Der richtige Lumpenhund für Tirol

Eine wüste Räuberbande treibt es bald wild am Rattenberger Schlossberg. Der „Schinderhannes“ wird erstmals auf Tirolerisch aufgeführt.

© Grießenböck

Innsbruck –Mit dem „Schinderhannes“ hat Claudia Lugger, Obfrau des Rattenberger Theatervereins, lange Zeit geliebäugelt. Der legendäre Räuberhauptmann, der von 1794 bis 1799 im deutschen Hunsrück nahe Mainz sein Unwesen trieb, wurde bereits vor seinem Tod 1803 zum Mythos verklärt. Eintrittskarten wurden für seinen Prozess verkauft, „15.000 Leute sind zu seiner Hinrichtung gekommen“, erzählt Regisseur Pepi Pittl, der mit dem „Schinderhannes“ sein zehntes Stück in Rattenberg inszeniert. Der grenzüberschreitende Verbrecher, der in Frankreich und Deutschland auf Raubzug ging, inspirierte den Erfolgsdramatiker Carl Zuckmayer zu seinem Volksstück. „Schinderhannes“, der „Lumpenhund, der Galgenstrick, der Schrecken jedes Mannes und auch der Weiber Stück“ wurde 1927 uraufgeführt. Der blutrünstige Stoff hatte in Volksliedern und -büchern bereits lange zuvor als abschreckendes Beispiel gedient beziehungsweise für wohlige Schauer gesorgt. Aber auch politisch wurde die Geschichte des Räubers mehrfach instrumentalisiert. In Zuckmayers Stück, das 1958 mit Curd Jürgens und Maria Schell verfilmt wurde, wird indes ein „guter Kerl“ gezeichnet, einer, der durch die Ungerechtigkeit seiner Zeit zum Räuber gemacht wird. „Da steckt der Robin-Hood-Gedanke drin“, sagt Pittl.

Dass das Stück nun endlich auf die 40 Meter breite Freilichtbühne am Schlossberg kommt, ist dem Intendanten des Tiroler Landestheaters, Johannes Reitmeier, zu verdanken. „Das Thema Freiheit, des Sich-Auflehnens gegen Fremdbestimmung und Fremdherrschaft passt gut nach Tirol“, freut sich Reitmeier, der den im hessischen Dialekt verfassten „Schinderhannes“ gemeinsam mit Barbara Krescher ins Bayerische übertragen hat. Reitmeier ist seit Jahren in Bayern bei Freilichtbühnen engagiert, für den „Schinderhannes“ sei es von dort nur ein kleiner Sprung nach Rattenberg gewesen.

Aus seiner Geliebten, dem Julchen, einem „emanzipierten Mädel“, wird in Reitmeiers Version eine Leni, der Name sei hierzulande geläufiger. Den letzten Tiroler Schliff verpasste indes Pittl dem etwas „derben Stück“, die Premiere ist für den 3. Juli angesetzt. (sire)

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