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Orgelfarben und Klassik-Sehnsucht

Innsbruck – Die überreiche Matinee der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessls Leitung lenkte am Sonntag die Aufmerksamkeit zunächst au...

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Innsbruck –Die überreiche Matinee der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessls Leitung lenkte am Sonntag die Aufmerksamkeit zunächst auf das ungewisse Schicksal der Innsbrucker Stadtsaal-Orgel. Nachdem Pläne gescheitert sind, das Instrument anlässlich des Neubaus am Stadtsaal-Areal in eine Innsbrucker Kirche bzw. nach St. Petersburg zu übersiedeln, ist die Drohung aktuell, die Orgel wegzulagern – was ihr Ende bedeuten würde.

Nun wurde die gefährdete „Königin“ – ein letztes Mal? – der Öffentlichkeit klingend präsentiert. Franz Baurs Konzert für Orgel und Streichorchester, das mit dem Zitat von Beethovens Schicksalsschlägen nicht nur an dieses Orgel-Gewissen pocht, ist ein geeignetes Werk dafür. Die Stadtsaal-Orgel ist kein brüllendes Werk, sondern eine Konzertorgel, die hervortreten, sich aber auch anpassen kann, und das in besonderer Farbvielfalt. Michael Schöch wusste sie ihr zu entlocken, fein aufblühend mitten im Streichersatz, stets lebhaft in der Kommunikation.

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Ausnahmetalent Schöch setzte sich noch für Dmitr­i Schostakowitschs Konzert Nr. 2 ans Klavier, jung und spielerisch die munteren Ecksätze dem Publikum ins Ohr drehend. Der Zärtlichkeit des Mittelsatzes begegnete er mit chopin­eskem Anschlag – soweit das an diesem Flügel möglich schien.

Da war aber noch große Symphonik vorausgegangen, Michael F. P. Hubers aufwendige Ergänzung von Johann Rufinatschas Symphonie Nr. 3 zählt dazu, in die er Einblick gab. Die CD der Gesamteinspielung wurde von Franz Gratl als „musikmuseum 21“ des Ferdinandeums präsentiert. Zwischen Rufinatscha, der das 20. Jahrhundert durchmaß, und dem heutigen Huber tönte Jean Sibelius’ 1907 vollendete dritte Symphonie von neuer Einfachheit und Klassik-Sehnsucht. Die Akademie St. Blasius wechselte die Stile unter Siessl mit wissendem Selbstverständnis, transparent bei Baur, Klangfülle anreichernd für Sibelius und Rufinatscha (4. Satz), sicher in den Bläsersoli, unbeschwert bei Schostakowitsch. (u.st.)

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