EU-Unternehmen und US-Firmen mahnen schnellere Reformen in China an

Peking (APA/dpa) - Chinas versprochene Wirtschaftsreformen werden europäischen und US-amerikanischen Firmen zu langsam umgesetzt. „Europa is...

Peking (APA/dpa) - Chinas versprochene Wirtschaftsreformen werden europäischen und US-amerikanischen Firmen zu langsam umgesetzt. „Europa ist offen für chinesische Firmen, aber Unternehmen aus Europa stehen vor großen Problemen in China“, sagte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, am Donnerstag in Peking.

China müsse dringend mehr Dienstleistungen, wie etwa in der Finanzbranche oder Rechtsberatung, umfassend für ausländische Firmen öffnen, ergänzte James Zimmerman, Vorsitzender der Amerikanischen Handelskammer in Peking bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Chinas Wirtschaft steckt mitten in einer Strukturreform. Das Wachstum war im ersten Quartal dieses Jahres so langsam wie seit dem weltweiten Krisenjahr 2009 nicht mehr. „Wir stecken in einer schwierigen Phase“, sagte Wuttke. Im Jahresvergleich kühlte sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft auf 7,0 Prozent ab. Langfristig sei die Umsteuerung der Wirtschaft zu begrüßen, weil sich China auf einen verlässlichen Wachstumspfad begebe, betonte Wuttke. „Wir sehen auf kurze und mittlere Sicht aber ein langsameres Wachstum.“

Der Abschied vom Turbowachstum drücke auf die Profite der Firmen, sagte Zimmerman. „Die Margen werden kleiner.“ Auf dem dritten Plenum der Kommunistischen Partei hatte China 2013 ein weitgehendes Reformprogramm für die Wirtschaft vorgelegt. „Es gibt viele sehr gut formulierte neue Gesetze, aber die Umsetzung ist ein Problem“, sagte Zimmerman. Chinesische Behörden experimentierten noch damit, wie die neuen Regeln am besten umgesetzt werden können. „Das macht mich sehr nervös. Ich möchte nicht in eine Experimentierphase für die neuen Gesetze reingezogen werden“, sagte der Kammerchef.

Die Handelskammern sind Sprachrohre von Hunderten Firmen aus Europa und Nordamerika. Traditionell prangern die Organisationen Probleme ihrer Mitgliedsunternehmen öffentlich an, die einzelnen Firmen aus Sorge vor direkten Reaktionen von chinesischer Seite nicht öffentlich ansprechen wollen.

China, die Europäische Union und die USA sind wirtschaftlich stark voneinander abhängig. Die EU ist Chinas größter Handelspartner, und China ist der zweitgrößte Handelspartner der EU - nach den USA. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der Volksrepublik und der EU kletterte 2014 im Jahresvergleich um 9,1 Prozent auf ein Handelsvolumen von rund 468 Mrd. Euro.


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