Standort Tirol

Über den Tellerrand des Lehrberufs hinausgeblickt

© Blassnig

Zwölf angehende Maurer und Metaller haben mit dem jungen Lienzer Sound-Künstler René Bacher für sich neues Land erobert.

Von Christoph Blassnig

Lienz –Die Akkordfolge und die Melodie hat Rin mitgebracht. Der Lienzer Rapper René Bacher, wie Rin mit bürgerlichem Namen heißt, ist einer der beiden Musiker von Rin&Jes. Ende vergangener Woche ist mit seiner Begleitung in nur wenigen Stunden ein neuer Song entstanden.

„Das war nicht der erste Workshop für mich“, erzählt Rin. „In Jugendzentren in Lienz, Debant, Spittal und auch in Wien habe ich meine Arbeit schon vorgestellt. Die Musik ist mein Sprachrohr, und sie kann es für jedermann sein.“

Diesmal hatte Angela Frey angefragt. „Über die Initiative Kulturkontakt wird in der Lehrlingsausbildung ein Blick über den Tellerrand des eigenen Berufes geboten“, erklären sie und Monika Reindl-Sint, die Organisatorinnen. Zum achten Mal hat in Lienz ein solcher Austausch bereits stattgefunden.

Die fünf Metalltechnik- und sieben Maurerlehrlinge einer Lienzer Baufirma trafen im Kolpinghaus auf den Lienzer Rapper Rin. Nur einer von ihnen bringt erste eigene Erfahrungen mit Musik mit, als Zugposaunist in einer Musikkapelle. Auch die Hörvorlieben der angehenden Handwerker liegen auseinander: Volksmusik, Elektro, harter Rock. Sänger ist gar keiner dabei. „Nach dem ersten Kennenlernen habe ich ganz kurz meine Arbeit in meinem Studio als Musiker, Texter, Komponist und Produzent vorgestellt“, berichtet Rin. „Das wird schnell zu technisch. Also habe ich die Gitarre genommen und eine Akkordfolge gespielt. Dazu ist dann die Melodie gekommen. Und das Thema war für die Männer schnell klar.“

Ein Solo-Sprechgesang beschreibt in den Strophen des Songs das tägliche Werk eines Maurers auf der Baustelle: Da wird mit Fleiß und Freude früh und frisch ans Werk gegangen. Bald steht die Schalung und fasst den Beton. Mit der Säge wird am nächsten Tag die Form entfernt, das Bauwerk ist geglückt. Im Refrain tönt es selbstbewusst aus zwölf jungen Kehlen: „Wir sind Maurer!“

Stampfen und Klatschen sind das Rhythmus-Fundament des zwei Minuten dauernden Liedes. „Darüber Gitarre, Klavier, Melodie. Das Ganze ist sehr reduziert“, verdeutlicht Rin, „weil es nicht mehr braucht.“ Die Strophe wurde zwei Mal solo aufgenommen, und dann beide Versionen übereinander gelegt. „Für den Refrain sind wir alle im Kreis um das Mikro gestanden.“ Rap- oder Hiphop-Elemente sind bis auf den Sprechgesang vordergründig nicht vorhanden. „Das muss ja auch gar nicht sein“, so Rin. „Auf meinem neuen Album experimentiere ich mit vielen Einflüssen aus unterschiedlichsten Musikrichtungen. Es gibt viel zu entdecken.“

Die Aufnahme von „Wir sind Maurer“ wird Rin in seinem Studio noch überarbeiten, damit das Werk an Textverständlichkeit, Frische und Kompaktheit gewinnt. „Die Autoren haben einer Veröffentlichung zugestimmt. Wir werden sehen.“

Rin pendelt seit der Arbeit am Song „Schattenkampf“ regelmäßig nach Wien. „Von meiner Musik kann ich noch nicht hundertprozentig mein Leben finanzieren. Ich helfe in Wien in einem Studio mit oder gebe Workshops wie diesen. Hier in Osttirol kann ich ganz ohne Druck und unbefangen an meinem nächsten Album arbeiten. Viele Ideen sind fertig, die Veröffentlichung steht aber noch nicht fest.“