Haus der Geschichte: Experte gegen „Reinquetschen in Altbestand“

Wien (APA) - Peter Donhauser, ehemaliger Sammlungsleiter im Technischen Museum Wien und zeitweise interimistischer Leiter, hat eine Petition...

Wien (APA) - Peter Donhauser, ehemaliger Sammlungsleiter im Technischen Museum Wien und zeitweise interimistischer Leiter, hat eine Petition zum Erhalt der Sammlung alter Musikinstrumente in der Hofburg gestartet. Bisher haben rund 6.500 Menschen unterschrieben. Die Räume sollen dem „Haus der Geschichte“ Platz machen. Er sieht sich nicht als „Wutbürger“, sondern „weiß, was es heißt, ein Museum zu räumen“.

APA: Herr Donhauser, was hat Sie bewogen, die Petition zu starten?

Peter Donhauser: Ich habe 25 Jahre Museumserfahrung. Ich weiß, was es heißt, ein Museum zu räumen, mit den Objekten im Depot umzugehen, sie zu restaurieren und das Haus wieder einzurichten. Es ist vorherprogrammiert, dass das Kämpfe kosten wird.

APA: Erhoffen Sie sich von Ihrer Aktion politische Reaktionen?

Donhauser: Es ist vielleicht naiv, aber ich bin Staatsbürger, der mit Steuergeld das Ganze mitfinanzieren muss, und da möchte ich aufzeigen und sagen: bitte nachdenken! Ich habe neben einigen E-Mails auch schon einen Brief vom Herrn Bundespräsidenten bekommen, der laut Informationen von Minister Josef Ostermayer schreibt, es wäre anders als dargestellt.

APA: Abgesehen von den Finanzen - kann man bei einer Übersiedelung Schäden an den teilweise mehr als 500 Jahre alten Instrumenten vermeiden?

Donhauser: Bei Umlagerungen gibt es immer Probleme, das lässt sich nicht verhindern. Die Instrumente sind jetzt in einem relativ stabilen Klima. Nehmen Sie etwa die ersten datierbaren Krummhörner auf der Welt, die sich dort in einer Vitrine finden. Jetzt werden die verpackt. Es gibt im engeren Sinne ja keine Klimakisten, also kann es sein, dass die Instrumente aufgrund von Klimaschwankungen Risse bekommen. Andere Objekte müssen überhaupt zerlegt werden, die kann man so einfach gar nicht angreifen. Jedes Instrument muss individuell behandelt werden. Solche Sachen lässt man tunlichst am Besten in Ruhe.

APA: Durch die Redimensionierung des Weltmuseums wurden rund elf Mio. Euro eingespart. Minister Josef Ostermayer hat bereits gesagt, dass das Haus der Geschichte mehr als das kosten wird. Das Absiedeln der Instrumente wird wohl auch nicht gerade billig?

Donhauser: Wenn man sich die internationalen Preise für Ausstellungen anschaut, gehen sich mit elf Mio. Euro - mit einigen Abstrichen - die 3.000 Quadratmeter gerade aus. Aber was bleibt dann für die Musiksammlung übrig? Allein das Verlagern kostet zwischen zwei und drei Mio. Euro. Dazu kommt, dass man diese Musiksammlung in dieser reduzierten Ausstellungsgestaltung wie jetzt ja nicht mehr zeigen kann, das wird einem niemand abnehmen. Eine Neuaufstellung würde allerdings rund 3.000 Euro pro Quadratmeter kosten. Das sind internationale Preise, die kann man nicht wegdiskutieren.

APA: Halten Sie die Unterbringung des Hauses der Geschichte in der Neuen Burg grundsätzlich für sinnvoll?

Donhauser: Wenn man die Räumlichkeiten in der Neuen Burg ansieht - was ist da an Raum da? 50 Prozent ist Stiegenhaus. Das ist zwar wahnsinnig repräsentativ und schaut toll aus, aber es wurde natürlich vom Kaiserhaus in dieser Form initiiert, aus dem Gebäude spricht die Monarchie. Ist das so super für ein Haus der Geschichte? Außerdem hat die Musiksammlung nur knapp 1.700 Quadratmeter, mit den unteren Räumen kommt man knapp auf die geplanten 3.000 Quadratmeter. Wo soll denn dann die Fläche für die Musikinstrumente herkommen?

APA: Das 2009 erstellte Konzept von Haas & Lordeurop rechnete überhaupt nur eine Neubau-Variante durch...

Donhauser: Die Idee mit der Neuen Burg - was ist das für ein Signal? Das Haus der Geschichte in Bonn etwa ist ein eigener Bau, auch das Historische Museum Berlin bekam einen modernen Zubau von einem Star-Architekten. Und dann reden wir hier in Österreich von 3.000 Quadratmetern und räumen dazu noch eine bestehende Sammlung aus, mit allen Schwierigkeiten? Ist das wirklich das, was wir wollen? Warum ist man nicht mutiger und stellt zum Beispiel gegenüber einen Neubau hin? Da könnte man sagen: Das ist ein Zeichen, das wir für die Darstellung unsere Geschichte setzen könnten und nicht wieder etwas in einen Altbestand reinquetschen.

APA: Welche Adaptierungen stehen überhaupt an?

Donhauser: Versuchen Sie beispielsweise mal, mit einem Rollstuhl da reinzukommen. Ein Haus der Geschichte muss man behindertengerecht machen. Man kann nicht erwarten, dass jemand im Rollstuhl am Lieferanteneingang wartet und anruft, um geholt zu werden.

APA: Es gab Stimmen, die überhaupt kein Haus der Geschichte wollen...

Donhauser: Das brauchen wir auf jeden Fall! Noch dazu, wo man in Österreich so lange gebraucht hat, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Es hat so lange gedauert, bis die Restitution in Schwung gekommen ist, bis einzelne Nationalsozialisten mit Namen benannt wurden. Gerade deswegen braucht es eine neutrale Aufarbeitung der Geschichte. Aber ich denke, ein eigenes Gebäude mit gutem Signal ist wirkungsvoller, als alles hinter einer Prunkfassade zu verbergen.

APA: Wissen sie, was Rudolf Hopfner, der Direktor der Sammlung der Musikinstrumente, zu den Plänen sagt?

Donhauser: Normalerweise setzt man sich gemeinsam an einen Tisch, auch wenn man nicht der gleichen Meinung ist. Aber dass Herr Hopfner immer nur aus den Medien erfährt, was ihn betrifft, ist nicht so toll.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

(S E R V I C E - Text der Online-Petition: http://go.apa.at/LeWOfT4S )