Muttertag - Für Kinder in Nepal ist nichts mehr wie es war

Kathmandu (APA) - Während die meisten Kinder in Österreich wohlbehalten an ihren Geschenken für den Muttertag basteln, ist für die jüngsten ...

Kathmandu (APA) - Während die meisten Kinder in Österreich wohlbehalten an ihren Geschenken für den Muttertag basteln, ist für die jüngsten Opfer des Erdbebens in Nepal nichts mehr, wie es war. „Das Erdbeben hat uns aus unserem normalen Leben weggerissen. Seitdem leben wir in ständiger Angst“, erzählte die SOS-Kinderdorfmutter Indira aus dem Kinderdorf in Kavre gegenüber der APA.

Die 46-Jährige hat bereits 21 Kinder großgezogen, zehn weitere leben derzeit in ihrem Haus. Vor dem Beben war die Arbeit der SOS-Kinderdorfmutter zwar hart, doch konnten ihre Schützlinge in stabilen Verhältnissen aufwachsen. „Wir waren stets gut beschäftigt - wenn man zehn Kinder hat, hat man rund um die Uhr zu tun. Wir mussten uns aber keine großen Sorgen machen - uns ging es gut“, schilderte Indira.

Der 25. April sollte dieses Leben beenden. „Ich war im Bus auf dem Rückweg ins SOS-Kinderdorf Kavre. Alles hat gezittert, Panik ist ausgebrochen. Der Busfahrer hat gehalten und wir sind alle rausgerannt. Dann habe ich miterlebt, wie die nahe stehenden Häuser einstürzten. Es war so beängstigen - wir dachten, dass wir sterben werden“, erinnerte sich Indira.

Da sich der Busfahrer weigerte weiterzufahren, lief sie trotz der starken Nachbeben zu Fuß ins Kinderdorf. „Ich wusste nicht, was mit meinen Kindern passiert ist, und ich habe nur gebetet, dass sie alle dieses schreckliches Erdbeben überstanden haben“, sagte Indira. Als die 46-Jährige endlich Kavre erreicht hatte, konnte sie aufatmen: Alle Kinder und Mütter hatten sich auf dem großen Spielplatz in Sicherheit gebracht. „Ich bin zu meinen zehn gerannt und habe sie alle fest umarmt. Wir standen so im Kreis und haben alle einander umarmt für mehrere Minuten.“

Inzwischen sind die SOS-Mütter und ihre größeren Schützlinge in die Arbeiten in einem naheliegenden Camp eingebunden, wo sie gemeinsam mit dem Hilfspersonal 120 Verletzte betreuen, darunter 20 Kinder. „Die Mütter rotieren - das heißt während ein Teil im Camp ist, bleiben andere im SOS-Kinderdorf und kümmern sich um die Kleinsten dort“, beschrieb Indira. Kinder ab 14 Jahren kochen, geben Mahlzeiten aus, verteilen Medizin an die Patienten, machen kleine Spaziergänge und helfen mit dem Waschen. „In dieser Katastrophe sollen wir alle zusammen halten“, meinte die SOS-Kinderdorfmutter.

An Alltag ist in den Kinderdörfern in Nepal aber noch lange nicht zu denken. Zu tief sitzt der Schock bei den Betroffenen. „Wir schlafen in ständiger Angst. Nachts legen wir uns alle gemeinsam auf den Boden im Wohnzimmer, da die Eingangstüre gleich neben uns ist und wir schnell rausrennen können“, beschrieb Indira. In den SOS-Kindergärten erhalten die Kinder aber immerhin das notwendigste: Liebe, Fürsorge, ein Dach über dem Kopf, Wasser und Essen. „Doch es gibt viele andere, die das nicht haben. Die armen Familien sind besonders betroffen“, sagte die 46-Jährige.

(S E R V I C E - SOS-Kinderdorf-Spendenkonto: IBAN: AT62 1600 0001 0117 3240 - BIC: BTVAAT22 - Kennwort Nepal Nothilfe)


Kommentieren