Umstrittene Hinrichtung in Pakistan ausgesetzt
Shafqat Hussain sollte bereits die Kleidung für seine Hinrichtung in Pakistan anziehen, dann bekam er doch noch Aufschub. Nun will die Regierung sein Alter prüfen - er soll mit 14 verurteilt worden sein.
Islamabad – Nach internationaler Kritik hat Pakistan in letzter Minute die Hinrichtung eines Mannes ausgesetzt, der bei seiner Verurteilung erst 14 Jahre alt gewesen sein soll. Staatspräsident Mamnoon Hussain verschob die für Donnerstagmorgen geplante Exekution von Shafqat Hussain kurz vor Mitternacht um zunächst 72 Stunden. Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan kündigte an, per DNA-Test feststellen zu lassen, ob Hussain bei seiner Verurteilung wegen Mordes an einem Kind 2004 tatsächlich minderjährig war. Vier weitere verurteilte Mörder ließ die Regierung am Donnerstag hinrichten.
Innenminister Khan hatte zuvor gesagt, Gefängnisakten zufolge sei Hussain zum Zeitpunkt des Urteils bereits 23 Jahre alt gewesen. Hussains Familie hat aber eine Geburtsurkunde vorgelegt, wonach er damals erst 14 Jahre alt war. Auch Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus. Amnesty International berichtete unter Berufung auf Hussains Anwälte außerdem, der heute 24-Jährige sei damals neun Tage gefoltert worden und habe dann erst den Mord „gestanden“.
Vier Hinrichtungen am Donnerstag
Nach pakistanischem Recht können Minderjährige nicht zum Tode verurteilt werden. Sollte bewiesen werden, dass Hussain damals jünger als 18 Jahre war, müsste seine Todes- in eine Gefängnisstrafe umgewandelt werden.
Wie der Sender Geo TV berichtete, hatte das Gefängnispersonal Hussain in der Nacht zu Donnerstag bereits aufgefordert, sein Testament zu schreiben und weiße Kleidung für die Hinrichtung anzuziehen. Dann erst sei die Nachricht gekommen, dass die Exekution verschoben werde. Hussain ist in der südpakistanischen Millionenmetropole Karachi inhaftiert.
In der ostpakistanischen Provinz Punjab wurden am Morgen nach Angaben aus dem Innenministerium vier weitere verurteilte Mörder gehängt. Seit dem von Premierminister Nawaz Sharif verkündeten Ende eines Moratoriums auf Vollstreckung der Todesstrafe im Dezember wurden in Pakistan nach Zählung von Amnesty International 52 Menschen hingerichtet, die als Terroristen oder Mörder verurteilt worden waren. Sharif hatte das Moratorium nach einem Taliban-Angriff auf eine Schule aufgehoben, bei dem mehr als 160 Menschen starben, die meisten davon Kinder. (dpa)