Die Kunst des großen Sammlers und Verwerters - Daniel Spoerri wird 85
Basel/Hadersdorf am Kamp (APA/dpa) - Es ging ganz schön bunt her, als der rumänisch-schweizerische Künstler Daniel Spoerri in seinem Düsseld...
Basel/Hadersdorf am Kamp (APA/dpa) - Es ging ganz schön bunt her, als der rumänisch-schweizerische Künstler Daniel Spoerri in seinem Düsseldorfer Restaurant exotische Mahlzeiten kreierte und die Reste in Kunst verwandelte. Originell und aufsehenerregend waren die Assemblagen, die er Ende der 60er in seiner „Eat Art Galerie“ zusammenbaute. Der als Daniel Isaac Feinstein im rumänischen Galati geborene Künstler wird am 27. März 85.
Vieles, was die Küche und dazugehörige Räumlichkeiten hergaben, sah Spoerri als symbolische Teile eines Gesamtzyklus, zu dem Leben und Tod ebenso wie Verwesung und Wiedergeburt gehören. Mit Klebstoff fixierte er Speisereste samt Tischdecke, schmutzigem Geschirr, Gläsern und Besteck zu Wandbildern zusammen.
Das Sammeln und Zusammenfügen hat der „Kochkünstler“ auch nach der Düsseldorfer Periode fortgesetzt. Wovon man sich im niederösterreichischen Hadersdorf am Kamp überzeugen kann - inmitten einer harmonischen Wein- und Kulturlandschaft, unweit von Donau und Wachau. Dort hat Spoerri seit 2009 zwei Häuser am historischen Hauptplatz als Ausstellungs- und Begegnungsstätte neu belebt.
Aus Anlass seines 85. Geburtstags zeigt das „Ausstellungshaus Spoerri“ in Hadersdorf Werke des Assemblage-Meisters und anderer Künstler unter dem Titel „Lieben & Haben - Liebhaben. Liebhaber. Sammler.“ (22. März bis 1. November). Zur Eröffnung gab es das „Silberne Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“.
„Sammeln ist für mich Leben“, erläuterte Spoerri bei der Ankündigung der Ausstellung. Man nimmt es ihm rasch ab, allein schon angesichts von mehr 100 verschiedenen Eierschneidern, die er zusammentrug - und oft in Kunstwerken verarbeitete. Ziemlich am Anfang steht noch eine Kollektion von Schreibmaschinen. Fortgeschritten ist hingegen ein Sammelprojekt mit geometrisch beige-braun gemusterten Matten aus Raffia-Palmen des Bakuba-Volkes im Kongo. Ebenso wie Sammlungen von Gehstöcken und Christbaumständern. Neben Kollagen von Gebrauchsgegenständen schuf der Vater der „Eat Art“ auch Skulpturen und Bilderzyklen.
In die Schweiz war der Künstler 1942 zusammen mit seiner Mutter und mehreren Geschwistern auf der Flucht vor den Nationalsozialisten gekommen. Sein Vater wurde in einem Vernichtungslager umgebracht. In Zürich adoptiert ihn sein Onkel, dessen Nachnamen er dadurch bekam.
Nach Gelegenheitsjobs studierte Spoerri Tanz an der Zürcher Oper und Schauspiel in Paris. Dort traf er Gleichgesinnte wie den Schweizer Objektkünstler und Kinetiker Jean Tinguely oder den französischen Maler und Theoretiker Yves Klein. Bald entwickelte Spoerri erste eigene Objektkunstwerke.
Weltberühmt sind seine „Fallenbilder“ - Momentaufnahmen der Alltagswirklichkeit, die er wie in einer Falle einzufangen versuchte. Spoerri nannte sie „Topographien des Zufalls“: Scheinbar zufällig vorgefundene Anordnungen von zum Beispiel Geschirr, Gläsern, Zigaretten werden auf einer Platte fixiert und als Tafelbild an die Wand gehängt. Bereits 1960 schaffte er damit die Aufnahme ins New Yorker Museum of Modern Art.
Kritiker waren begeistert von Spoerris „Verherrlichung des Zufalls“. Zusammen mit Künstlern wie Tinguely, Christo, Niki de Saint Phalle rief er Bewegung Nouveaux Réalistes ins Leben. Kunst - so ihr Credo - sollte helfen, die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen an der Lebenswirklichkeit zu schulen.
Vielfalt blieb dabei für Spoerri Lebensgrundsatz. Er widmete sich dem Tanz, dem Film und Theater und wirkte ebenso als Museumsgründer und Lehrer. Darunter Ende der 70er Jahre, als er in Köln zusammen mit Studenten der Fachhochschule für Kunst und Design Objekte und Relikte der Stadtgeschichte sammelte. 20 Jahre später legte er in der Toskana den Grundstein für seinen Skulpturengarten „Il Giardino di Daniel Spoerri“. Schon damals befand Spoerri, er habe „genug Bleibendes“ geschaffen. Doch ans Aufhören denkt der Rastlose bis heute nicht.
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