Gedenken an vermutlich letzte getötete Bomber-Besatzung in Europa
Adnet (APA) - Die vermutlich letzte Flieger-Besatzung, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Abschuss in Europa ums Leben kam, stürzte in Adnet...
Adnet (APA) - Die vermutlich letzte Flieger-Besatzung, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Abschuss in Europa ums Leben kam, stürzte in Adnet bei Salzburg am 25. April 1945 ab. Der britische Bomber beteiligte sich an einer Angriffswelle auf Hitlers Obersalzberg, 1.300 Bomben wurden abgeworfen. 70 Jahre danach treffen sich im April rund 50 Angehörige der Royal-Air-Force-Soldaten in Adnet zu einer Gedenkfeier.
Das viermotorige Lancaster-Flugzeug mit sieben Engländern und Kanadiern an Bord ging auf dem Bauernfeld am „Spumberg“ in Adnet zu Bruch. Vier Soldaten der Crew „LM 756 F-Freddy“ des „619 Geschwaders“ starben noch im Wrack, darunter der kanadische Pilot. Drei konnten sich mit einem Fallschirm retten, sie haben den Krieg überlebt. Die vier Toten ließ der damalige Adneter Pfarrer Ferdinand Holzinger, der das KZ überlebt hatte, trotz Widerstandes in der Bevölkerung am Dorffriedhof begraben. Nach dem Krieg wurden sie exhumiert und auf dem Commonwealth Kriegsfriedhof in Klagenfurt beerdigt. Die „LM 756 F-Freddy“ soll auch an der Bombardierung von Dresden beteiligt gewesen sein.
Überreste des Bombers wurden von Adneter Bewohnern eingesammelt, wiederverwertet oder aufbewahrt. „Das Aluminium war sehr gefragt“, schilderte der jetzige Bürgermeister von Adnet, Wolfgang Auer, im APA-Gespräch. Noch vorhandene Teile, beispielsweise der Motorabdeckung und des Flügels, werden jetzt von Schülern der Bildhauerschule Hallein geschmolzen und anlässlich der Gedenkfeier am 24. April in ein Denkmal aus Aluminium gegossen. Die Skulptur wird an der Absturzstelle auf der Wiese des Schwarzenbachbauern, genannt „Fliegerfeld“, aufgestellt.
Der Adneter Bürgermeister befasste sich Jahrzehnte mit dem Absturz und dem Schicksal der Verunglückten. Auf der Suche nach Angehörigen half ihm schließlich ein britischer Feuerwehrmann. Die beiden trafen sich im März 2013 bei einer internationalen Fortbildung. Nach intensiven Recherchen knüpften sie Kontakte zu den Familien der Soldaten, eine eigene Internetseite wurde erstellt. Die schon lange gehegte Idee des Bürgermeisters, eine Gedenkfeier zu veranstalten, fand großes Echo.
Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Die Feinde von gestern sind die Freunde von heute“, des Verzeihen-Könnens und der Völkerverbindung. „Es wird an alle Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht“, betonte Auer. Die Gedenkfeier sollte auch ein Appell dafür sein, „dass sich so etwas nie mehr ereignet. Die Jungen sollen nie vergessen, was diese Generation mitgemacht hat.“ Noch am 7. Mai 1945 sei in Adnet ein deutscher Soldat von einem Amerikaner erschossen worden. Einen Tag darauf war der Krieg in Europa beendet.
Das Denkmal wird am Nachmittag des 24. April in Adnet vom Dorfpfarrer und einem englischen Pastor eingeweiht. Ein Musiker der Royal Air Force Band aus Großbritannien spielt ein Lied zum Gedenken an die Verstorbenen. Geladen sind neben den hinterbliebenen Familien u.a. ein Vertreter der kanadischen Botschaft, ein britisch-kanadischer Militärattache, hochrangige Militärs der Royal Air Force und der Royal Canadian Air Force, der Salzburger Militärkommandant Brigadier Heinz Hufler und Landeshauptmann Wilfried Haslauer. An der Feier wirken auch örtliche Vereine und der Kameradschaftsbund mit. Geplant ist zudem ein Überflug des österreichischen Bundesheeres. Am Vortag, dem 23. April, treffen sich Angehörige und Zeitzeugen aus Salzburg zur „Night to Remember“ im Gemeindeamt von Adnet.
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