Österreicher zogen 2014 erstmals unterm Strich Auslandsinvestments ab

Wien (APA) - Erstmals haben österreichische Investoren 2014 per saldo mehr Eigenkapital aus dem Ausland abgezogen als dort hineingesteckt. U...

Wien (APA) - Erstmals haben österreichische Investoren 2014 per saldo mehr Eigenkapital aus dem Ausland abgezogen als dort hineingesteckt. Und in bestehende oder neue Auslandsbeteiligungen wurde mit 5,8 Mrd. Euro so wenig investiert wie seit 2001 nicht. „Die Investoren sind auf Konsolidierungskurs und stoßen verlustträchtige Beteiligungen ab“, erklärte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Freitag.

Die von ausländischen Geldgebern im Vorjahr in österreichische Unternehmen investierten 3,5 Mrd. Euro liegen ebenfalls am unteren Rand der üblichen Größenordnung, erklärte der Leiter der Hauptabteilung Statistik der OeNB, Johannes Turner, bei der Präsentation der Leistungsbilanz.

Gewinnausschüttungen aus dem Ausland lukrierten heimische Direkt-Investoren insgesamt 8,5 Mrd. Euro, nur etwas weniger als im bisher erfolgreichsten Jahr 2012. Noch mehr, nämlich 9,2 Mrd. Euro, erhielten ausländische Eigentümer von Austro-Töchtern an Dividenden, laut OeNB mehr als je zuvor.

Die Finanzbeziehungen mit dem Ausland sind intensiv, aktiv- und passivseitig hat ein Drittel des Volumens einen Auslandsbezug. Das Finanzvermögen bzw. die Verpflichtungen der gesamten Volkswirtschaft im In- und Ausland betrugen Ende 2014 je rund 2.700 Mrd. Euro - rechnerisch mehr als das Achtfache des BIP. Der Auslandsanteil erreichte auf beiden Bilanzseiten über 850 Mrd. Euro, schon ein Drittel der gesamten Finanzposition. „Sonstige Finanzinstitute“, also Versicherungen und Investmentfonds, sind noch enger mit dem Ausland verflochten, hier ist das Auslandsgeschäft sogar das überwiegende Investitionssegment. Die Privathaushalte dagegen sind ein traditioneller Inlandsinvestor mit 90 Prozent heimischem Anteil - doch sind sie über Zertifikate und Polizzen indirekt doch mit 25 Mrd. Euro in ausländische Wertpapiere investiert.

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Der Kapitalverkehr Österreichs stagnierte weiter auf geringem Niveau, teils gab es die schon erwähnten Desinvestments. Insgesamt stagnierten die Kapitalbilanz-Aktivitäten auf einem geringen Niveau, noch tiefer war es im letzten Jahrzehnt nur 2009 und 2010. Von den Größen von vor der Wirtschafts- und Finanzkrise ist Österreich noch weit entfernt. Per saldo zeigten die grenzüberschreitenden Finanzforderungen wie auch die Verpflichtungen 2014 sogar einen geringfügigen Rückzug der Investoren (aktivseitig -4 Mrd. Euro, passivseitig -10 Mrd. Euro).

Dank Direktinvestitionen im Ausmaß von +5,8 Mrd. Euro (aktiv) und +3,5 Mrd. Euro (passiv) registrierte die OeNB erneut eine Ausweitung der grenzüberschreitenden Firmenbeteiligungen. Inländer kauften ausländische Wertpapiere um 7 Mrd. Euro (wie 2013), während ausländische Investoren im Gegensatz zu 2013 per saldo österreichische Wertpapiere für 3,4 Mrd. Euro verkauft haben (hauptsächlich Anleihen). Die vor allem aus Bargeld, Einlagen- und Kreditgeschäft bestehenden sonstigen Investitionen zeigten auf beiden Bilanzseiten Desinvestitionen in zweistelliger Milliarden-Höhe (-19 bzw. -10 Mrd. Euro).

Die Einnahmen aus firmenbezogenen Dienstleistungen waren 2014 mit rund 35 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch wie jene aus dem Reiseverkehr, die Exportquote erreichte hier mit 10,6 Prozent den bisherigen Höchstwert. 36,8 Prozent der Dienstleistungsexporte gingen nach Deutschland, 7,3 Prozent in die Schweiz, 5,1 Prozent nach Italien. Importiert wurden firmenbezogene Dienstleistungen u.a. zu 32,5 Prozent aus Deutschland, zu 5,1 Prozent aus dem Vereinigten Königreich und zu 4,8 Prozent aus der Schweiz.

Die „technologische Zahlungsbilanz“ sei eine Erfolgsstory, obwohl Österreich kein Billiglohnland sei, dass die Exporte von Patenten und Lizenzen sowie F&E schrumpfen, sei aber „eher eine bedenkliche Entwicklung“, so Turner.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA387 2015-05-08/14:03


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