70 Jahre Kriegsende - Friedensnobelpreisträger Walesa zu Gast in Graz

Graz (APA) - Anlässlich 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges war Friedensnobelpreisträger Lech Walesa zu Gast in Graz. Er verewigte sich am...

Graz (APA) - Anlässlich 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges war Friedensnobelpreisträger Lech Walesa zu Gast in Graz. Er verewigte sich am Vormittag auf Einladung von Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) im Goldenen Buch der Stadt. Am Nachmittag war er Gastredner bei der öffentlichen Sondergemeinderatssitzung. Die Grazer Grünen kritisierten den polnischen Ex-Präsidenten wegen seiner „ausgrenzenden Haltung“.

Walesa meinte zur Entwicklung Europas, dass kämpfen keinen Sinn habe und „wir zu Frieden verurteilt“ seien. Er habe schon vor 20 Jahren vor Russland gewarnt. Derzeit würde die Solidarität Europas getestet. „Wenn sich mancher fragt, welches Mandat mich berechtigt, über das Ende des Krieges zu sprechen, dann muss ich sagen, dass auch ich dafür bezahlt habe. Und zwar mit meinem Vater, der im Mai 1945 zwar aus dem Krieg zurückgekehrt ist, aber im Juni darauf verstorben ist, weil er so ausgemergelt war. Zum zweiten kann ich sagen, dass für Polen und Ost-Mitteleuropa der Krieg in Wahrheit erst 1993 beendet war, als die sowjetischen Soldaten die einstigen kommunistischen Staaten verlassen haben, in denen sie - ohne zu fragen - nach dem Krieg geblieben waren“, sagte der ehemalige Präsident Polens (1990-1995).

Nagl sprach von seinem Ehrengast in hohen Tönen: „Walesa steht für Freiheit, Frieden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für die er gekämpft hat.“ Diese Ansicht teilten die Grazer Grünen nicht ganz: Die Wahl des polnischen Ex-Präsidenten als Festredner sei bedauerlich, denn ginge es nach ihm, sollten „homosexuelle Abgeordnete im Parlament in der letzten Reihe oder sogar draußen sitzen“, „nahe der Mauer oder sogar hinter der Mauer“, zitierten sie Walesas Aussagen aus einem Fernsehinterview 2013.

Als Zeichen des Protests zogen die Grünen am Nachmittag bei der Rede von Walesa aus dem Sondergemeinderat aus. Zum Gedenken an die homosexuellen Opfer des NS-Terrors hinterließen sie auf ihren Sitzen den „Rosa Winkel“ - jenes Zeichen, das homosexuelle Opfer in den Konzentrationslagern tragen mussten. Laut den Grünen wurden die „Rosa Winkel“ umgehend von Security-Mitarbeitern eingesammelt.


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