Neue Burg - KHM-Führungsspitze will jetzt „das große Ganze denken“ 1

Wien (APA) - Im KHM-Museumsverband stehen Umwälzungen bevor. Die Musikinstrumente-Sammlung dürfte verkleinert werden und einen ganz neuen St...

Wien (APA) - Im KHM-Museumsverband stehen Umwälzungen bevor. Die Musikinstrumente-Sammlung dürfte verkleinert werden und einen ganz neuen Standort erhalten; die burggartenseitigen Räume der Neuen Burg könnten anstelle des vom „Weltmuseum Wien“ geplanten „Korridor des Staunens“ das Heroon von Trysa beherbergen; eine Unterkellerung des Maria-Theresien-Platzes und ein Tunnel unter dem Ring sind keine Utopie mehr.

In der Generaldirektion des Kunsthistorischen Museums wird derzeit geplant und getüftelt wie schon lange nicht. Generaldirektorin Sabine Haag und der kaufmännische Direktor Paul Frey haben sich entschlossen, den Rückschlag, den der Museumsverband durch die Ablehnung des fix und fertigen „Weltmuseum Wien“-Konzepts erlitten hat, so rasch wie möglich in einen Vorteil umzuwandeln. Ihre „Win-win-Situation“ sieht jedoch anders aus als jene von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ).

Dieser hatte vor Jahreswechsel den Eindruck zu vermitteln versucht, man könne mit den für das ehemalige Völkerkundemuseum im Corps de Logis der Neuen Burg fix budgetierten 27,5 Mio. Euro Errichtungskosten gleich zwei Museen bekommen: ein redimensioniertes „Weltmuseum“ (das er lieber „Haus der Kulturen“ nennt) und ein „Haus der Geschichte“, das sich mit Österreichs Vergangenheit beschäftigt. Dass sich das finanziell ausgehen könnte - daran glaubt heute niemand mehr.

Im KHM will man Expertenschätzungen nicht kommentieren. „Dazu gibt es noch viel zu wenige konkrete Unterlagen“, sagt Paul Frey im Gespräch mit der APA und erwidert auf die Frage, ob nicht Daumen mal Pi geschätzt werden könne: „Ich weiß zwar genau, wie groß die Zahl Pi ist, wie lange der Daumen ist, wissen wir aber im Moment nicht annähernd.“ Auch die Existenz eigener Berechnungen will er nicht bestätigen: „Es gibt Überlegungen, die unseren Verband betreffen, aber keine Berechnungen, die andere miteinbeziehen“, beteuert Frey. Ein einziger Vergleich ist ihm zu entlocken: „Die Komplexität von Projekten in historischer Substanz ist sicher hoch. Wir sehen das auch beim Parlamentsumbau.“ Dieser ist mit 352 Mio. Euro budgetiert, plus 51 Mio. für die temporäre Übersiedelung und Ausweichquartiere. Klar scheint also: Mit einem finanziellen Klein-Klein wird sich‘s auch bei der Neuen Burg nicht ausgehen.

So gesehen macht Freys Ansage Sinn: „Wir sind froh über diese Diskussion.“ Denn plötzlich scheint wieder vieles möglich. „Es wäre jetzt klug, das große Ganze zu denken“, unterstreicht Generaldirektorin Haag. Inkludiert das neben dem Tiefspeicher unter dem Heldenplatz auch das alte, gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum verfolgte Projekt einer Unterkellerung des Maria Theresien Platzes. „Aber natürlich!“ Auch für eine Erweiterung des bestehenden Mini-Tunnels zwischen KHM-Hauptgebäude und Corps de Logis zu einer unter dem Burgring gelegenen Besucher-Passage existieren bereits Pläne. Und nicht nur die Neue Burg, auch das KHM-Hauptgebäude hat nie eine Generalsanierung erfahren.

(B I L D A V I S O - Bilder von Haag und Frey sowie von Hofburg und Weltmuseum sind im AOM abrufbar.)


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