Stadt Salzburg übernimmt Ehrengrab für sechs ermordete NS-Opfer

Salzburg (APA) - Mit einem Festakt am Kommunalfriedhof hat die Stadt Salzburg am Freitagnachmittag eine Grabstätte für sechs während des NS-...

Salzburg (APA) - Mit einem Festakt am Kommunalfriedhof hat die Stadt Salzburg am Freitagnachmittag eine Grabstätte für sechs während des NS-Regimes hingerichtete Salzburger zum Ehrengrab erklärt. Die Ermordeten waren Mitglieder des kommunistischen Widerstands und wurden zwischen April und Juli 1943 in München-Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet.

Anfang der 1950er Jahre wurden insgesamt elf hingerichtete Mitglieder des politischen Widerstands aus Salzburg auf dem Forstfriedhof in München-Perlach exhumiert und sechs davon im Grab des Salzburger KZ-Verbandes am Kommunalfriedhof bestattet. „Es war damals nicht so einfach, Angehörige zu finden“, sagte Siegfried Trenker vom KZ-Verband Salzburg zur APA. Die anderen fünf Ermordeten fanden in ihren Familiengräbern die letzte Ruhe.

Insgesamt wurden laut Daten aus dem Archiv der Stadt Salzburg im Dritten Reich mehr als siebzig Aktivisten des kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandes von NS-Schergen hingerichtet, kamen in Konzentrationslagern und Haftanstalten ums Leben oder starben nach der Befreiung an den Haftfolgen. Ihre politische Tätigkeit bestand meist im Zahlen von Mitgliedsbeiträgen, in der Unterstützung von Angehörigen politisch Gemaßregelter und Verfolgter, in der Weitergabe politischer Schriften sowie im Werben von Mitgliedern. Das geheime Netzwerk wuchs in der Stadt Salzburg allmählich, flog aber durch einen Spitzel im Frühjahr 1942 auf.

Bei dem Festakt am Freitag exakt am 70. Jahrestag der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus wurde den sechs Opfern auf Plakaten Namen und Gesicht gegeben, zwei Schauspieler lasen aus Abschiedsbriefen und den am Volksgerichtshof Salzburg gefällten Todesurteilen vor. Außerdem wurde eine Gedenktafel enthüllt. Mit der Übernahme als Ehrengrab übernimmt die Stadt Salzburg auf 30 Jahre die Pflege und Kosten des Grabes.

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(S E R V I C E: Biografien der sechs ermordeten Widerstandskämpfer Karl Schallmoser, Rudolf Smolik, Anton Schubert, Heinrich Auer, Franz Pöttinger und Josef Wartinger finden sich im Internet unter http://www.kz-verband-salzburg.at bzw. http://www.stolpersteine-salzburg.at)


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