Kärntens Kulturschaffende befürchten den Tod der freien Szene

Klagenfurt/Wien (APA) - Kärntens Kulturschaffende befürchten, dass der rigorose Sparkurs des Landes angesichts des Finanzlochs den Tod der f...

Klagenfurt/Wien (APA) - Kärntens Kulturschaffende befürchten, dass der rigorose Sparkurs des Landes angesichts des Finanzlochs den Tod der freien Szene nach sich ziehen könnte. Am Dienstag protestierten sie bei einer Demonstration in der Klagenfurter Innenstadt gegen das „Aushungern“, zumal immer mehr Veranstalter bereits Termine verschieben oder absagen müssen.

Mit Sprüchen wie „Es wird (B)enger“, „Kärnten leih leih“ oder „Wollt Ihr den Kultur-Grexit“ versammelten sich zahlreiche Kulturschaffende in der Fußgängerzone. Organisatorin Angelika Hödl von der Interessensgemeinschaft der Kulturschaffenden in Kärnten (IG KIKK) widersprach in ihrer Ansprache Aussagen von Kulturlandesrat Christian Benger (ÖVP). Dieser hatte in einer Aussendung am Vormittag festgestellt, dass der Zahlungsstopp kein Streichen von Subventionen bedeute, sondern nur eine Verzögerung. Hödl: „Es haben bereits genügend Kulturschaffende definitive Absagen erhalten, das sind Streichungen.“

Und selbst wenn mit mehrmonatiger Verzögerung die Subventionen doch noch bezahlt werden, so stelle sich die Frage, wie man bis dahin über die Runden kommen soll. Nachdem bereits am Montag das „klagenfurter ensemble“ einen Produktionsstopp verkündet hatte und vier Mitarbeiter kündigt, hat am Dienstag das Klagenfurter „stereo“ drastische Kürzungen vorgenommen. „Wir haben mit sofortiger Wirkung die kompletten Jubiläums-Kulturveranstaltungen und Nachwuchsförderungs-Projekte für das Jahr 2015 absagen müssen“, so „stereo“-Betreiberin Marina-Anna Virgolini. Dazu habe man zahlreiche Konzerte gestrichen.

Ein „Notprogramm“ fahren unter anderen auch das „Step“ in Völkermarkt und der Klagenfurter Jazzclub. Die Komödienspiele Porcia hängen ebenso in der Luft wie die Südkärntner Sommerspiele in Eberndorf oder das Theater auf der Heunburg. Komplett abgesagt wurden die zweisprachigen Kulturwochen, die am Montag beginnen hätten sollen. Die vorgesehenen 25.000 Euro des Landes wurden gestrichen.

Die IG Autoren hat am Montag eine Solidaritätskampagne für Kärnten gestartet, bis Dienstag haben bereits mehr als 100 Personen, die meisten davon im Literaturbereich tätig, unterschrieben, die Liste der Namen reicht von Peter Turrini, Robert Schindel, Franzobel und Doron Rabinovici bis hin zu Olga Flor, Karin Fleischanderl und Doris Knecht.

In der Petition heißt es unter anderem: „Es ist moralisch zutiefst verwerflich, ein ganzes Bundesland in Sippenhaftung zu nehmen und zum Kollektivschuldigen zu machen, weil es die ‚falschen‘ Politiker gewählt hat. Es stellt darüber hinaus das Recht auf freie Wahlen in Frage. Wahlergebnisse für demokratische Parteien unter demokratischen Verhältnissen sind nicht nur dann zu akzeptieren, wenn es zu wunschgemäßen Wahlergebnissen kommt. Die IG Autoren fordert die Verantwortlichen in der österreichischen Bundesregierung dazu auf, umgehend zu einer solidarischen Lösung mit Kärnten zur Überwindung der Zahlungsschwierigkeiten Kärntens zu kommen und darüber hinaus auf ‚weitere peinliche Demütigungsrituale‘ zu verzichten.“


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