Raubopfer verdächtigt Liebhaberin

Ein 70-jähriger Italiener war in seiner Jochberger Ferienwohnung von insgesamt vier vermummten Personen überfallen worden. Er glaubt, dass seine junge marokkanische Freundin Komplizin ihrer Brüder war.

Symbolbild.
© Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Jochberg – Im November 2013 war ein 70-jähriger Architekt mit einer jungen Marokkanerin in eine Ferienwohnung nach Jochberg gereist. Dabei hatte der Italiener ein 40.000-Euro-Konto aufgelöst. In der Nacht darauf hielt ihm ein Vermummter ein Messer an den Kopf und schrie „Money! Money!“ Der 70-Jährige und seine Freundin wurden gefesselt, die Täter flüchteten. Ermittlungen ergaben jedoch bald, dass die Tat im Umfeld der Marokkanerin stand. Im Dezember wurden darauf ihre zwei Brüder wegen schweren Raubes nicht rechtskräftig zu vier und sechs Jahren Haft verurteilt. Die Tat soll von langer Hand geplant gewesen sein.

Nach später Auslieferung muss sich jetzt auch deren Cousin am Landesgericht wegen angeklagter Komplizenschaft verantworten. Zum gestrigen Prozess war das Raubopfer von Venedig zum Prozess angereist. Der Pensionist gebrochen: „Sie haben mich im Schlaf überrascht, mir ins Gesicht geleuchtet und meinen Kopf in den Polster gedrückt. Ich schrie wegen meiner Herzprobleme um Hilfe. Einer der Täter drückte mir dann die Hand so fest gegen das Gesicht, dass ich rechts für immer das Augenlicht verlor. Seither kann ich nicht mehr Auto fahren!“

Dazu äußerte der Pensionist nun bei Gericht einen Verdacht, den er bei den Erst­einvernahmen der Polizei anscheinend noch verdrängt hatte: „Es roch nach Parfum, das Frauen im Orient verwenden. Heute glaube ich, dass es meine Freundin war, die mich gefesselt hat. Jetzt verstehe ich auch, warum sie untertags so nervös war und vorher noch über eine Stunde mit dem Hund raus ist, was sie sonst nie tat.“ Die Marokkanerin wird von Italien derzeit übrigens nicht ausgeliefert.

Ihr Cousin leugnete gestern, zur Tatzeit überhaupt in Tirol gewesen zu sein, und bat seine Eltern in einem Brief um ein Alibi. Seine Verantwortung zu einem Schuhband – er wollte mit seinen Cousins Schuhe getauscht haben – könnte hingegen geplatzt sein: Nach neuesten Aussagen könnte die Fesselungsschnur nämlich gar kein Schuhband gewesen sein. Die Eltern werden für den 18. Juni geladen.


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