurf im Raum, dass eine Betriebsprüferin der Agentur Ernst & Young den Wert des Onlineportals weit zu hoch angesetzt habe.

Die beklagte Prüferin rechtfertigte sich damit, dass rund um die Jahrtausendwende Onlineanbieter weit über dem realen Wert gehandelt wurden - weil sie ein gewaltiges Entwicklungspotenzial hätten. In die Bewertung sei diese Markteinschätzung mit eingeflossen, denn: „Der Markt hat immer recht, Frau Richter“, so die Angeklagte. Sie würde auch heute WebLine wieder so hoch bewerten, denn „das Modell hat Zukunft“.

Der Hauptangeklagte Werner Böhm, Gründer und Chef von YLine, versuchte heute einmal mehr IBM als Geschäftspartner darzustellen, der sich der Verantwortung entzogen habe. Hätte die IBM ihren Part erfüllt, hätten die Gläubiger nach der YLine-Insolvenz im Jahr 2001 eine Quote von 100 Prozent bekommen, meinte er.

Dass der Masseverwalter aber dann mit IBM einen Vergleich erzielt habe und IBM fortan als Gläubiger geführt wurde, könne er bis heute nicht nachvollziehen, so Böhm. Unterm Strich sei das ganze für den US-Computerkonzern sogar noch ein Geschäft gewesen.

Die Verteidigung einer Mitangeklagten forderte die Befragung eines weiteren Gutachters, die Staatsanwaltschaft gab dazu keinen Kommentar ab. Morgen, Mittwoch, wird im Wiener Straflandesgericht weiterverhandelt, mit einem Urteil in den nächsten Wochen ist nicht zu rechnen.