Die Musik ist in Kuba allgegenwärtig - Mit oder ohne Politik-Wandel
Havanna (APA) - Die Musik gehört für die Kubaner zum täglichen Leben. Auch ausländische Besucher lassen sie an ihrer musikalischen Leidensch...
Havanna (APA) - Die Musik gehört für die Kubaner zum täglichen Leben. Auch ausländische Besucher lassen sie an ihrer musikalischen Leidenschaft teilhaben. In vielen „Paladares“, den neuen privaten Lokalen, spielen Bands auf und lassen die populären Melodien des Buena Vista Social Club erklingen. Kubaner haben oft einen zweiten Beruf, um durchzukommen, arbeiten als Kellner, Taxifahrer – oder eben als Musiker.
Andere, wie Rolando Salgado Palacio, genannt „El Nino“, sind Berufsmusiker und haben die Chance, ins Ausland auf Tournee zu gehen. „Wenn ich auf Auslandstournee gehe, kann ich von diesem Geld in Kuba gut leben“, meint „El Nino“, der sich in der Tradition des Buena Vista Social Club sieht. Im Ausland habe er gelernt, über vieles offener zu reden. Er komme immer wieder nach Kuba zurück und habe keine Angst, auch über Politik zu sprechen. Der Musiker vergleicht die beiden ungleichen Nachbarn USA und Kuba mit einem Ehepaar: „Sie müssen sich näher kommen.“ Es sei wichtig für die Kubaner, besonders für die Jugend, reisen zu können und andere Kulturen kennen zu lernen. Zur Lage in Kuba hält er fest, wenn schon so viele junge Menschen studieren, sollten sie auch eine Chance haben, hier entsprechende Jobs mit adäquaten Gehältern zu bekommen.
Der Zugang oder Nicht-Zugang zu Geld aus dem Ausland hat in Kuba eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen. Die weißen Kubaner sind hierbei die Gewinner, weil viele von ihnen Angehörige in den USA haben, von denen sie finanzielle Mittel erhalten. Damit können sie dann in Kuba private Lokale oder Dienstleistungsbetriebe finanzieren. 1.500 Kubaner flüchten übrigens immer noch jährlich in Booten in die USA. Für sie ist es relativ einfach, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.
Der Trommelbauer Juan bekennt sich im Gespräch ganz offen dazu, dass er „schwarz“ arbeite. Vor allem an Auslandkunden verkaufe er seine Trommeln schwarz, bezahlt wird bar. Da es keine staatliche Instrumentenfabrik gebe, fürchte er sich auch nicht vor staatlichen Kontrollen. Juan ist einer der wenigen, die diese Handwerkskunst noch beherrschen. Er sei gut in der Branche verankert und habe kein Interesse daran, eine Genehmigung für sein Gewerbe zu bekommen. „Ich will auch keine Rente vom Staat.“ Gelernt hat Juan, der eigentlich Sport studierte, sein Metier, als er als Kind bei den damals verbotenen religiösen Zeremonien zuschaute. „Am Beginn der Revolution war das alles verboten.“
Juan baut alte afrikanische Perkussionsinstrumente für afro-kubanische Musik. Schwierig ist die Holzbeschaffung für seine Trommeln. Er macht sich auf die Suche nach umgestürzten Bäumen. Wenn bei einem Sturm im Wald Bäume vom Wind gefällt werden, könne er sich Baumstämme nehmen. Oder ein wenig nachhelfen, auch wenn das illegal sei. Nebenbei leitet Juan ein Kinderprojekt, das vom Kulturministerium organisiert wird. Kinder kommen in seine Werkstatt in einem Armenviertel von Havanna, wo sie nach Herzenslust trommeln können. Das Wichtigste sei ihm die Freiheit. Er persönlich habe nichts von einem Wandel gespürt, „aber auch die Revolution ist ein ständiger Wandel“.
Österreich unterhält mit dem revolutionären Kuba rege Kulturkontakte. So gründete die Universität Mozarteum Salzburg 2009 in Havanna eine Orchesterschule, das Lyceum Mozartiano, wo Gastprofessoren Workshops abhalten. Eine dreijährige EU-Förderung wird allerdings Ende 2015 auslaufen. Einen erstmaligen Auftritt der Wiener Philharmoniker in Kuba würde sich Botschafterin Gerlinde Paschinger anlässlich der Feiern zum 20-jährigen Bestehen österreichisch-kubanischer Beziehungen wünschen. Doch der Terminkalender des Orchesters für die Lateinamerika-Tournee 2016 ist voll. Im Wissenschafts- und im universitären Bereich besteht eine enge Kooperation. Schulpartnerschaften sind im Fachschulbereich – im Tourismus- und im Landwirtschaftssektor – geplant.
An der Fassade eines alten Kolonialpalais neben der Plaza de la Catedral stoßen Besucher aus Österreich auf eine Erinnerungstafel der besonderen Art. Die berühmte Wiener Tänzerin Fanny Elßler weilte 1841-42 in Havanna zu Besuch, wo sie im Palast des Conde de San Fernando de Penalver logierte. Die Tafel wurde 1980 neben dem Portal zur Erinnerung an die lebenslustige Ballerina aus der Zeit Metternichs, die damals in die Karibik reiste, angebracht. Das Kubanische Nationalballett widmete Fanny Elßler diese Plakette.
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