Internationale Pressestimmen zum Anschlag in Tunis

Tunis (APA/dpa/AFP) - Europäische Zeitungskommentare befassen sich am Donnerstag mit dem tödlichen Terroranschlag in Tunis. Die spanische Ze...

Tunis (APA/dpa/AFP) - Europäische Zeitungskommentare befassen sich am Donnerstag mit dem tödlichen Terroranschlag in Tunis. Die spanische Zeitung „El Mundo“ schreibt:

„Tunesien ist ein Symbol, denn es ist der einzige Staat in Nordafrika, in dem der Arabische Frühling blüht. Tausende Tunesier, die als Terroristen nach Libyen, Mali und Syrien gezogen waren, wollen nach ihrer Rückkehr der Demokratie in ihrem Land ein Ende machen. Man muss sie aufhalten. Das demokratische System in Tunesien hat gerade erst Wurzeln geschlagen. Es darf nicht gestürzt werden. Die Weltgemeinschaft muss sich bewusst sein, dass das Land in der arabischen Welt ein Vorbild ist, was die demokratischen Freiheiten sowie den politischen und religiösen Pluralismus betrifft. Dies muss es auch bleiben. Denn nur so kann es für Europa ein Schutzdeich sein, der den Islamismus aufhält.“

„La Stampa“ (Rom):

„Wir wähnen uns schon zu lange in der Sicherheit, dass unsere Probleme nur die sind, die wir direkt vor Augen haben: Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Korruption, politischer Streit. Wir machen uns vor, dass wir uns nicht um die Probleme der Welt kümmern müssen, dass wir uns den Luxus leisten können, diese Probleme nur zur Kenntnis zu nehmen, wenn von Krieg, Terror und Verfolgung getriebene Flüchtlinge an unseren Küsten ankommen. Wir denken uns, dass der neue islamistische Extremismus ein Problem der Amerikaner im Irak, der Syrer, der Ägypter (...) oder jener Franzosen ist, die die absolute Freiheit der Satire pflegen. Nun, zu Beginn des Frühlings hat der neue Terrorismus unser Haus betreten, in einem Moment, in dem wir hilflos und unschuldig sind: Bei einem Besuch im Museum während einer lange ersehnten Reise.“

„Le Figaro“ (Paris):

„Die fanatischen Islamisten suchen ihre Ziele nicht zufällig aus. Eine Satirezeitung, Polizisten und ein jüdischer Supermarkt in Frankreich, religiöse Minderheiten und antike Schätze im Irak, jetzt unschuldige europäische Touristen im größten Museum von Tunis. Das Blutbad vom Mittwoch im Bardo, kürzlich renoviertes Schmuckstück der Mittelmeer-Zivilisationen, zielt gleichermaßen auf die Tunesier und auf Ausländer, auf die Kultur und die Demokratie, die Wirtschaft und den Frieden. Es ist ein furchtbarer Schlag gegen das einzige arabische Land, das den Versuch des politischen ‚Frühlings‘ von 2011 umgesetzt hat.“

„Liberation“ (Paris):

„Die Jihadisten haben das Herz Tunesiens getroffen. Der Anschlag galt einem Ort der Kultur (die der Islamische Staat vernichtet), er tötete Touristen (die Einkommensquelle Tunesiens) in der Nachbarschaft des Parlaments (Ort der anfälligen Demokratie). Das Land muss mit diesem schrecklichen Anschlag fertig werden. Vor vier Jahren bot Tunesien der Welt das schöne Schauspiel eines Erwachens. Damals haben viele Menschen gewünscht, Tunesier zu sein. Heute braucht das Land ihre Solidarität mehr denn je.“