Weniger Biss im Wald, Land reduziert Rotwild

Misstrauensanträge gegen Landesjägermeister bei Vollversammlung am Samstag dürften nicht zulässig sein.

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Innsbruck –Die Novelle des Jagdgesetzes hat zu heftigen Turbulenzen im Tiroler Jägerverband geführt. Die gestrige Beschlussfassung im Landtag wurde von wochenlangen Debatten begleitet, die Jäger protestierten vor allem gegen die anvisierte Wildbestandsregulierung beim Rotwild von 30.000 auf 20.000 Stück. Das soll durch eine bessere Abschussplanung unter Berücksichtigung der Verjüngungsdynamik im Wald erreicht werden. Schließlich weist auch der Schutzwald massive Verbissschäden auf.

Die jährlichen Wildschäden werden vom Bundesrechnungshof mit jährlich 6,6 Mio. Euro beziffert. Deshalb ist künftig der Waldzustand maßgebliches Kriterium bei Erstellung der Abschusspläne. Aber auch die Möglichkeit, unter bestimmten wildökologischen Voraussetzungen die bisher vorgeschriebenen Eigenjagdgrößen von 300 auf bis zu 115 Hektar zu reduzieren, stößt bei vielen der 16.000 Jäger auf große Ablehnung.

So viel im Vorfeld über das Jagdgesetz diskutiert wurde, im Landtag war nach einer Stunde Schluss. Mit den Stimmen der Koalitionsparteien ÖVP und Grüne sowie SPÖ und Impuls hat der Landtag die Novelle verabschiedet. FPÖ und Liste Fritz stimmten dagegen. Die SPÖ und Impuls votierten einzig gegen die Verkleinerung der Eigenjagden.

Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP) verteidigte das neue Jagdgesetz als richtigen Schritt, um eine Balance im Wald und einen angemessenen Wildbestand zu erreichen. VP-LA Hermann Kuenz versteht die Kritik der Jäger nicht, weil maßvolle Reformen vorgesehen seien. „Was aber richtig ist: Wir sind gegen die Trophäenjagd.“ Für den grünen Klubchef Gebi Mair ist es wichtig, dass der Wald mit dem neuen Gesetz endlich eine Stimme erhält.

Die Opposition beurteilt die Novelle differenziert. Die FPÖ sieht überhaupt keinen Nutzen darin, denn „Wild muss Vorrang vor dem Wald haben“, meinte LA Edi Rieger. Fritz-Mandatar Andreas Brugger kritisierte die überbordende Bürokratie und machte sich für den Lebensraum Wild stark. Eine Reform und Modernisierung ist für Josef Schett (Impuls) notwendig, Georg Dornauer (SP) unterstützt die Anstrengungen gegen den Wildverbiss.

Debattiert wird aber sicher noch in den nächsten Tagen: Heute befasst sich der Vorstand des Jägerverbands mit den gegen sie eingebrachten Misstrauensanträge, schließlich findet Samstag die Vollversammlung statt. Nach Prüfung der Aufsichtsbehörde dürften die zwei Anträge nicht den Statuten entsprechen, weil eine Abwahl des Jägermeisters und des Vorstands nicht vorgesehen sei. Unabhängig davon dürfte im Verband weiter scharf geschossen werden. (pn)


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