Schweiz-Umfrage: Auch Junge und Romands wenden sich von Europa an
Genf (APA) - Die Jungen und die Westschweizer (Romands) stehen der EU wohlwollender gegenüber als der Rest der Bevölkerung. Diese Regel gilt...
Genf (APA) - Die Jungen und die Westschweizer (Romands) stehen der EU wohlwollender gegenüber als der Rest der Bevölkerung. Diese Regel gilt seit mehr als einer Generation, doch nun gerät sie ins Wanken. Das zeigt eine am Sonntag publizierte Umfrage. Demnach sie verlieren auch sie zunehmend die Lust an einer Öffnung der Schweiz. Aber: Den bilateralen Weg mit der EU wollen die Schweizer nicht aufs Spiel setzen.
Zwei Entwicklungen müssen den Befürwortern zu denken geben, berichtet die „NZZ am Sonntag“: Die wachsende Skepsis der Jungen und die Unterschiede zwischen den Sprachregionen. So sehen weniger als zehn Prozent der 18- bis 29-Jährigen nur Vorteile.
Für den Politologen Claude Longchamp vom Meinungsforschungsinstitut gfs.bern liegen die Gründe dafür auf der Hand. Berufseinsteiger spürten den Druck durch die Zuwanderung stärker als ältere, beruflich Etablierte oder gar Pensionisten. Lohndruck gehört generell zu den am stärksten empfundenen Nachteilen der bilateralen Verträge. 63 Prozent der 2.500 Befragten nannten diesen Punkt.
Laut der Umfrage von gfs.bern im Auftrag des Pharmalobbyverbandes Interpharma sind zudem erstmals die Westschweizer europakritischer als die Deutschschweizer. Longchamp glaubt, der wirtschaftlich angeschlagene Nachbar Frankreich vergälle den Romands die Lust auf Annäherung an Europa. Am negativsten eingestellt gegenüber dem Vertragswerk sind die Tessiner.
Im Hintergrund der Umfrage steht das Ja der Schweizer zur Masseneinwanderungsinitiative der nationalkonservativen Volkspartei (SVP) vor etwas mehr als einem Jahr. Ihre wortgetreue Umsetzung würde wohl das Aus für einen gewichtigen Teil der bilateralen Abkommen mit der EU bedeuten.
In diesen sehen die Eidgenossen aber mehrheitlich Vorteile. 55 Prozent der Befragten sehen nur oder eher Vorteile in den Abkommen. 23 Prozent bewerten diese negativ.
Beinahe 70 Prozent der Befragten befürworten eine flexible Umsetzung der Initiative ohne Verletzung der Bilateralen Verträge. Beinahe ebenso viele sprechen sich für eine Schutzklausel aus. Dies bedeutet nach Longchamp, dass ab einem gewissen Schwellenwert die Zuwanderung in die Schweiz automatisch gedrosselt wird. Die Frage ist, wie Brüssel dazu steht.
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