Präsidentenwahl in Polen: Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten

Warschau (APA) - Am kommenden Sonntag sind 30,5 Millionen Polen dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die größten Chancen werd...

Warschau (APA) - Am kommenden Sonntag sind 30,5 Millionen Polen dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die größten Chancen werden Amtsinhaber Bronislaw Komorowski von der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) zugesprochen. Erwartet wird, dass er sich einer Stichwahl stellen muss. In die wird wohl auch der Kandidat der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Andrzej Duda, einziehen.

Bronislaw Maria Karol Graf KOMOROWSKI, geboren 1952 in Oborniki Slaskie bei Wroclaw (Breslau), begann seine politische Karriere in den 1960er Jahren im kommunistischen Polen. Der aus einem Grafengeschlecht stammende Komorowski engagierte sich als Dissident, weshalb er mehrmals verhaftet und verurteilt wurde. Nach der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 wurde Komorowski interniert.

Die Idee eines Runden Tisches kritisierte Komorowski anfänglich. Unter dem Einfluss der Ergebnisse der Wahlen vom 4. Juni 1989 änderte er jedoch seine Meinung. Nach der Wende bekleidete er zahlreiche politische Ämter, unter anderem war er Verteidigungsminister, Chef des parlamentarischen Ausschusses für Nationale Verteidigung und Parlamentspräsident. Der fünffache Familienvater saß 19 Jahre lang ununterbrochen als Abgeordneter im Parlament. Sein politischer Weg führte von der Freiheitsunion (UW) über die Konservative Volkspartei (SKL) und „Wahlaktion Solidarnosc“ (AWS) zur PO, deren Vizevorsitzender er seit Juni 2006 bis zur Wahl zum Staatsoberhaupt 2010 war. Zuvor setzte sich Komorowski in einer innerparteilichen Vorwahl gegen Außenminister Radoslaw Sikorski durch. Seither führt Komorowski das Ranking der vertrauenswürdigsten Politiker. Nach der neuesten Umfrage vertrauen ihm 67 Prozent der Polen.

Aber auch der Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen Opposition, Andrzej DUDA, ist in Polen populär. Im Vertrauensindex liegt der 42-jährige Jurist an zweiter Stelle. Ex aequo mit der Regierungschefin Ewa Kopacz vertrauen ihm 44 Prozent der Polen. Duda war Vize-Justizminister in der rechtskonservativen Regierung Jaroslaw Kaczynski. Außerdem war er Unterstaatssekretär in der Präsidentschaftskanzlei, als Kaczynskis Zwillingsbruder Lech Staatsoberhaupt war.

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Die meisten Polen hörten den Namen Duda zum ersten Mal nach der Katastrophe in Smolensk im April 2010, als er sich weigerte, die Macht im Staat an den damaligen Parlamentspräsidenten Komorowski zu übergeben, solange er „nicht die Todesurkunde des Präsidenten sieht“. 2014 gewann er bei den EU-Wahlen ein Mandat für das Europäische Parlament.

Dudas Nominierung von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski als Präsidentschaftskandidat der Oppositionspartei im Herbst 2014 war für viele eine Überraschung. Manche Kommentatoren schlossen aus der Entscheidung, dass Kaczynski einen Sieg gegen Komorowski bereits abgeschrieben habe. Der im November des Vorjahres noch kaum bekannte PiS-Kandidat baute seine Position in Umfragen in der Zwischenzeit aber konsequent aus. Nach der neuesten Umfrage des Instituts TNS Polska vom Samstag kann Komorowski beim ersten Urnengang mit 39 Prozent und Duda mit 25 Prozent der Stimmen rechnen. Um das Präsidentenamt bewerben sich insgesamt elf Kandidaten.


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