Erstmals Bild von Österreichs „Alten“

Wien (APA) - Erstmals gibt es eine umfassende Studie zur Lage von Österreichs „Alten“. Bei der Präsentation der auf fast 1.000 Kurz- und 410...

Wien (APA) - Erstmals gibt es eine umfassende Studie zur Lage von Österreichs „Alten“. Bei der Präsentation der auf fast 1.000 Kurz- und 410 in Wien und der Steiermark erfolgten intensiven Interviews basierenden Untersuchung betonten die Autoren Dienstagabend, wie heterogen die Situation der Altersgruppe ist. Keinesfalls bedeute Altern nur eine Summierung von wachsenden Defiziten.

Die „Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie“ ist durch eine Kooperation von Gesundheits- und Sozialministerium, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Bundesland Steiermark entstanden. Die Erhebung der Daten erfolgten 2013/2014 bei 80- bis 85-Jährigen. Magdalena Arrouas vom Gesundheitsministerium sagte zur Grundvoraussetzung: „Im Jahr 2040 werden 14 Prozent der Bevölkerung schon Personen aus dem Segment von ‚80plus‘ ausmachen.“ Das Wissen über ihre Situation würde wesentlich für Planung und Steuerung im Gesundheits- und Sozialwesen sein.

Projektleiter war der Allgemeinmediziner und Geschäftsführer der Österreichischen Plattform für interdisziplinäre Alternsfragen, Georg Ruppe. Er wies auf die besonderen Eigenheiten der Menschen dieser Altersgruppe hin. „Wir haben es nicht mit einer homogenen Altersgruppe zu tun. Die Alten, ‚80plus‘, sind keine Kategorie. Gerade in der Entwicklung handelt es sich bei der Zeitspanne zwischen 80 und 85 Jahren um eine entscheidende Phase des Alterungsprozesses“, sagte Ruppe. Während sich die Gesamtheit des Lebens der Angehörigen dieser Altersgruppe in Österreich weiterhin positiv definieren lassen, zeigten sich aber auch klar Daten zur steigenden Gebrechlichkeit und zu chronischen Erkrankungen.

So seien nur 7,6 Prozent der 80- bis 85-Jährigen laut der Untersuchung nicht von mindestens eine chronischen Erkrankung betroffen. Fast die Hälfte (44,9 Prozent) weise bereits zwei bis drei chronische Leiden auf. „Nur 3,9 Prozent nehmen gar kein Medikament“, sagte Ruppe. 29 Prozent kommen auf eine Einnahme von sechs bis zehn Arzneimittel, 12,4 Prozent sogar auf eine von mehr als zehn Medikamente.

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Ein sehr häufiges Problem, das extrem belastend und mit Tabus behaftet ist, stellt die Harninkontinenz dar. 34 Prozent der 80- bis 85-Jährigen sind davon betroffen: 40,5 Prozent der Frauen und 25,4 Prozent der Männer. Ebenfalls bemerkenswert: Nur rund 15 Prozent der Probanden absolvierten einen kurzen kognitiven Test fehlerlos. „Wir haben eine sehr hohe kognitive Verletzlichkeit in der Altersgruppe gefunden“, sagte Ruppe. Der Geriater Thomas Frühwald (Krankenkenhaus Hietzing) wiederum verwies auf den hohen Anteil von Schmerzpatienten: 37 Prozent der Frauen und fast 26 Prozent der Männer gaben an, „häufig starke bis sehr starke Schmerzen“ zu haben.

Trotzdem würden viele der Menschen über 80 ihre Lebenssituation nicht nur negativ sehen, betonte Frühwald. „Das Glas ist nicht nur halb leer. Optimales Altern ist möglich. Subjektive Gesundheit und Wohlbefinden sind da. Man muss nicht unbedingt Angst vor dem Altern haben.“ Allerdings korreliere die Situation des Einzelnen offen stark mit dessen sozioökonomischer Lage.

Einen wesentlichen Anteil macht natürlich die psychische Einstellung des Einzelnen aus. In einem der langen Interviews mit Erhebung qualitativer Informationen schilderte eine 80-Jährige eindrucksvoll ihre letztlich positive Einstellung zum Leben: „Es geht, und wenn es nicht mehr geht, dann geht es halt nicht mehr. Aber, mein Gott, wer nicht alt werden will, muss jung sterben.“


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