Rekord in Reichweite: Matchball für Hirscher im Duell um die Kugel
ÖSV-Star Marcel Hirscher kann am Samstag im Riesentorlauf den Gesamtweltcup-Sieg perfekt machen. Er wäre der erste Skifahrer der die große Kristallkugel viermal in Folge gewinnt. Bei den Damen wird das Duell Anna Fenninger gegen Tina Maze wohl erst am Sonntag entschieden.
Meribel - Als erster Skirennläufer kann Marcel Hirscher zum vierten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen. Und die Chancen stehen gut, dass der Salzburger bereits am Samstag im Riesentorlauf von Meribel den Coup vollendet. Im Slalom zum Saisonabschluss am Sonntag kämpft der 26-Jährige noch gegen den Deutschen Felix Neureuther um die kleine Kugel, es wäre seine dritte en suite in dieser Disziplin.
Mit dem hervorragenden vierten Platz im Super-G am Donnerstag hat Hirscher auf den zweitplatzierten Norweger Kjetil Jansrud nur 30 Punkte eingebüßt, er liegt nun noch mit 34 Zählern in der Gesamtwertung voran. Bleibt er am Ende vorne, würde er mit Landsmann Hermann Maier, Gustavo Thöni (ITA) und Pirmin Zurbriggen (SUI) gleichziehen, die ebenfalls insgesamt viermal gewonnen haben. Voran liegt mit fünf Trophäen der Luxemburger Marc Girardelli.
„Viermal hintereinander wäre eine Sensation“
„Wenn er jetzt seine Leistungen wie bei den letzten Rennen bringt, wird das der Gesamt-Weltcup. Und viermal hintereinander wäre eine Sensation“, sprach ÖSV-Alpindirektor Hans Pum den historischen Wert an.
Weltcup-Finale:
Beginnzeiten Herren:
Samstag: RTL, 10.00/12.30 Uhr
Sonntag: Slalom, 9.00/11.30 Uhr
Beginnzeiten Damen:
Samstag: Slalom, 9.00/11.30 Uhr
Sonntag: RTL, 10.00/12.30 Uhr
Hirscher hat sich vergangenes Wochenende als Zweiter in Kranjska Gora bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere die Riesentorlaufwertung gesichert. In allen sieben Weltcup-Saisonrennen stand er auf dem Podest, er feierte fünf Siege und errang jeweils einen zweiten und einen dritten Platz. Zudem holte er WM-Silber. Das bisher letzte Mal außerhalb der Top-Vier war er am 12. Jänner 2013 als 16. in Adelboden. Aufgrund seines Formhochs und Selbstvertrauens gibt es keinen Grund, dass diese Serie ausgerechnet am Samstag reißen sollte.
Jansrud hingegen hat seine besten Riesentorlaufzeiten schon hinter sich, der Olympia-Zweite von Vancouver 2010 kam in diesem Winter über Rang 14 als beste Ergebnis nicht hinaus. Bei einem Ausfall von Hirscher müsste Jansrud zumindest Siebenter werden, um die Führung im Gesamtweltcup zu übernehmen. Und dann steht am Sonntag immer noch der Slalom auf dem Programm, in dem Hirscher zu den Sieganwärtern zählt.
„Der Super-G war eine perfekte Vorbereitung für den Riesentorlauf“, sagte Hirscher, der den ersten GS-Durchgang von seinem Coach Michael Pircher gesetzt bekommt, was sicherlich kein Nachteil sein wird. Mit den Kraftreserven sieht es ebenfalls noch gut aus. „Grundsätzlich glaube ich, dass ich nicht mehr oder weniger Verschleißerscheinungen habe als andere in ihren Jobs.“ Jansrud zeigte sich ebenfalls für den Riesentorlauf gerüstet. „Ich werde attackieren und dann sehen wir, was passiert.“ Sollte dies etwas Außergewöhnliches sein, dann wird er auch den Slalom bestreiten.
