Richterwoche - Experten warben für Social Media in Pressearbeit

Kitzbühel (APA) - Am letzten Tag der diesjährigen Richterwoche in Kitzbühel zum Thema Justiz und Medien haben die Veranstalter zwei internat...

Kitzbühel (APA) - Am letzten Tag der diesjährigen Richterwoche in Kitzbühel zum Thema Justiz und Medien haben die Veranstalter zwei internationale Experten aufbieten können: Rune Lium, Gerichtssprecher im Prozess gegen Massenmörder Anders Breivik, und Andrea Titz, Sprecherin des Oberlandesgerichts München. Beide warben für einen verstärkten Einsatz von Social Media in der Pressearbeit der Justiz.

Titz ist vor allem aus dem NSU-Prozess und den Verfahren gegen Uli Hoeneß und Bernie Ecclestone bekannt. Sie nahm am Freitag zusammen mit Lium an einer Podiumsdiskussion in der Gamsstadt teil.

Lium berichtete davon, dass das Gericht in Oslo bereits während des Breivik-Prozesses etwa auf Twitter gesetzt habe. „Es ist ein einfacher Weg, Informationen an alle weiterzugeben, auch über praktische Dinge. Und jeder Journalist bekommt zur selben Zeit dieselbe Information“, zeigte sich Lium angetan. Auch operiere er mit einem eigenen „judge blog“, berichtete der „media judge“ aus Norwegen.

Er beschrieb eindrücklich die rund eineinhalb Jahre nach dem Attentat, in denen „die ganze Welt“ Informationen wollte. Am Anfang habe „Chaos“ geherrscht, man sei von all den Journalisten überrumpelt worden. Als „sehr effektiv“ hätten sich etwa die gemeinsamen Pressekonferenzen von Richter und Verteidiger herausgestellt, als es um die Frage der Untersuchungshaft ging. Auch das ständige Erklären und Kommunizieren der Position des Gerichts sei bedeutend gewesen - etwa weshalb man es dem Massenmörder überhaupt erlaube, vor Gericht zu sprechen. „Die Gesellschaft wollte nicht, dass er spricht“, erinnerte Lium.

Titz konnte dem verstärkten Einsatz von Social Media - in Bayern ebenso wie in Österreich nicht üblich - ebenfalls einiges abgewinnen: „Twitter und Blogs - das sind bedenkenswerte Ideen.“ Die Justiz müsse „da auch präsent sein“. Die Richterin, die zu 75 Prozent für die Medienarbeit freigestellt ist, zählte vor allem eine gute personelle und technische Ausstattung, eine gute Planung mit dem Gericht im Vorfeld eines Prozesses und ein großes Vertrauen zwischen Mediensprechern und Richtern bzw. Journalisten zu den Grundvoraussetzungen für eine funktionierende, moderne Medienarbeit. „Nur zufriedene Journalisten machen eine gute Presse für die Justiz“, zeigte sie sich überzeugt. In München habe man dahin gehend seit dem „aus dem Ruder gelaufenen“ Akkreditierungsverfahren für den NSU-Prozess viel gelernt. Im Fall Hoeneß etwa wurde den Berichterstattern, Kameraleuten und Fotografen einige Tage vor dem Prozess die Möglichkeit gegeben, den Verhandlungssaal in Augenschein zu nehmen. Dies sei wichtig für deren Vorberichterstattung gewesen.


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