E.ON schwört Aktionäre auf die Zukunft ein - Gewinne schrumpfen

Düsseldorf (APA/dpa) - Deutschlands größter Energiekonzern E.ON schwört seine Aktionäre auf die Zukunft ein: Mit einer Solaranlage auf dem D...

Düsseldorf (APA/dpa) - Deutschlands größter Energiekonzern E.ON schwört seine Aktionäre auf die Zukunft ein: Mit einer Solaranlage auf dem Dach, einer großen Batterie im Keller und einem Elektro-Auto vor der Tür. So könne sich jeder seine eigene Energiewende machen, warb E.ON-Chef Johannes Teyssen am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Essen.

Der Konzern setzt mit der Mehrzahl der Beschäftigten auf diese Zukunft. Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke einschließlich der Risiken des Atomausstiegs will er in ein eigenes Unternehmen mit dem neuen Namen Uniper abspalten.

Bei der ersten Hauptversammlung nach Bekanntwerden dieser radikalen Pläne gab es dafür viel Unterstützung der Aktionäre, aber auch Skepsis: Die Eigner wollen wissen, warum derzeit unrentable und kaum ausgelastete Gaskraftwerke mit einer neuen Firmenstruktur und neuem Namen plötzlich Geld verdienen sollen. Bedenken gab es vor allem wegen der Finanzrisiken des Atomausstiegs, die Uniper komplett mit übernimmt. Ob die - nach neuen Zahlen - 16,6 Mrd. Euro Atomrückstellungen des Konzerns denn reichen, fragten mehrere Aktionäre.

Sie würden, versicherte Teyssen. Aber auch er kann nicht in die Zukunft schauen. Großprojekte wie der viele Jahre dauernde Rückbau eines Kernkraftwerkes haben die Tendenz, viel teuer zu werden als erwartet, wie ein Aktionär anmerkte. Was die Zukunft der konventionellen Kraftwerke angeht, verbreitete Teyssen unbeirrt Optimismus: Er sei weiter überzeugt, dass es auch in Deutschland wie in anderen Ländern - Russland, Großbritannien und Nordamerika - irgendwann Geld für das Vorhalten von Strom geben werde. Die erneuerbaren Energien brauchten noch lange dieses „feste Fundament“.

Zunächst schrumpfen bei E.ON angesichts der Energiewende die Gewinne aber weiter, wie das Unternehmen bei der Präsentation der Quartalszahlen unmittelbar vor der Hauptversammlung einräumen musste: Im ersten Vierteljahr gingen sie wegen der niedrigen Öl- und Börsenstrompreise um fast ein Zehntel zurück. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 9 Prozent auf 2,83 Mrd. Euro gesunken, teilte E.ON mit. Unter dem Strich konnte E.ON sein Ergebnis im Auftaktquartal sogar auf 1,06 Mrd. Euro (nach 762 Mio. Euro) steigern, dies war aber in erster Linie einer niedrigeren Steuerlast zu verdanken. Teyssen bestätigte die Prognose, wonach das operative Ergebnis 2015 von 8,3 Mrd. Euro im Jahr zuvor auf 7,0 bis 7,6 Mrd. Euro fallen wird.

Und dabei profitiert der Konzern noch von langfristig vereinbarten Verkaufskontrakten mit Preisen deutlich über dem Markt. Demnächst würden die von E.ON erlösten Verkaufspreise weiter sinken, kündigte Teyssen an.

Angesichts solcher düsteren Aussichten mit dem bisherigen Geschäftsmodell blieb den Aktionären kaum etwas übrig als dem Vorstand auf seinem Weg zur Aufspaltung des Unternehmens zu folgen. „Riskant“ oder „mutig“ - diese Adjektive kamen je nach Temperament des Redners in vielen Beiträgen vor. Viele Anteilseigner wollten mehr Details über den Weg der Zukunfts-E.ON. Nur mit High-Tech-Steuergeräten für den Strom- und Energieverbrauch ließen sich die 40.000 Mitarbeiter der neuen E.ON kaum beschäftigen.

Die ersehnten Details für den neuen Weg des Konzerns konnte Teyssen noch nicht bieten. So bleibt es zunächst für die Aktionären bei einem Wechsel auf die Zukunft. „Sie haben immerhin einen Plan B. Das kriegen nicht alle hin“, sagte ein Aktionärsvertreter. „Vom RWE-Turm wird man neidisch auf diese Hauptversammlung blicken.“ RWE setzt bisher weiter auf das traditionelle „integrierte Modell“ aller Sparten in einem Konzern.

~ ISIN DE000ENAG999 WEB http://www.eon.com/ ~ APA447 2015-05-07/15:17


Kommentieren