Im Slalom gegen Neureuther um die kleine Kugel
Während im Riesentorlauf das Kristall an Hirscher vergeben ist und sich der Franzose Alexis Pinturault und der entthronte US-Amerikaner Ted Ligety noch um Platz zwei matchen, lautet im Slalom das Duell um den Titel Neureuther gegen Hirscher. Der Deutsche hat 55 Zähler Vorsprung, es wäre seine erste Kristallkugel, und die Favoritenrolle bekommt er von dem ÖSV-Superstar zugeschoben: „Das wird noch spannend, aber Felix hat einen guten Vorsprung.“
In der vergangenen Saison setzte sich im spannenden Finish Hirscher durch. Er lag vor dem abschließenden Bewerb in der Disziplinwertung fünf Punkte hinter Neureuther, gewann dann aber beim Finale in Lenzerheide vor diesem und setzte sich mit 15 Punkten Vorsprung durch. Um Platz drei geht es heuer zwischen Henrik Kristoffersen (NOR), Alexander Choroschilow (RUS), Fritz Dopfer (GER), Stefano Gross (ITA) und Mattias Hargin (SWE) eng zu.
Ob es das letzte Weltcuprennen in der Karriere von Benjamin Raich und jenes von Reinfried Herbst sein wird, wird sich erst später weisen. Beide haben Entscheidungen über ihre Zukunft nicht vor Frühjahr/Sommer angekündigt.
Knappes Duell bei den Damen
Der Gesamtweltcup der Damen wird hingegen wohl erst am Sonntag und damit im letzten Rennen der Saison 2014/2015 entschieden. Auch bei einem Slalomsieg von Tina Maze am Samstag - den ihr aber Mikaela Shiffrin auf dem Weg zur erhofften kleinen Kristallkugel heftig streitig machen wird - ist für Anna Fenninger noch alles möglich. Im Riesentorlauf fährt die Weltmeisterin in dieser Saison wie auf Schienen. Unterdessen hat sich Fenninger für einen Start im Slalom entschieden. Um zu punkten, muss die Salzburgerin unter die Top 15 fahren. Ihren bisher letzten Slalom absolvierte sie 2011 in Flachau, wo sie den 26. Platz belegte. Seither hat sie aber in Kombinationsbewerben immer wieder überzeugende Leistungen in dieser Disziplin gezeigt.
Maze mit den Rängen vier in Abfahrt und drei im Super-G sowie Fenninger mit acht und zwei zum Auftakt der Meribel-Rennen machen es weiterhin hochspannend, es läuft auf eine der knappsten Entscheidungen im Gesamtweltcup hinaus.
Seit der Saison 1991/92 wurde der Damen-Weltcup dreimal mit 3 Punkten Vorsprung entschieden. 2005 als Anja Pärson (SWE) vor Janica Kostelic (CRO) gewann und 2011, als sich Maria Höfl-Riesch (GER) vor Lindsey Vonn (USA) durchsetzte. Zwei Rennen vor Schluss der Saison 2014/2015 hat Fenninger 32 Zähler Vorsprung auf Maze. Bei einer erfolgreichen Titelverteidigung wäre sie erste die dritte Österreicherin nach Annemarie Moser-Pröll (6) und Petra Kronberger (3), die mehr als einmal den Gesamtweltcup gewinnt.
Auch wenn Fenninger im Kampf um die Abfahrts- und die Super-G-Kugel jeweils gegen Vonn das Nachsehen hatte, so geht sie mit der Selbstsicherheit von drei Saisonsiegen und einem zweiten Platz in die Riesentorlauf-Entscheidung. Sie hat vor dem Showdown 86 Zähler Vorsprung auf ihre Teamkollegin Eva-Maria Brem, womit die erfolgreiche Titelverteidigung nur noch Formsache scheint. Die drittplatzierte Shiffrin könnte noch auf Rang zwei, aber nicht mehr auf eins vorstoßen. Das heißt, diese Kugel ist dem ÖSV sicher. (TT.com, APA)
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