Top-Forscher befürchten „Demontage der Grundlagenforschung“

Wien (APA) - Die Träger des Wittgensteinpreises, der höchsten Wissenschaftsauszeichnung in Österreich, sind „ob der kursierenden Pläne der f...

Wien (APA) - Die Träger des Wittgensteinpreises, der höchsten Wissenschaftsauszeichnung in Österreich, sind „ob der kursierenden Pläne der finanziellen Demontage der wissenschaftlichen Grundlagenforschung extrem beunruhigt“. Sie befürchten, dass die Zahlung von Overhead-Kosten durch den Wissenschaftsfonds FWF eingestellt wird, und kritisieren die Verwendung der Ministerreserve für Mehrkosten bei Spitalsärzten.

In einem der APA vorliegenden Offenen Brief appellieren die Wittgensteinpreisträger, an die österreichische Bundesregierung, das in diversen Regierungserklärungen festgehaltene Bekenntnis zur wissenschaftlichen Grundlagenforschung in die Tat umzusetzen“. Sie hoffen, einer Fehlinformationen aufgesessen zu sein und dass weder die Overheads des FWF noch die Ministerreserve angetastet werden.

Um die Bezahlung von Nebenkosten, die Forschungseinrichtungen und Universitäten bei geförderten Forschungsprojekten entstehen, den sogenannten „Overheads“, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder ein Tauziehen. Während in anderen Ländern wie den USA bis zu 100 Prozent der Projektkosten als Overheads bezahlt werden, wurde erst 2008 die Zahlung von 20 Prozent dieser indirekten Kosten von FWF-geförderten Projekten beschlossen, allerdings nach einem Jahr wegen Budgetmangels wieder eingestellt. Seit 2011 wird wieder ein 20-prozentiger Aufschlag auf die Fördersumme gezahlt.

Die Wittgensteinpreisträger halten es für „fatal“, dass nun offenbar daran gedacht werde, die Overhead-Zahlungen wieder abzuschaffen. Diese seien „ein starkes Lenkungsinstrument gegenüber den Institutionen, an denen potentiell Spitzenforschung betrieben wird“. Die durchwegs positiven Effekte dieser Maßnahme seien in der österreichischen Forschungslandschaft in den wenigen Jahren ihrer Existenz bereits klar nachweisbar. „Umso mehr schockiert es uns, dass finanzielle Engpässe beim chronisch unterfinanzierten FWF dazu führen sollen, diesen Anreiz, in exzellente Forschung zu investieren, wieder abzuschaffen“, heißt es in dem Offenen Brief.

Zudem kritisieren die Wittgensteinpreisträger den Plan von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), die Mehrkosten für die Umsetzung des neuen Ärztearbeitszeitgesetzes an den Uni-Kliniken aus der „Minister-Reserve“ des Uni-Grundbudgets abzudecken. „Wir verwehren uns entschieden, dass Gelder, die für die Wissenschaft vorgesehen sind, dafür verwendet werden, Budgetlücken in anderen Bereichen zu schließen“, heißt es in den Brief.

Seitens des FWF verwies man am Samstag auf Anfrage der APA auf Informationen zu den Overhead-Zahlungen, die bis Mitte kommender Woche veröffentlicht werden sollen.