Polizei vereitelt geplanten Terroranschlag in Australien

Die australische Polizei fand bei einer Anti-Terror-Razzia drei improvisierte Sprengsätze. Laut Medienberichten sei ein Anschlag für Sonntag in Melbourne geplant gewesen.

Die Polizei informierte die Öffentlichkeit über den Einsatz gegen den damals 17-Jährigen.
© AAP

Melbourne – Die australische Polizei hat nach eigenen Angaben erneut einen Terroranschlag vereitelt. Polizisten stürmten am Freitag ein Haus in einem Vorort von Melbourne und nahmen einen 17-Jährigen fest, wie die Sicherheitsbehörden am Samstag mitteilten. Spezialisten stellten drei Sprengsätze sicher.

Die Planung für einen Bombenanschlag sei in einem „ziemlich fortgeschrittenen Stadium der Vorbereitung“ gewesen, sagte Premierminister Tony Abbott. Die Polizei gehe davon aus, dass der Jugendliche einen Terroranschlag vorbereitet habe, sagte der stellvertretende Chef der australischen Bundespolizei, Mike Phelan, vor Journalisten. Bei der Durchsuchung des Hauses wurden demnach drei selbst gebastelte Sprengsätze gefunden, die allerdings noch nicht fertiggestellt waren.

Der 17-Jährige soll am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden. Über seine genauen Motive konnte die Polizei noch keine Angaben machen.

Die Polizei wollte sich nicht zu Berichten äußern, wonach der geplante Anschlag am Muttertag am Sonntag verübt werden sollte. „Aber seien Sie versichert, es sollte etwas geschehen“, sagte Phelan. Ohne ein Eingreifen der Sicherheitskräfte hätte „eine echte Gefahr bestanden“.

Wie der Regierungschef des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, sagte, war die Polizei durch einen Anruf bei einer Anti-Terror-Hotline auf den Jugendlichen aufmerksam geworden. Seiner Festnahme gingen demnach neuntägige Ermittlungen voraus.

Australien hatte im September die Terror-Alarmstufe erhöht, seither fanden eine Reihe von Anti-Terror-Einsätzen statt. Besorgnis gibt es vor allem angesichts heimkehrender Jihadisten aus Syrien und dem Irak, wo Australien den Kampf gegen die Jihadistengruppe „Islamischer Staat“ (IS) unterstützt.

Regierungschef Abbott bezeichnete es als „tragische Wahrheit“, dass in Australien Menschen lebten, die anderen etwas antun wollten. Er rief die Bevölkerung auf, sich nicht verängstigen zu lassen. Das sei genau das Ziel von Extremisten. „Das Beste ist, das Leben weiterzuleben wie bisher“, sagte er in Darwin. „Unsere Freiheit, unsere Fairness, unsere Toleranz und unsere Offenheit für Menschen aus aller Welt - das ist genau das, was dieser Totenkult und seine Anhänger hassen.“ Mit Totenkult bezeichnet Abbott die IS-Terrormiliz.

Ende April waren ebenfalls in Melbourne zwei Männer unter dem Verdacht festgenommen worden, einen vom IS inspirierten Anschlag auf die Feierlichkeiten zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten geplant zu haben. Einen Zusammenhang zu dem nun festgenommenen 17-Jährigen gibt es nach Angaben der Polizei aber vermutlich nicht.

Im Februar hatte die australische Polizei nach eigenen Angaben bereits einen unmittelbar bevorstehenden Terrorangriff in Sydney vereitelt. Zwei Männer wurden festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte bei ihnen eine Machete, ein Jagdmesser, eine selbst gebastelte IS-Flagge und ein arabischsprachiges Video, in dem es um den geplanten Anschlag ging.

Im Dezember brachte ein mutmaßlicher Islamist in einem Cafe im Zentrum Sydneys 17 Menschen in seine Gewalt. Nach 16 Stunden stürmte die Polizei das Lokal. Drei Menschen wurden getötet, darunter der Täter. (APA/AFP/dpa)


Schlagworte