Innovationsanzeiger - WKÖ und IV beklagen Schwäche Österreichs

Wien (APA) - Die Wirtschaftskammer (WKÖ) und die Industriellenvereinigung (IV) haben den Verlust an Innovationskraft in Österreich beklagt. ...

Wien (APA) - Die Wirtschaftskammer (WKÖ) und die Industriellenvereinigung (IV) haben den Verlust an Innovationskraft in Österreich beklagt. Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der EU-Kommission „sollten ein weiteres Warnsignal sein, in den Anstrengungen, Österreich als Innovation Leader zu etablieren, nicht nachzulassen“, forderte WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz.

„Mit dem neuerlichen Rückfall Österreichs um einen Rang im europäischen Innovationsvergleich findet der Negativtrend der vergangenen Jahre leider auch 2015 seine Fortsetzung“, sagte der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Peter Koren, laut Aussendung. Nach der bisherigen Spitzenplatzierung 2009 mit Rang 6 habe Österreich in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Innovationsfähigkeit eingebüßt und rangiere nun nur noch auf Rang 11 innerhalb der 28 EU-Staaten. „Österreich entfernt sich damit nicht nur immer weiter von den „Innovation Leadern“, sondern es droht sogar ein Abstieg aus der Gruppe der „Innovation Follower“ in die dritte und vorletzte Gruppe der „Moderate Innovators“, beklagte Koren.

Mit Platz 11 im EU-Innovationsanzeiger habe Österreich im EU-Vergleich zum vierten Mal in Folge einen Platz eingebüßt, wobei Frankreich Österreich überholt habe, kritisierte Schulz. Nachdenklich stimme, dass sich Österreich entgegen der Zielsetzung der Bundesregierung von der Gruppe der „Innovation Leader“ wieder weiter entfernt habe und gerade noch vor dem EU-Durchschnitt liege.

Mit der „Leitbetriebe-Standortstrategie“ sei in Österreich zuletzt ein zukunftsträchtiger Anlauf unternommen worden, genau diesen breiteren Ansatz zu adressieren, erklärte Koren. Die Erhöhung der Forschungsprämie stelle dabei eine von 15 Maßnahmen der Standortstrategie dar, die bereits auf dem Weg zu Umsetzung sei. Sie würde einen wichtigen ersten Schritt zur Dynamisierung und zur Erhöhung der Standortattraktivität für innovative Unternehmen darstellen „Nun gilt es, die konsequente Umsetzung der Standortstrategie weiterzutreiben und dabei dürfen wir auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschrecken“, sagte der IV-Vizegeneralsekretär.

Schulz verlangte, weitere Maßnahmen mit Hebelwirkung, etwa bei der lang bekannten Schwäche im Venture Capital Bereich zu ergreifen. Hier sollte ein steuerlicher Freibetrag für in Klein- und Mittelbetriebe investierende private Kapitalgeber umgesetzt werden. Ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität eines Studienstandorts für Doktorats-Studierenden aus Drittstaaten seien günstige Regelungen für den weiteren Verbleib in Österreich nach Abschluss ihres Studiums. Eine legistische Klarstellung, dass die Rot-Weiß-Rot-Karte für Studienabsolventen und PhD-Absolventen anzuwenden sei, fehle, kritisierte Schultz.

Die anhaltende Verschlechterung der Position Österreichs im EU-Innovations-Ranking werde „zum Mühlstein für den Standort Österreich „, kritisierte Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen. „Diese äußerst schlechte Entwicklung muss der Weckruf für die Regierung sein. Ich fordere die Regierung auf, den Stillstand in Forschung und Entwicklung zu beenden. Wir brauchen moderne und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen, um Österreich fit für die Zukunft zu machen und Arbeitsplätze zu schafften“, betonte die Grüne Wirtschaftssprecherin.

Im aktuell diskutierten Finanzrahmen 2016-2019 müssten die Budgets für Universitäten und Forschung erhöht werden. Weiters sei die Umsetzung der Strategie für Forschung, Innovation und Technologie zu forcieren und das Forschungsfinanzierungsgesetz müsse beschlossen werden. Klein- und Mittelbetriebe sowie Start-ups müssten bei ihrer Innovationstätigkeit unterstützt sowie die Rahmenbedingungen für soziale Innovationen verbessert werden, verlangte Lichtenecker.


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