Seveso-Anrainer zieht gegen Makler vor Gericht

Ein Nachbar der Kosmetikfirma Tunap will das Honorar seines Immobilienmaklers zurück, da der ihn nicht über den Betrieb aufgeklärt hat.

© Thomas Boehm / TT

Von Denise Daum

Innsbruck –Den Traum vom Eigenheim hat sich Markus Schweiggl im Oktober 2010 verwirklicht. Nach zwei Besichtigungsterminen und reiflicher Überlegung hat er über die Immobilienfirma Inn­real ein Haus in der Kemater Bahnhofstraße gekauft. Rund vier Jahre später kommt für ihn das böse Erwachen, wie er es nennt: „Es stellte sich heraus, dass die benachbarte Firma nicht nur eine erhebliche Expansion plant, sondern auch ein Seveso-Betrieb ist“, erklärt Schweiggl. Der Makler habe ihn weder darauf hingewiesen, dass sich unmittelbar angrenzend ein mit gefährlichen Chemikalien hantierendes Unternehmen befindet, noch auf die entsprechende Sicherheitszone, beklagt Schweiggl. Risiko und Tragweite der Nähe zur Tunap sei ihm nicht bewusst gewesen. Andernfalls hätte er das Haus „mit größter Wahrscheinlichkeit“ nicht gekauft, „mit Sicherheit aber nicht zu diesem Preis“.

Schweiggl wandte sich bereits an die Arbeiterkammer. Die Rechts- und Konsumentenpolitische Abteilung der AK forderte schriftlich von der Innreal einen „angemessenen Lösungsvorschlag“ ein. Der blieb allerdings aus, der Rechtsanwalt der Immobilienfirma weist im Antwortschreiben die Vorwürfe zurück: „Es besteht keine allgemeine Rechtspflicht, den Geschäftspartner über alle Umstände aufzuklären, die auf seine Entscheidung einen Einfluss haben können.“

Gebhard Jenewein, geschäftsführender Gesellschafter der Innreal, verweist im Gespräch mit der TT darauf, dass Schweiggl beim zweiten Besichtigungstermin einen Bausachverständigen hinzugezogen habe. Die Aufklärungspflicht sei deshalb beim Sachverständigen gelegen. „Zudem hätte Herr Schweiggl durch die unmittelbare Nähe ja selbst sehen müssen, dass sich dort ein Betrieb befindet“, erklärt Jenewein. Außerdem seien die Seveso-Richtlinien damals „nicht wirklich ein Thema gewesen“.

Für Schweiggl ist diese Antwort nicht nur unbefriedigend, sondern „eine Frechheit“. „Bedeutet das, dass es einem Makler erlaubt ist, wertmindernde Tatsachen bewusst zu verschweigen?“ Der Kemater will das so nicht hinnehmen. Er will nun zumindest die Rückerstattung des Vermittlungshonorars von 11.000 Euro gerichtlich einklagen. „Der Makler hat seine Leistung ja nicht erbracht. Er hat die gesetzlich auferlegte Informationspflicht verletzt.“ Dabei, so Schweiggl, wäre er mit einer außergerichtlichen Einigung einverstanden gewesen. „Wenn ich die Hälfte des Honorars angeboten bekommen hätte, wäre die Sache für mich erledigt gewesen.“

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Das ist für Innreal-Chef Jenewein keine Option. „Nachdem wir keine Schuld haben, werden wir natürlich auch nichts zahlen.“ Der Klage sieht er jedenfalls „gelassen“ entgegen.


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